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Kaufland und Ikea: Streiks in Dresden

Die Mitarbeiter im Handel wollen mehr Geld. Vom Streik sind an diesem Donnerstag auch Läden in Dresden betroffen. Aber nicht alle sind deshalb zu.

Verdi streikt in Dresden.
Verdi streikt in Dresden. © SZ/Vollmer

Dresden. Nachdem am vergangenen Wochenende in Thüringen und Sachsen-Anhalt in mehreren Einzelhandelsunternehmen gestreikt wurde, setzt die Gewerkschaft Verdi die Streiks an diesem Donnerstag bei Ikea in in Dresden und in mehreren Kaufland-Filialen in Dresden fort.

Etwa 100 Menschen haben sich am Morgen vor der Ikea-Filiale im Elbepark versammelt. Mit einer Vollzeitstelle im Ikea verdiene man 2.600 Euro brutto, aber die meisten Angestellten würden nur in Teilzeit arbeiten, berichtet ein Ikea-Mitarbeiterin vor Ort. Deshalb streikt sie heute für ein besseres Gehalt.

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"Das Arbeitgeberangebot von gerade mal ein Prozent mehr Lohn in diesem Jahr, einer dreijährigen Laufzeit und unterschiedlichen Erhöhungszeitpunkten, je nachdem, wie ein Unternehmen durch die Pandemie gekommen ist, ärgert uns. Von Wertschätzung keine Spur", so Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago.

"Wir wollen den Arbeitgebern deutlich zeigen, dass die Beschäftigten spürbare Einkommenserhöhungen erwarten. Ein Verstecken hinter innerstädtischen Familienbetrieben, die durch Corona stark betroffen waren, werden wir nicht zulassen."

Die Umsatzsteigerungen gerade im Lebensmitteleinzelhandel seien gigantisch und jetzt würden die Arbeitgeber kleckern, das nehmen ihnen die Beschäftigten sehr übel. "Deswegen gehen die Beschäftigten auf die Straße", so Jens Uhlig, der für den Handel in Dresden zuständig ist.

Keine großen Auswirkungen für die Kunden

Bei Ikea selbst befürchtet man keine großen Einschränkungen. Die Streiks bei Ikea hätten keine Auswirkungen für die Kunden, ist sich Dirk Gaißer sicher, der Chef des Dresdner Einrichtungshauses. Aus den bisherigen Erfahrungen mit Streiks weiß er, dass sich nicht sehr viele Mitarbeiter beteiligen und deshalb alle Abteilungen und auch das Restaurant geöffnet sein werden.

Gaißer hält es für legitim, dass die Kollegen für höhere Löhne kämpfen, doch man sollte die Verhandlungen abwarten. "Unser Unternehmen hat keinen einzigen Mitarbeiter während der Pandemie in Kurzarbeit geschickt, das war ein großes Privileg gegenüber anderen Beschäftigten", sagt Gaißer. Zudem bezahle Ikea seine Mitarbeiter nach Tarif. "Ich glaube deshalb, dass unser Unternehmen nicht das richtige für solche Aktionen ist", sagt er.

Der Hausleiter ist sehr zufrieden, wie sich das Geschäft nach der Schließung entwickelt hat. "Natürlich kommen an den Wochenenden mehr Kunden, als wir aufgrund der Abstandsregeln hineinlassen dürfen. Aber insgesamt läuft es sehr gut."

Auch Mitarbeiter der Kaufland-Filiale im Kaufpark Nickern nehmen an dem Streik teil, teilt das Unternehmen mit. "Die Filiale hat regulär geöffnet, die Kunden können wie gewohnt ihre Einkäufe tätigen."

Die Durchführung von Streikmaßnahmen sei eine legitime Möglichkeit für Arbeitnehmer, ihre Forderungen zum Ausdruck zu bringen, heißt es weiter. Selbstverständlich respektiere Kaufland die Teilnahme der Mitarbeiter an Streiks. Das Unternehmen würde es begrüßen, wenn die Tarifparteien sich zeitnah auf einen Abschluss einigen. Als Arbeitgeber im Einzelhandel lege die Schwarz Gruppe, zu der Kaufland gehört, mit ihren Handelssparten großen Wert auf eine faire Vergütung. Vor dem Hintergrund der erschwerten Bedingungen im Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen Monaten sei es Lidl und Kaufland ein Anliegen, das Tarifentgelt bereits ab Juni 2021, vor Abschluss der aktuellen Tarifverhandlungen Einzelhandel, um drei Prozent zu erhöhen. Die Handelssparten gingen damit freiwillig in Vorleistung und zahlen weiterhin über Tarif. Sollte die ausstehende Entscheidung der Tarifpartner zur Erhöhung der Tariflöhne geringer ausfallen, würden Lidl und Kaufland darüber hinaus freiwillig den entsprechenden Differenzbetrag zu drei Prozent gewähren.

Die Tarifverhandlungen für die 280.000 Beschäftigten für den Einzel- und Versandhandel in Mitteldeutschland wurden am 1. Juni ergebnislos vertagt, so Verdi. Die Arbeitgeber fordern einen Dreijahresabschluss. Für das erste Jahr wurden ein Prozent mehr Lohn, für das zweite Jahr 1,4 und für das dritte Jahr zwei Prozent angeboten. Für Unternehmen, die von den Pandemieauswirkungen betroffen waren, sollen die Erhöhungen jeweils zehn Monate beziehungsweise sechs Monate später gezahlt werden. Zusätzlich wird in Unternehmen, die gut durch die Pandemie gekommen sind, eine einmalige Coronaprämie für zehn Monate von 37,32 Euro bei Vollzeit gezahlt werden.

Die Arbeitgeber lehnen die Verhandlung über die Angleichung der Laufzeiten, die Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit und die Einführung eines tariflichen Mindestlohns von 12,50 Euro ab.

Die Verdi-Tarifkommission fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro monatlich. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde.

Der neue Tarifvertrag soll eine verkürzte Laufzeit von zehn Monaten haben, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer zu vollziehen. Für Gewerkschaftsmitglieder werden zusätzliche drei freie Tage als "Gesundheitstage" gefordert.

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