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Dresdens Haus der Zukunft

In Striesen entsteht ein Wohnhaus mit vielen technischen Spielereien. Was die Mieter dort erwartet:

© Symbolfoto: Shutterstock

Von Sandro Rahrisch

Eine Solaranlage auf dem Dach, eine Stromtankstelle in der Tiefgarage und die Heizung, die sich über das Handy steuern lässt: Inzwischen gibt es viele technische Spielereien, wenn es um Energie in der Wohnung geht. Einige dieser Technologien werden jetzt in ein einziges Haus gepackt. Die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt und die Drewag bauen in Striesen ein Zukunftshaus, um das Zusammenspiel zu testen, wie die Mieter dort künftig leben werden.

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Das Dach: Solaranlage liefert Strom direkt in die Wohnungen

Kurzer Weg für den Strom: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird Sonnenenergie in Elektrizität umwandeln. Diese strömt direkt in die 14 Wohnungen. Fast alles wird damit im Zukunftshaus an der Haydnstraße verbraucht. Reichen wird der Solarstrom allerdings nicht, um das Mehrfamilienhaus komplett zu versorgen. Um die 80 Prozent der benötigten Energie müssen aus dem Dresdner Stromnetz genommen werden.

Der Keller: Akku speichert Solarenergie über mehrere Tage

Vor allem in Einfamilienhäusern wird sich eine Solaranlage ohne Speicher in Zukunft kaum noch lohnen. Denn der gesamte produzierte Strom müsste sofort genutzt oder ins Stromnetz geleitet werden. Die Einspeisung bringt allerdings nur noch wenig Geld ein, da die Vergütung unterm Strompreis liegt. Deshalb erhält das Zukunftshaus im Keller einen Stromspeicher für besonders sonnige Tage. „Ob dieser letztlich einen großen Nutzen für das Haus haben wird, wissen wir noch nicht“, sagt Swen-Sören Börner von der Drewag. Aber der Speicher sei ein Baustein des Zukunftshauses.

Die Tiefgarage: Eigene Stromtankstelle für Elektroautos

Um ihre E-Autos aufzuladen, müssen Mieter des Zukunftshauses nicht erst zur nächsten Stromtankstelle fahren. In der Tiefgarage wird nämlich eine Ladestation eingebaut. Ob sich das lohnen wird, ist unklar. Denn bisher waren nur wenige Dresdner mit rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Letztes Jahr waren gerade einmal 200 Pkw zugelassen. Die meisten stehen im Fuhrpark der Stadtwerke selbst.

Die Wohnung: Stromverbrauch auf die Minute im Auge behalten

Einmal im Jahr kommt die große Überraschung: Dann erhalten die Dresdner ihre Strom-, Wärme- und Wasserrechnung. Erst dann wissen sie, ob die monatlichen Abschläge gereicht haben. Das wird sich im Zukunftshaus ändern: Über kleine Monitore in der Wohnung sollen die Mieter jederzeit sehen können, wie hoch ihr Verbrauch ist, ob der Abschlag möglicherweise erhöht werden muss und wie sie im Vergleich zu allen anderen Wohnungen des Hauses dastehen. Über das Display soll sich auch gleich die Heizung regulieren lassen. Damit sich die nicht ganz billige Technik auch rechnet, könnte beispielsweise der Vermieter darüber ankündigen, wenn der Hausmeister vorbeikommt, um den Wasserhahn zu reparieren. Oder die Pizza-Lieferdienste in der Gegend hätten die Möglichkeit, ihre Werbung auf den Monitoren laufen zu lassen. Das Display-System kostet etwa 25 Euro pro Quadratmeter. Das macht für ein 70 Quadratmeter große Wohnung rund 1 750 Euro.

Die Steckdosen: Stromrabatt fürs Staubsaugen bei Sonnenschein

Strom dann zu nutzen, wenn besonders viel produziert wird, will die Drewag belohnen, und zwar mit einem Rabatt. Das würde so aussehen: Scheint die Sonne so viel, dass die Stromspeicher voll sind und der Überschuss ins Netz abgeleitet werden muss, würde der Energiepreis sinken. „Da wollen wir einen Anreiz schaffen, in dieser Zeit zum Beispiel Staub zu saugen oder die Wäsche zu waschen“, so Börner. Im Gegenteil würde das heißen: Der Strom müsste teurer werden, wenn er aus dem Netz gezogen werden muss. Ein Modell für die Zukunft, das im Striesener Haus nur teilweise getestet wird. So kommen die Mieter nur in den Genuss der Bonusregelung.

Noch dieses Jahr werden die Mieter in das fünfgeschossige Gebäude einziehen, teilte die WGJ mit. Im März ist Richtfest gefeiert worden. Der Test, der zeigen soll, wie nützlich die Technologien sind, und ob sie von den Mietern angenommen werden, dauert drei bis fünf Jahre. Rund 3,3 Millionen Euro werden an der Haydnstraße investiert. Der Kalt-Mietpreis liegt im Schnitt bei 9,50 Euro pro Quadratmeter.