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Neue Schau im Kollwitz-Haus

Für das kleine Museum war 2017 ein gutes Jahr. Aktuell muss es mit weniger Kulturraum-Geld klarkommen. Trotzdem sind zwei Ausstellungen geplant.

© Arvid Müller

Von Sven görner

Moritzburg. Offiziell wird die Sonderausstellung „Innensichten“ mit Bildern von Elke Hopfe erst am Sonntag im Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg eröffnet. Doch weil die Dresdner Künstlerin und ihre Helfer am Donnerstag mit dem Hängen der großformatigen Arbeiten gut vorankamen, konnten Besucher des kleinen Museums schon am Nachmittag einen ersten Blick darauf werfen.

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Erst zu Wochenbeginn wurden die Tafeln der Vorgängerschau abgenommen. Diese ging erstmals sehr intensiv der Frage nach, was Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, den letzten Wettiner auf Schloss Moritzburg, mit Käthe Kollwitz verbunden hatte. Diese Sonderausstellung war eine von zwei Schauen gewesen, die das Kollwitz-Haus im Vorjahr anlässlich des 150. Jubiläums der Künstlerin organisiert hatte. „Für uns ist es ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen“, sagt Museumsleiterin Sabine Hänisch. Die Besucherzahl hätte etwa 25 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre gelegen. Neben den beiden Ausstellungen sieht die Hauschefin als Gründe dafür auch die große Aufmerksamkeit, die der Kollwitz im Jubiläumsjahr von den Medien gewidmet wurde, sowie den neuen Dokumentarfilm über die bedeutende Malerin und Grafikerin und nicht zuletzt die Schau im Albertinum.

Mit der neuen Sonderausstellung präsentiert nun erneut eine Künstlerin Arbeiten in Moritzburg, „die mit ihrem Werk in einer ganz engen Beziehung zur Kollwitz steht“, sagt Sabine Hänisch. Formal bediene sich Elke Hopfe zwar einer ganz anderen Sprache, „aber auch bei ihr geht es um den Menschen mit seinen Ängsten und Problemen. Um das, was schwer zu fassen und zu ertragen ist.“ Die großformatigen, mit weichem Bleistift geschaffenen grafischen Bilder, die dem menschlichen Drama gelten, sind das Markenzeichen der Dresdner Kunstpreisträgerin. Ausgangspunkt ihrer Bilder sind Porträts und Akte von ihr meist gut bekannten, sie interessierenden Menschen und von sich selbst. „Dafür muss man sich Zeit nehmen, um sich erst einmal reinzusehen“, ergänzt die Museumsleiterin. „Denn die Arbeiten entsprechen nicht unbedingt unseren alltäglichen Sehgewohnheiten.“

Eine weitere Ausstellung ist für das zweite Halbjahr in Arbeit. „Dafür haben wir beim Dresdner Kupferstichkabinett angefragt“, sagt Sabine Hänisch. Mit diesem hat das Moritzburger Haus schon öfter zusammengearbeitet. Gewidmet sein soll die Schau Ernst Barlach, dessen Todestag sich 2018 zum 80. Mal jährt. „Die Kollwitz hat Barlach ja auf dem Totenbett gezeichnet. Das Original aus der Hamburger Kunsthalle werden wir zwar nicht zeigen können, aber wir bekommen ein Faksimile.“ Zu sehen sein soll im Rahmen dieser Ausstellung auch der 1966 entstandene Defa-Film „Der verlorene Engel“. Barlachs bekannte Plastik „Der Schwebende“, um die es geht, hat das Gesicht der Kollwitz.

Und noch ein besonderes Datum soll in diesem Jahr im Kollwitz-Haus bedacht werden, „auch wenn das etwas weitläufiger mit Käthe Kollwitz zu tun hat“ – der 200. Geburtstag von Karl Marx. Eine Berliner Schauspielgruppe wird mit einer szenischen Lesung zu Gast sein, in der es um die Rollen von Jenny, seiner Frau, und der Tochter Eleanor geht.

Sabine Hänisch hofft, mit dem diesjährigen Programm an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen zu können. „Die Einnahmen durch die Eintrittsgelder sind für uns wichtiger den je.“ Denn der Kulturraum hat für dieses Jahr seine Zuwendungen an das Kollwitz-Haus um 5 000 Euro gekürzt. „Weitere 3 000 Euro wurden für die Museumspädagogik gestrichen“, ergänzt die Leiterin. Eine Möglichkeit, die Ausgaben weiter zu reduzieren, ohne den Museumsbetrieb zu gefährden, sieht Sabine Hänisch nicht. Da ist es gut, dass die Gemeinde ihren sogenannten Sitzgemeindeanteil trotz der gekürzten Förderung weiter unverändert aufbringt. Dem Haus werden so erneut 20 000 Euro zur Verfügung gestellt. Die museumspädagogischen Angebote unterstützt die Gemeinde zudem mit 2 750 Euro.

Die aufwendig recherchierte Ausstellung zu Ernst Heinrich und der Kollwitz wird übrigens nicht ganz aus dem Haus verschwinden. „Einen Teil der Tafeln hängen wir als Ergänzung in die Museumsräume. Weitere möchte ich gern in Schubkästen der Vitrinen unterbringen, die in den Wohnräumen der Kollwitz stehen.“ Mit Unterstützung des Freundeskreises wird zudem noch eine Broschüre entstehen. Gewissermaßen ein Ausstellungskatalog im Nachgang.

Die neue Schau „Innensichten“ wird am Sonntag, 11 Uhr, eröffnet. Einführende Worte spricht die Kulturjournalistin Ingrid Koch. Für die musikalische Umrahmung sorgt Johann Christoph Schulze (Cello) von der Staatskapelle Dresden.

Im Rahmen der Ausstellung steht die Künstlerin am 6. Mai, 11 Uhr, zu einem Gespräch zur Verfügung. Geöffnet ist die Schau bis zum 29. Juli immer Montag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr.