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Dresdner Dampferflotte wieder flott

Nach verlustreichen Jahren durch Hochwasser und Niedrigwasser der Elbe erzielt das Unternehmen wieder einen Gewinn. Aber der Wasserstand der Elbe macht ihm noch zu schaffen.

© Sven Ellger

Von Christoph Springer

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Unruhige Zeiten an Bord der Dresdner Dampfer. Die Flotte hat seit 2010 mehr Geld ausgegeben, als sie eingenommen hat. Das steht in den Bilanzen des Unternehmens. Demnach lag das Minus insgesamt bei rund 2,35 Millionen Euro. Dieser Summe standen drei Jahre mit einem positiven Ergebnis gegenüber. Dabei hat die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) rund 2,31 Millionen Euro eingenommen. Damit bleibt unterm Strich ein Verlust. Geschäftsführerin Karin Hildebrand lässt sich dadurch aber nicht die Laune verderben. Sie verbreitete schon Anfang der letzten Saison Optimismus. „Wenn wir eine ähnliche Saison wie 2016 haben, dann können wir hoffnungsfroh in die Zukunft blicken“, sagte die Flottenchefin damals.

Hildebrand hat das Steuer der Firma im November 2013 von Sebastian Meyer-Stork übernommen. Das war zugleich eines der schlechtesten Jahre in der Bilanz des Unternehmens. Knapp 1,25 Millionen Euro Minus machte die SDS damals. Im Jahresabschluss für 2013 gibt es aber anders als in den vorangegangenen Jahren keine Erklärung für das schlechte Ergebnis. In der Bilanzübersicht für das darauffolgende Jahr steht dafür: Der Ticketverkauf lief 2013 so schlecht wie lange nicht. Weniger als 500 000 Fahrkarten haben die Kunden der Dampfschifffahrt damals abgenommen. Ein Blick auf die Hochwasserlinie der Elbe 2013 zeigt: Die Schiffe konnten lange nicht fahren, das Junihochwasser mit einem Höchstpegel von 8,78 Meter zwang sie zu einer Pause. Der Wasserstand der Elbe machte damit schon früh alle Hoffnungen auf ein erfolgreiches Jahr zunichte.

Den zweiten Millionenverlust musste das Unternehmen 2015 verkraften. Wieder war es die Elbe, die die Dampfer zu einer Pause zwang, dieses Mal handelte es sich um ein Niedrigwasser. Von Juni bis September konnten die Schiffe nur eingeschränkt fahren, an 14 Tagen ging gar nichts. Das Ergebnis: Nur reichlich 425 000 Tickets wurden verkauft. In der Bilanz steht für dieses Jahr ein Verlust von 1,1 Millionen Euro. 2010 ist das dritte Jahr in dieser Reihe, in dem die Dampfschifffahrt am Ende keinen finanziellen Erfolg melden konnte. Das Jahr wurde vom sonnenscheinärmsten Mai seit 1951 geprägt, dann folgten extreme Hitze und Niedrigwasser im Juli und ein verregneter August. Am Ende stand in der Jahresbilanz der Dampfer und Salonschiffe ein dreistelliges Minus. Die vier anderen Jahre, 2011, 2012, 2014 und 2016, liefen besser. In den ersten zwei Jahren erzielte das Unternehmen jeweils ein fünfstelliges Plus, 2014 betrug der Gewinn dann fast eine halbe Million Euro.

Ein wirklich gutes Jahr war erst wieder 2016. Der Verlust aus 2015 sei ausgeglichen worden und die Dampfschiffahrt habe sogar noch ein kleines Plus gemacht, stellte Karin Hildebrand fest. Konkrete Zahlen nannte sie nicht. Die Bilanzen zeigen nun: 2016 nahm das Unternehmen rund 1,3 Millionen Euro ein. Damit war der Verlust aus 2015 ausgeglichen. Das Fazit der vergangenen der sieben Jahre von 2010 bis 2016: Die Flotte kommt langsam wieder auf Kurs, doch sie braucht noch Zeit, um wieder nachhaltig in die Gewinnzone zu fahren.

Die Verantwortlichen der Dampfschifffahrt wollten sich nicht zu diesen Zahlen äußern. Sie verwiesen dabei auf den 27. März. Dann wollen sie öffentlich Bilanz ziehen und auf die bevorstehende Saison blicken.

Die Jahresabschlüsse der Dampfschifffahrt für die letzte Dekade weisen mit 1,61 Millionen Euro den höchste Gewinn für 2007 aus. Damals waren Michael Lohnherr und Klaus Hildebrand, der 2010 verstorbene Ehemann der heutigen Chefin, die Geschäftsführer des Unternehmens. Klaus Hildebrand hatte die Dampfschifffahrt 1992 für die Conti Reederei von der Treuhand gekauft und saniert.

Hinter der Firma steht heute eine Kommanditgesellschaft mit fast 500 Anteilseignern. Nur wenige stammen aus Ostdeutschland. Dazu gehört unter anderem Ex-Geschäftsführer Lohnherr. Der ehemalige Dresdner Flughafenchef Michael Hupe, der im November 2013 an die Spitze des Flughafens Nürnberg wechselte, ist ebenfalls Anteilseigner. Er gehörte 2016 auch zum Verwaltungsrat des Unternehmens, wollte sich zum Jahresergebnis der Dampfschifffahrt und den Zukunftsaussichten aber nicht äußern. Dabei verwies er auf die Verantwortlichen der Firma.

Die fast 500 Geldgeber haben der SDS knapp 18,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Verluste des Unternehmens werden mit dieser Summe verrechnet. Die Gesamtverluste der SDS lagen Anfang Januar 2016 bei rund elf Millionen Euro. Durch den Gewinn im vergangenen Jahr sind sie auf 9,69 Millionen Euro gesunken. Bis die Dampfschifffahrt wieder in sicherem finanziellen Fahrwasser ist, müssen demnach noch viele Jahre ohne starke Hoch- oder Niedrigwasser vergehen.