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Dresdner Forscher wollen Diabetes heilen

In einem großen Therapiezentrum arbeiten künftig alle unter einem Dach. Im Mittelpunkt steht ein winziger Bioreaktor.

© dpa

Von Jana Mundus

Dresden. Diabetes ist zur Volkskrankheit geworden. Acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Zuckerkrankheit. Dresdner Wissenschaftler haben eine Möglichkeit der Heilung gefunden. Ein winziger Bioreaktor, ein künstliches Organ, wird Patienten dafür unter die Haut implantiert. Er sorgt für die Insulinproduktion, die bei Diabetes gestört ist. Für die Weiterentwicklung des Systems bekommen die Forscher nun ein neues Gebäude.

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Bund und Länder investieren dafür über 30 Millionen Euro. Das geplante Therapiezentrum der Medizinischen Fakultät der TU Dresden ist einzigartig in Deutschland. Erstmals sollen Mediziner, Zellbiologen, Ingenieure und Materialwissenschaftler unter einem Dach zusammenarbeiten. Gemeinsam erforschen sie dort neue Technologien für die Behandlung von Diabetes und anderer Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise der Leber und des Herz-Kreislauf-Systems. Auch die Frage, wie die Entstehung solcher Erkrankungen in Zukunft verhindert werden kann, steht bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt.

Wichtig dafür ist es, die Risikofaktoren zu kennen. Erstmals sollen deshalb die verschiedensten Informationen von Patienten zusammengetragen werden. Proben aus Gewebe, Blut, Urin und anderen Körperflüssigkeiten werden mit hochmoderner Technik analysiert. Daraus entsteht ein genaues Bild der Stoffwechselerkrankungen. Mit dessen Hilfe soll es bald möglich sein, das Risiko, an ihnen zu erkranken, möglichst frühzeitig zu erkennen.

Sind Patienten bereits krank, müssen sich die insulinproduzierenden Zellen in ihrer Bauchspeicheldrüse erholen. Das Hormon Insulin ist wichtig, denn es senkt den Blutzuckerspiegel. Wie solch ein Erholen gelingt, schauen sich die Forscher ebenfalls an. Es geht um die Rolle, die das Immunsystem und Fettablagerungen an Organen dabei spielen. Oder die Frage, wie die Darmflora ein Erneuern der Zellen beeinflusst, erklärt Medizinprofessor Stefan Bornstein, Sprecher des neuen Zentrums.

Wichtigste Entwicklung ist der Bioreaktor. In die fünf Zentimeter kleine Kammer werden insulinproduzierende Spenderzellen gesperrt und durch Sauerstoff am Leben erhalten. Rundherum ist eine Membran. Ähnlich dem Prinzip einer Regenjacke kommt Insulin nach draußen, die Immunzellen aber nicht von außen an die fremden Zellen heran. „In fünf bis zehn Jahren soll das System für Patienten verfügbar sein“, sagt Bornstein.

Gebaut wird das Gebäude mit dem Namen „Zentrum für metabolisch-immunologische Erkrankungen und Therapietechnologien Sachsen“ an der Fiedlerstraße, also in direkter Nachbarschaft des Medizinisch-Theoretischen Zentrums der TU Dresden.