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Dresdner Footballer sind international wie noch nie

Die Monarchs starten am Sonnabend in ihre zwölfte Erstligasaison. Dennoch ist vieles neu.

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© Lutz Hentschel

Von Alexander Hiller

Beinahe unbemerkt, weil einige Hundert Kilometer fern der Heimat, starten die American Footballer der Dresden Monarchs am Sonnabend in ihre bereits zwölfte Saison in der German Football-League (GFL) – der höchsten deutschen Spielklasse.

Das klingt fast schon nach Routine. Tatsächlich ist aber einiges neu beim deutschen Vizemeister. So viele Nationen wie in dieser Spielzeit vereinten sich noch nie unter dem Dach des einzigen ostdeutschen Football-Erstligisten. Polen, Tschechen, Franzosen, ein Schweizer mit US-amerikanischem Pass, US-Amerikaner, Deutsche – und erstmals in der Vereinsgeschichte auch zwei Australier. Damien Donaldson (24) und Tyson Garnham (25) heißen die jungen Männer, die der neue Cheftrainer John Leijten von Down Under mitgebracht hat. Denn auch mit dem 48-Jährigen auf dem Trainerstuhl wagen die Monarchs einen neuen Schritt. Leijten ist Holländer – seit seiner Heirat mit seiner in Melbourne lebenden Ehefrau auch mit australischem Pass. Er arbeitete zuletzt als Trainer der australischen Football-Nationalmannschaft – und wird diesen Job auch parallel zu seinem Engagement in Dresden weiterführen. „Es gibt zwischen den beiden Teams keine terminlichen Überschneidungen“, begründet Leijten.

Er ist im deutschen Football freilich kein Unbekannter. Er arbeitete 2000 als Defense Coordinator bei den Cologne Crocodiles in Köln, die in dieser Saison den German Bowl gewannen. 2005 und 2006 holte Leijten als Line Baker-Coach mit den Amsterdam Admirals den World Bowl – den Titel in der damals noch existierenden NFL Europe, dem Ableger der amerikanischen Profiliga NFL. „Natürlich muss ich meine Arbeit im Vergleich zur australischen Auswahl etwas umstellen, denn da ist es in zwei, drei Trainingscamps pro Jahr sehr schwierig, einzelne Spieler weiterzuentwickeln“, betont Leijten.

Genau das hat er in Dresden vor, wenngleich er mit der Hypothek antritt, die Monarchs nach deren erfolgreichster Saison in der Vereinsgeschichte übernommen zu haben. Die Monarchs stellten den Australo-Holländer als Wunschkandidaten für die Nachfolge von Gary Spielbuehler vor, dessen Kontrakt nicht verlängert wurde.

Und damit kommt man schon zur entscheidenden Neuerung bei den Sachsen. Denn die werden nach ihrer unglücklichen 34:35-Niederlage gegen Braunschweig im letzten German Bowl erstmals zum Saisonstart zu den ernsthaftesten Titelanwärtern gezählt. Deshalb reisen die Dresdner als Favorit zum ersten Punktspiel nach Kiel. Dort wollen die gastgebenden Hurricanes nur zu gern den ersten Stolperstein für das Leijten-Team spielen. In dem meldete sich gestern mit dem französischen Nationalspieler Guillaume Rioux der vorerst letzte Neuzugang an. Der 25-Jährige scheiterte in der Canadian Football League, der zweitstärksten Profi-Footballliga der Welt, bei den Saskatchewan Roughriders nur knapp vor einem Profivertrag. Und war mithin frei für den deutschen Markt.

„Wir werden unsere Rolle so annehmen, damit muss man nach unserer starken Vorjahressaison einfach umgehen. Wir werden am Sonnabend mit breiter Brust in Kiel auflaufen“, kündigt Defense-Coach Thomas Stantke an. Auf dieser breiten Brust wird dann auch der lokale Gerstensaftproduzent „Feldschlößchen“ stehen. Der Kontrakt wurde gestern für zunächst drei Jahre unterzeichnet.

Kiel Baltic Hurricanes – Dresden Monarchs Sa., 16.00