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Dresdens heimlicher Hauptbahnhof

Die meisten Gäste der McDonalds-Filiale im Elbepark sind auf der Durchreise, drumherum ist nichts als Autobahn und Einkaufszentrum. Trotzdem oder gerade deshalb findet man hier so manche Geschichte.

© kairospress

Dresden. Es ist nicht das schönste Restaurant der Stadt, aber eines der schnellsten. Die meisten Gäste der McDonalds-Filiale im Dresdner Elbepark sind auf der Durchreise, denn drumherum ist nichts als Autobahn und Einkaufszentrum.

Dresdens heimlicher Hauptbahnhof

Die Filiale des Fast-Food-Anbieters im Dresdner Elbepark ist in gewisser Weise "heimlicher Hauptbahnhof" der Stadt.
Die Filiale des Fast-Food-Anbieters im Dresdner Elbepark ist in gewisser Weise "heimlicher Hauptbahnhof" der Stadt.
Der "Burger des Monats" ist Gunnar Jäkel und Armindo Ferreira da Silva egal. Sie kommen fast jeden Tag zur McDonalds-Filiale im Elbepark, aber essen hier so gut wie nie etwas. Das Fast-Food-Häuschen ist für sie und Dutzende andere nicht mehr als ein guter Treffpunkt, der beste Platz, um so schnell wie möglich auf die Autobahn und zur Arbeit zu kommen. „Schnell“ ist allerdings relativ, denn meistens sind ihre Wege lang. Die beiden arbeiten als Pflasterer und müssen zur jeweils aktuellen Baustelle ihrer Firma pendeln. Mal nach Cottbus, mal nach Bremen. Derzeit geht es für ein paar Monate nach Doberlug-Kirchhain. Montags bis freitags auf jeden Fall, manchmal auch bis Sonnabend. „Nur, wenn es wirklich wie aus Kannen gießt, sind wir nicht im Einsatz“, sagt Gunnar Jäkel. Bei jeder anderen Wetterlage heißt es: Schluss ist, wenn keine Arbeit mehr auf der Straße liegt. Und so steigen sie meist schon früh um sechs zu zwei Kollegen ins Auto . „Wir sind eine Fahrgemeinschaft, das ist am praktischsten und spart Benzingeld.“ Zurück geht es ebenfalls gemeinsam, oft kommen sie erst abends halb acht wieder vor der Burger-Filiale an. Viel geredet wird auf den Fahrten nicht. Einer sitzt am Steuer und die anderen drei holen Schlaf nach.
Der "Burger des Monats" ist Gunnar Jäkel und Armindo Ferreira da Silva egal. Sie kommen fast jeden Tag zur McDonalds-Filiale im Elbepark, aber essen hier so gut wie nie etwas. Das Fast-Food-Häuschen ist für sie und Dutzende andere nicht mehr als ein guter Treffpunkt, der beste Platz, um so schnell wie möglich auf die Autobahn und zur Arbeit zu kommen. „Schnell“ ist allerdings relativ, denn meistens sind ihre Wege lang. Die beiden arbeiten als Pflasterer und müssen zur jeweils aktuellen Baustelle ihrer Firma pendeln. Mal nach Cottbus, mal nach Bremen. Derzeit geht es für ein paar Monate nach Doberlug-Kirchhain. Montags bis freitags auf jeden Fall, manchmal auch bis Sonnabend. „Nur, wenn es wirklich wie aus Kannen gießt, sind wir nicht im Einsatz“, sagt Gunnar Jäkel. Bei jeder anderen Wetterlage heißt es: Schluss ist, wenn keine Arbeit mehr auf der Straße liegt. Und so steigen sie meist schon früh um sechs zu zwei Kollegen ins Auto . „Wir sind eine Fahrgemeinschaft, das ist am praktischsten und spart Benzingeld.“ Zurück geht es ebenfalls gemeinsam, oft kommen sie erst abends halb acht wieder vor der Burger-Filiale an. Viel geredet wird auf den Fahrten nicht. Einer sitzt am Steuer und die anderen drei holen Schlaf nach.
Einmal im Jahr ist Weiber-Wochenende. Dann reist die Hobby-Damenmannschaft des Volleyballvereins Zittau 09 zum Auswärtsspiel, dieses Mal ins Erzgebirge. Vorher rollen sie zur Lagebesprechung von der Autobahn zum Treffpunkt McDonalds. Um den Sieg geht es nur nebenbei. „Wir wollen vor allem Spaß haben“, sagen sie. „Von den letzten zehn Spielen haben wir leider nur eins gewonnen, aber es zählt ja auch die Erfahrung .“
Einmal im Jahr ist Weiber-Wochenende. Dann reist die Hobby-Damenmannschaft des Volleyballvereins Zittau 09 zum Auswärtsspiel, dieses Mal ins Erzgebirge. Vorher rollen sie zur Lagebesprechung von der Autobahn zum Treffpunkt McDonalds. Um den Sieg geht es nur nebenbei. „Wir wollen vor allem Spaß haben“, sagen sie. „Von den letzten zehn Spielen haben wir leider nur eins gewonnen, aber es zählt ja auch die Erfahrung .“
Aileen Frisch und Nico Grüßner brauchen kein Fünf-Gänge-Menü und keinen Champagner, sie sind froh, wenn sie sich überhaupt sehen. Die beiden 20-Jährigen sind Profi-Rodler mit vollen Kalendern. Er trainiert in Thüringen, sie im Erzgebirge. „Das gemischte Doppel ist in unserer Sportart leider noch nicht erfunden worden.“ Der Sport hat in ihrem Leben derzeit Priorität – mit Erfolg. Beide sind in der Rodel-Nationalmannschaft, beide sind Junioren-Weltmeister. Erst danach kommt die Liebe. Das Paar pendelt so oft es geht, um Zeit miteinander zu verbringen, manchmal in der Mitte: im Dresdner McDonalds. Dort wird ausnahmsweise die Diät unterbrochen. „Eigentlich müssen wir streng auf unsere Ernährung achten“, sagt Aileen Frisch. „Aber ein Burger zur Motivation muss eben auch mal sein.“
Aileen Frisch und Nico Grüßner brauchen kein Fünf-Gänge-Menü und keinen Champagner, sie sind froh, wenn sie sich überhaupt sehen. Die beiden 20-Jährigen sind Profi-Rodler mit vollen Kalendern. Er trainiert in Thüringen, sie im Erzgebirge. „Das gemischte Doppel ist in unserer Sportart leider noch nicht erfunden worden.“ Der Sport hat in ihrem Leben derzeit Priorität – mit Erfolg. Beide sind in der Rodel-Nationalmannschaft, beide sind Junioren-Weltmeister. Erst danach kommt die Liebe. Das Paar pendelt so oft es geht, um Zeit miteinander zu verbringen, manchmal in der Mitte: im Dresdner McDonalds. Dort wird ausnahmsweise die Diät unterbrochen. „Eigentlich müssen wir streng auf unsere Ernährung achten“, sagt Aileen Frisch. „Aber ein Burger zur Motivation muss eben auch mal sein.“
„Bei uns gibt es doch nicht so viel“, sagten Simone Adam und ihre Tochter Melanie. Die Familie wohnt in Königsbrück, zum Shoppen geht es aber regelmäßig in den Dresdner Elbepark. 270 Euro haben sie gerade für T-Shirts und andere Kleinigkeiten ausgegeben. Bevor sie zurückfahren, gönnen sie sich noch Shakes und Burger. „Das ist unser kleines Ritual.“
„Bei uns gibt es doch nicht so viel“, sagten Simone Adam und ihre Tochter Melanie. Die Familie wohnt in Königsbrück, zum Shoppen geht es aber regelmäßig in den Dresdner Elbepark. 270 Euro haben sie gerade für T-Shirts und andere Kleinigkeiten ausgegeben. Bevor sie zurückfahren, gönnen sie sich noch Shakes und Burger. „Das ist unser kleines Ritual.“
Der Job bei McDonalds sollte nur eine Übergangslösung sein. Nach der Wende verlor Christine Wolf ihre Stelle als Gärtnerin, ein Freund empfahl ihr die Burgerkette. „Der erste Tag war katastrophal, mein Mann musste mir gut zureden, dass ich weitermache.“ Das ist 20 Jahre her, heute ist sie Schichtführerin in der Elbepark-Filiale. Tagesproduktion: 3.000 Burger. „Ich arbeite hier viel und gern mit jungen Leuten, da bleibt man selbst jung.“ Und sie mag ihre Arbeit, weil rund um die Uhr etwas los ist. „Das Seltsamste war mal ein erwachsener Mann, der bei uns Kindergeburtstag mit Juniortüte und allem Drum und Dran gefeiert hat.“
Der Job bei McDonalds sollte nur eine Übergangslösung sein. Nach der Wende verlor Christine Wolf ihre Stelle als Gärtnerin, ein Freund empfahl ihr die Burgerkette. „Der erste Tag war katastrophal, mein Mann musste mir gut zureden, dass ich weitermache.“ Das ist 20 Jahre her, heute ist sie Schichtführerin in der Elbepark-Filiale. Tagesproduktion: 3.000 Burger. „Ich arbeite hier viel und gern mit jungen Leuten, da bleibt man selbst jung.“ Und sie mag ihre Arbeit, weil rund um die Uhr etwas los ist. „Das Seltsamste war mal ein erwachsener Mann, der bei uns Kindergeburtstag mit Juniortüte und allem Drum und Dran gefeiert hat.“
Viel hat Familie Curri noch nicht von ihrer neuen Heimat gesehen. Vor gerade mal einer Woche sind die drei nach Dresden gezogen. Die McDonald’s-Filiale im Elbepark ist einer der wenigen Orte, die sie schon ohne Stadtplan finden. „Das war mein erster Anhaltspunkt in Dresden. Den Ort hat mir jemand gezeigt, als ich bei meinem ersten Besuch im Winter etwas zu essen gesucht habe“, erzählt Fisnik Curri. „Unsere neue Wohnung ist ganz in der Nähe, also kommen wir jetzt immer mal zum Abendessen her.“ Er stammt aus dem Kosovo, aber wegen der Arbeit ist er vor 23 Jahren nach Deutschland gezogen. Zunächst nach Hildesheim, nun hat der Ingenieur in Dresden einen neuen Job gefunden. Die Familie begleitet ihn: seine Frau Drite, die hofft, hier als Lehrerin arbeiten zu können, und ihr vierjähriger Sohn Dorart, der demnächst einen Dresdner Kindergarten besucht. „Wir haben zum Glück einen Platz für ihn bekommen.“ Noch fühlt sich die neue Umgebung fremd an, noch kennen sie sich in der Stadt nicht aus. „Aber das wird schon“, sagt Fisnik Curri. „Das ist ja echt eine Perle hier.“
Viel hat Familie Curri noch nicht von ihrer neuen Heimat gesehen. Vor gerade mal einer Woche sind die drei nach Dresden gezogen. Die McDonald’s-Filiale im Elbepark ist einer der wenigen Orte, die sie schon ohne Stadtplan finden. „Das war mein erster Anhaltspunkt in Dresden. Den Ort hat mir jemand gezeigt, als ich bei meinem ersten Besuch im Winter etwas zu essen gesucht habe“, erzählt Fisnik Curri. „Unsere neue Wohnung ist ganz in der Nähe, also kommen wir jetzt immer mal zum Abendessen her.“ Er stammt aus dem Kosovo, aber wegen der Arbeit ist er vor 23 Jahren nach Deutschland gezogen. Zunächst nach Hildesheim, nun hat der Ingenieur in Dresden einen neuen Job gefunden. Die Familie begleitet ihn: seine Frau Drite, die hofft, hier als Lehrerin arbeiten zu können, und ihr vierjähriger Sohn Dorart, der demnächst einen Dresdner Kindergarten besucht. „Wir haben zum Glück einen Platz für ihn bekommen.“ Noch fühlt sich die neue Umgebung fremd an, noch kennen sie sich in der Stadt nicht aus. „Aber das wird schon“, sagt Fisnik Curri. „Das ist ja echt eine Perle hier.“
Bei McDonalds essen? „Nie“, sagt Sandra Maier. „Das ist für mich nur ein Umschlagplatz.“ Ein etwas anderer Bahnhof, von dem aus sie heute zu einem Festival in Mecklenburg fährt. Ein eigenes Auto besitzt die 21-Jährige nicht, dafür hat sie nur gute Erfahrungen mit der Mitfahrzentrale gemacht. „Gleich werde ich hier abgeholt. Bisher kenne ich allerdings nur die Handynummer und den Vornamen meines Fahrers.“ Von Montag bis Freitag liefert Sandra Maier für die Post tonnenweise Pakete aus. Zum Festival reist sie mit kleinem Gepäck: „Handtuch, Regenjacke, Wechselklamotten und Alkohol, das reicht völlig aus.“
Bei McDonalds essen? „Nie“, sagt Sandra Maier. „Das ist für mich nur ein Umschlagplatz.“ Ein etwas anderer Bahnhof, von dem aus sie heute zu einem Festival in Mecklenburg fährt. Ein eigenes Auto besitzt die 21-Jährige nicht, dafür hat sie nur gute Erfahrungen mit der Mitfahrzentrale gemacht. „Gleich werde ich hier abgeholt. Bisher kenne ich allerdings nur die Handynummer und den Vornamen meines Fahrers.“ Von Montag bis Freitag liefert Sandra Maier für die Post tonnenweise Pakete aus. Zum Festival reist sie mit kleinem Gepäck: „Handtuch, Regenjacke, Wechselklamotten und Alkohol, das reicht völlig aus.“

Die einen kommen fix nach dem Shopping, Feierabend oder Urlaub, um satt zu werden, die anderen wollen hier vor allem schnell wegkommen. Denn das Häuschen ist nicht nur eine Fast-Food-Ausgabe, sondern auch ein Bahnhof für Reisende. Hunderte kommen jeden Tag vorbei, um zur Arbeit, zur Freundin oder zur Familie zu pendeln – vom Bauarbeiter bis zur Bankerin. Ein paar von ihnen hatten trotzdem Zeit, uns ihre Geschichte zu erzählen ... Klicken Sie einfach die Bildergalerie an!

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