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Zündeln im Ausnahmezustand

Ein 24-jähriger Dresdner hat im April die Wohnung seiner Eltern angesteckt. Der Mann ist jedoch nicht schuldfähig.

Flammen schießen aus der Wohnung in der Alberstraße. Die Feuerwehr hatte am Abend des 8. April alle Hände voll zu tun, den Brand zu löschen. Der psychisch kranke Brandstifter steht nun vor Gericht.
Flammen schießen aus der Wohnung in der Alberstraße. Die Feuerwehr hatte am Abend des 8. April alle Hände voll zu tun, den Brand zu löschen. Der psychisch kranke Brandstifter steht nun vor Gericht. © Andreas Weller

Dresden. Am Abend des 8. April brannte eine Vierraumwohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Albertstraße vollständig aus. Elf Hausbewohner erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden vor Ort behandelt, vier von ihnen kamen in Krankenhäuser. Allein die Vonovia als Eigentümerin beziffert den Sachschaden am Gebäude auf rund 140.000 Euro – darin ist das Inventar der zerstörten Wohnung noch nicht einmal enthalten.

Es war schnell klar, dass der Brand gelegt worden sein musste. Noch in der Nacht wurde ein Verdächtiger festgenommen - ein 24-Jähriger, der mit Eltern und Geschwistern in der betroffenen Wohnung lebte. Am Dienstag hat der Prozess gegen den Dresdner begonnen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft kann der junge Mann jedoch nicht für die Tat verurteilt werden. Er ist paranoid schizophren.

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Aufgrund dieser Erkrankung, die erst nach der Tat bei dem Mann festgestellt wurde, habe er in einem Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Das Landgericht Dresden muss daher in diesem sogenannten Sicherungsverfahren prüfen, ob der Betroffene in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss, weil er möglicherweise auch weiterhin gefährlich ist.

Zuerst brannte ein Musikinstrument

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde in der ausgebrannten Wohnung ein ethanolhaltiger Brandbeschleuniger festgestellt. Der 24-Jährige soll in der Wohnung zunächst einen Flügel angezündet haben. Von dort aus haben sich die Flammen in kürzester Zeit auf die gesamte Wohnung ausgebreitet.

Der Betroffene, der seit seiner Verhaftung in einem Krankenhaus untergebracht ist, gab die Vorwürfe zu und bat um Entschuldigung - die Feuerwehr, den Rettungsdienst, die Polizei, die Bewohner des Hauses, die Vonovia. Und ganz besonders auch seine Mutter, die wie sein Vater bei dem Brand zunächst in der Wohnung war und Verbrennungen im Gesicht erlitten hat. "Ich war nicht Herr meiner Sinne", sagte er.

Schlaflosigkeit und Suizidversuche

Der Betroffene berichtete, wie er sich in den Wochen vor und nach der Tat gefühlt habe. Aufgrund seiner inneren Unruhe, er habe tagelang nicht geschlafen, habe er vor der Brandstiftung in der Elbe Suizid begehen wollen, unmittelbar danach auch wieder.

Die Frage, wie genau er die Wohnung in Brand gesteckt habe, könne er jedoch nicht beantworten. Er sagte einmal, er habe sich "dazu genötigt gefühlt", aber konnte auch das nicht genauer erklären.

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Seit 2017 fühle er sich in Dresden verfolgt, was auch mit seiner Hautfarbe zu tun habe, sein Vater stammt aus Somalia. Es sei eine sehr schwere Zeit für ihn gewesen. Der Prozess gegen den bereits justizbekannten Betroffenen wird fortgesetzt, drei weitere Sitzungstage sind noch geplant.

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