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Zu wenige Schulplätze im Dresdner Norden

Weixdorfer Eltern müssen um einen Platz für ihr Kind am Gymnasium Klotzsche bangen, denn es wird gelost. Auch der Schulleiter hasst dieses Verfahren.

Weixdorf Eltern sind in Sorge, dass ihre Kinder keinen Platz am Gymnasium Klotzsche finden. Kristin Obitz (3.v.l.) und ihr Mann (ganz links) finden das Losverfahren bedenklich.
Weixdorf Eltern sind in Sorge, dass ihre Kinder keinen Platz am Gymnasium Klotzsche finden. Kristin Obitz (3.v.l.) und ihr Mann (ganz links) finden das Losverfahren bedenklich. © Madeleine Arndt

Dresden. Für Kristin Obitz ist es wie ein Deja vu. Seit ihr Sohn 2011 auf die Welt kam, muss die Weixdorferin um scheinbar normale Dinge kämpfen. Zuerst um einen Krippen- und Kitaplatz, dann um einen Platz an der Grundschule im Ort und jetzt dafür, dass er ab der 5. Klasse im Spätsommer am Gymnasium Klotzsche lernen kann. Immer wieder war Obitz damit konfrontiert, dass es nicht genügend Plätze für die Betreuungs- und Schulangebote in ihrem Wohnviertel im Dresdner Norden gab und noch gibt.

Aktuell gehört ihr Sohn zu 80 Kindern, die nur über ein Losverfahren noch die Möglichkeit haben, am Gymnasium Klotzsche aufgenommen zu werden. Die Begründung ist, dass Weixdorf nicht im Zwei-Kilometer-Radius um die Schule liegt. Das trifft auf 80 angemeldete Kinder zu, nur für 54 ist Platz. 26 müssen an andere Schulen gehen.

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Schuleiter Frank Haubitz musste dies neben der bevorzugten Aufnahme von Geschwisterkindern als ein Auswahlkriterium festlegen. Er hat 179 Anmeldungen für die neuen fünften Klassen erhalten, das wären sieben Züge. Laut Schulnetzplan darf er aber nur fünf aufnehmen. Räumlich seien mehr Schüler in Klotzsche und in der derzeitigen Auslagerungsschule in Pieschen kein Problem, hatte Haubitz argumentiert. Doch in Gesprächen mit dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) sowie dem Schulverwaltungsamt der Stadt konnte man sich lediglich auf sechs Züge einigen.

Damit sei man der Stadt bereits weit entgegengekommen, argumentiert Clemens Arndt vom Lasub. "Die erweiterte Aufnahme hat langfristige Folgen. Und angesichts des Bedarfes im Dresdner Norden ist davon auszugehen, dass auch in kommenden Jahren mehr Schüler auf das Gymnasium Klotzsche gehen wollen. Das würde aber bedeuten, dass dort in vier, fünf Jahren nur noch vier Klassen aufgenommen werden könnten, weil dann Räume fehlen", sagt Arndt.

Kurze Wege für kleine Füße

Schulleiter Frank Haubitz ist ziemlich verärgert darüber, dass er jetzt das Losverfahren anwenden muss und versteht die Sorgen und den Ärger der Eltern. "Kurze Wege für kleine Füße", ist auch seine Devise. Aber jetzt müsse er für die 26 Kinder, die keinen Platz in Klotzsche bekommen, Alternativen anbieten. Die gebe es in Gymnasien in Radeberg, an der Dreikönigsschule, dem Romain-Rolland- und dem Pestalozzi-Gymnasium. Für die Schüler aus dem Radeburger Bereich käme auch Großenhain in Frage.

Das Hauptproblem aber sei, dass es zu wenige Plätze in weiterführenden Schulen im Dresdner Norden gibt, sagt Haubitz. Zwei bis drei Klassen an Oberschulen und Gymnasien fehlten. "Und das wird sich bis 2030 fortsetzen", ist Haubitz überzeugt. Unverständlich sei, weshalb die Stadt nicht eher gehandelt hat, denn die Kinderzahlen seien ja bekannt. "Hier müssen sich die Eltern stark machen, dass sich die Situation ändert, auch für nachfolgende Kinder!"

Dresdens Schulbürgermeister Jan Donhauser (CDU) verweist auf den Kompromiss mit dem sechsten Zug. "Damit sind wir doch schon ein Stück vorangekommen", sagt er. In Dresden gebe es auch andere Schulen, die mehr Anmeldungen als Plätze haben, wie das Gymnasium Bürgerwiese. Dort könne auch nicht jeder Wünsch erfüllt werden.

Zu angespannten Platzsituation im Dresdner Norden sagt er, dass die Kapazitäten im Schulnetzplan prognostiziert und einer regelmäßigen Überprüfung aufgrund einer kleinräumigen Bevölkerungsprognose unterzogen würden. Auf kurzfristige Schwankungen habe der Schulträger jeweils reagiert. So seien die Standorte der Grundschulen Weixdorf und Langebrück mit mobilen Raumeinheiten ergänzt worden. Für die Oberschule Weixdorf und die 82. Oberschule wurde eine erweiterte Zügigkeit abgestimmt, um dem Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler besser zu entsprechend. "Grundsätzlich wird damit in allen Schularten allen Schülerinnen und Schülern ein Schulplatz angeboten, der unter anderem auch gerichtlichen Empfehlungen zur zumutbaren Länge der Schulwege entspricht", sagt Donhauser.

Gemeinschaftsschule soll gegründet werden

Kristin Obitz und ihrem Mann hilft diese pauschale Aussage nicht weiter. Sie befürchten einen langen Schulweg für ihren zehnjährigen Sohn. "Wir fühlen uns so hilflos, weil wir gar nichts dagegen unternehmen können", sagen sie.

Doch es gibt durchaus Lichtblicke, was die weiterführenden Schulen anbelangt. So wurde durch Stadträtinnen des Nordens fraktionsübergreifend ein Antrag zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule im Dresdner Norden eingereicht, der an diesem Donnerstag im Rat behandelt werden soll. Die Grundlagen dafür hat die Arbeitsgruppe Bildung aus Elternvertretern erarbeitet. In dieser Gemeinschaftsschule könnten Schüler länger gemeinsam lernen und es gebe Oberschul- und Gymnasialplätze.

Das hält auch der Schulbürgermeister für eine gute Idee und hat bereits einen möglichen Standort dafür im Blick. Derzeit entsteht die 151. Oberschule an der Stauffenbergallee, die zum Schuljahr 2022/23 an der Start gehen soll. Sie ist bereits vorgegründet, die ersten Schüler lernen im Schulhaus auf der Hechtstraße. Künftig soll es vier Klassen pro Stufe geben. "Die Schule hat Interesse angemeldet, eine Gemeinschaftsschule zu werden", sagt Donhauser. Nun müsse geprüft werden, ob das mit den Räumlichkeiten klappt und natürlich müsse ein Schulkonzept erarbeitet werden. Nach dem Beschluss der Schulkonferenz wäre auch einer des Stadtrates nötig. Ein weiteres Grundstück für eine andere Gemeinschaftsschule im Dresdner gebe es derzeit nicht, so Donhauser.

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Grundsätzlich plane die Stadt auch Gespräche mit den Landkreisen Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, um für Schüler aus den Dresdner Stadtrandgebieten sowie für Interessierte aus den Kreisen geeignete Möglichkeiten über Kreis- und Stadtgrenzen hinaus zu finden. So bekomme das Gymnasium in Radeberg sogar ein weiteres Geschoss, um mehr Plätze anbieten zu können.

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