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Dresdens erste Lego-Schule

Die alte Grundschule am Terrassenufer bekommt einen Anbau. Die Baufirma sorgt bald auch für neue Wohnungen.

© René Meinig

Von Annechristin Bonß

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Ein Wort will Ronny Witzorky auf dieser Baustelle auf keinen Fall hören: Container. „Das sind keine Container“, sagt der Vertriebsleiter der Firma Alho Systembau. „Das sind Raummodule.“ Und schon hebt der Kran erneut einen der tonnenschweren Quader in die Höhe: bis zu acht Tonnen schwer, zehn Meter lang, drei Meter breit, 3,60 Meter hoch. Ein Fenster ist eingebaut, eine Tür vorgesehen. Eine Stahl-Konstruktion, ausgekleidet mit Gipskarton. Kein Container, der rundum aus Stahl besteht und kein extra Dach benötigt.

108 Raummodule werden jetzt zu Dresdens erster Lego-Schule zusammengesetzt. Die entsteht am Terrassenufer. Die ehemalige Grundschule, die schon lange als Ausweichgebäude für andere Schulen genutzt wird, soll erweitert werden. Im August ziehen Schüler und Lehrer aus dem Gymnasium Plauen an die Elbe. Damit die vier Klassen je Stufe genug Platz haben, bekommt die Schule einen Anbau in Modulbauweise.

Die Module lässt Alho Systembau im Standort in Coswig fertigen. Am Terrassenufer werden sie aufeinandergesetzt. Drei Etagen hat der Neubau. Arbeiter verschweißen die einzelnen Module. Dann kommen Dach und Fassade an das Bauwerk. Lampen, sanitäre Anlagen, fest installierte Schränke sowie Tische, Tafeln und die Technik für die Fachkabinette baut das Unternehmen ebenfalls ein. Ein Zimmer besteht am Ende aus drei bis vier Modulen. Dass die neue Schule ähnlich wie beim Spiel mit Legosteinen im Baukastenprinzip entstanden ist, merkt am Ende niemand. „Der Standard ist wie bei einem Schulneubau“, sagt Tino Flügel vom städtischen Hochbauamt. Standards für Schallschutz, Temperatur und modernen Unterricht werden eingehalten.

Und der Neubau ist hochwassersicher. Tritt die Elbe tatsächlich über die Ufer und erreicht das Wasser das Grundstück, würde das Wasser unter dem Modulbau hindurchfließen. Denn er steht auf Stützen. 2,2 Millionen Euro investiert die Stadt, um das Grundstück vorzubereiten, notwendige Leitungen zu legen und schließlich die Freianlagen zu gestalten. Die Baukosten trägt die Alho Systembau selbst. Dafür zahlt die Stadt bis 2028 Miete an das Unternehmen. Die beträgt 720 000 Euro pro Jahr. Für die Betriebskosten kommen jährlich noch einmal 180 000 Euro dazu. Die lange Mietzeit ist notwendig, weil die Plauener nicht die einzigen Gäste in dem Neubau sind. Ab 2020 zieht das Gymnasium Cotta hierher.

Der Neubau in Modulbauweise ist der erste dieser Art in Dresden. Wer sich ein baugleiches Gebilde ansehen will, der muss bis nach Coswig fahren. Deutschlandweit sind auch Kitas, Krankenhäuser und Hotels bereits aus Alho-Modulen gefertigt, dazu vor allem viele Bürogebäude. So nutzt das Arbeitsamt in Köln seit vergangenem Jahr 20 000 Quadratmeter in einem solchen Gebäude. „Jetzt ist der Markt für Wohngebäude im Kommen“, sagt Ronny Witzorky.

In Dresden arbeitet das Unternehmen mit der Vonovia zusammen. Die hatte Anfang des Jahres angekündigt, an mehreren Standorten Wohnungen in Modulbauweise errichten zu wollen. An der Reicker´Straße haben die Arbeiten jetzt begonnen. Das Wort Container ist auf dieser Baustelle dann ebenfalls verboten.