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Dresdens Nanocenter nahezu komplett vermietet

Ende September soll ein weiterer Komplex fertig sein. Die Probleme vom Start sind längst überwunden.

© René Meinig

Von Bettina Klemm

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Eine Diamantnadel drückt auf eine dünne Schicht. Mit einem speziellen Verfahren lassen sich Härte, Verschleiß und Haftung dünnster Schichten im Nanometerbereich überprüfen. Die Fachleute sprechen von Nanoindentierung und Oberflächenmechanik. Thomas Chudoba ist ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Seit gut einem halben Jahr ist er mit seiner 2003 gegründeten ASMEC Advanced Surface Mechanics GmbH Mieter im Nanoelektronik-Zentrum Dresden in Klotzsche. „Wir haben wohl die letzten freien Räume erhalten“, sagt der 57-Jährige.

Die Struktur des Nanocenters samt guter Internetanbindung sei ein wesentlicher Grund für den Umzug aus dem Technologiezentrum in Rossendorf gewesen. „Jetzt sitzen wir mit den Fraunhofer Instituten, mit denen wir viel kooperieren, Tür an Tür. Auch die Nähe zum Flughafen zahlt sich für uns aus“, sagt er. Für Chudoba ist es auch ein Zurück zu den Wurzeln. Nach seinem Studium an der TU Dresden hatte er 1985 beim Zentrum für die Technologie der Mikroelektronik, später ZMD, begonnen. Nach der Promotion arbeitete er an der TU Chemnitz, war Gastwissenschaftler in verschiedenen Instituten, unter anderen an der Bundesanstalt für Materialforschung. Danach war er an einem ähnlichen Institut in Australien tätig.

2003 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete mit zwei weiteren Gesellschaftern sein Unternehmen. Es gehört seit 2011 zur Zwick Roell Gruppe mit Hauptsitz in Ulm. Das ist ein weltweit führender Anbieter von Maschinen zur Werkstoffprüfung. „Ende 2015 haben wir die Fertigung der von uns neuentwickelten Generation von nanomechanischen Testern an Zwick übergeben“, erklärt Chudoba. Ziel der Gründung war die Entwicklung von fortgeschrittener Messtechnik, Methoden und Software zur mechanischen Charakterisierung und Optimierung von Oberflächen und Schichten. An diesem Anspruch habe sich nichts geändert, so widmet sich Chudoba mit fünf Mitarbeitern der Forschung und Entwicklung.

Mit dem Ziel, Start-ups in der Nanotechnologie zu unterstützen, hatte Dirk Hilbert, damals Wirtschaftsbürgermeister, die Bildung des Technologie- und Gründerzentrums für Nanotechnik angeregt. Ehemalige Gebäude des Zentrums für Mikroelektronik sollen dazu genutzt werden. Seit 2007 geplant, hatte es aber erhebliche Startschwierigkeiten gegeben. Als Steffen Rietzschel im April 2014 das Nanocenter übernahm, war er schon der vierte Geschäftsführer. Rund 15 Millionen Euro waren bereits ausgegeben. Sein Vorgänger hatte zwar feierlich die Einweihung des ersten Hauses an der Maria-Reiche-Straße gefeiert. „Nur fertig war damals maximal die Hälfte, die Kassen waren leer und ein Teil der Bauleistungen noch nicht bezahlt“, sagt Rietzschel. Um alle vier Teile fertigzustellen, benötigte er noch über 4,8 Millionen Euro. 336 000 Euro waren sofort erforderlich, um die vorliegenden Rechnungen zu begleichen. Dirk Hilbert, damals noch Wirtschaftsbürgermeister, bat den Stadtrat um eine Zwischenfinanzierung. Doch zu jener Zeit waren die Parteien im Wahlkampfmodus: Da passte einigen Räten Kritik am Oberbürgermeisterkandidaten Dirk Hilbert besser ins Konzept als eine schnelle Lösung des Problems.

Alles Geschichte. Nach der Oberbürgermeisterwahl 2015 billigte schließlich der Stadtrat die „Durchfinanzierung der Gesamtinvestition Nanozentrum Dresden“ in Höhe von 4,814 Millionen Euro. Die Stadt brachte die Hälfte der Summe ein, die andere Hälfte sollte der Freistaat in Form von Fördermitteln beisteuern. Zudem, so der Stadtratsbeschluss, sollten die Häuser 5 und 7, die sich im Eigentum der Nanoelektronik Zentrum Dresden GmbH befinden, verkauft und mit einem Teil des Erlöses Bankschulden getilgt werden.

Die Diskussionen gingen noch eine ganze Zeit weiter. Der Fördermittelbescheid folgte erst im Dezember 2016 und damit die Sicherheit, die begonnenen Arbeiten zu vollenden. Das Haus 1 wurde 2017 endgültig fertig. „Es ist nahezu vollständig belegt“, sagt Rietzschel. 23 Unternehmen haben sich im Nanocenter eingemietet. Seit etwa zehn Wochen wird im Haus 3 gebaut. Zusätzlich 2 000 Quadratmeter Fläche soll Ende September bezugsfertig sein. „Wir schaffen die speziell benötigte Infrastruktur wie Druckluft, Vakuum, Lüftung und Kühlung, Spezialgas, ableitfähige Fußböden und Drehstromanschlüssse“, erläutert Rietzschel. Schnelle Breitband-Internetanschlüsse gehörten selbstverständlich auch dazu. Bei ihm melden sich pro Woche ein bis zwei Interessenten, aber es seien noch keine Verträge geschlossen.

Im Dezember 2017 hat der Freistaat die Häuser 5 und 7 für 2,1 Millionen Euro gekauft. Damit ermöglicht er den darin arbeitenden Fraunhofer Instituten zusätzliche Möglichkeiten für zukünftiges Wachstum, weiteren Ausbau und zusätzliche Forschungskooperationen der Fraunhofer-Institute. Dresdens Wirtschaftsamtsleiter Robert Franke ist zuversichtlich, dass sich der Norden der Stadt als attraktiver Standort der Spitzenforschung und innovative Entwicklungen weiter entwickelt. Das Nanocenter soll dabei ein Baustein sein und viele Firmen wie die ASMEC von den Vorzügen überzeugen.