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Dresdner Sparkasse im Glück

Zinsen für Erspartes gibt es nicht – aber der Marktführer im Geldgeschäft verdient bestens.

© kairospress

Von Georg Moeritz

Ratternde Geldautomaten im Eingang zur Sparkasse, daneben ein Werbeplakat: Wer sich 10 000 Euro leiht, zahlt in zehn Jahren 14 846 Euro mit Zinsen zurück. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden schafft es auch in Zeiten angeblich niedriger Zinsen, steigende Gewinne zu erwirtschaften. Vorstandschef Joachim Hoof berichtete am Dienstag von Rekordzahlen bei Krediten und vom bisher höchsten Gewinn. Dazu trugen auch die 350 Immobilienverkäufe der Sparkasse bei. Sechs bis sieben Prozent Provision sind dabei fällig – gut 8 600 Euro für ein angebotenes Haus in Meißen zum Preis von 145 000 Euro.

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Für Geldanlagen auf dem Sparbuch bietet die Sparkasse dagegen 0,001 Prozent Zinsen. Vor einem Jahr genügten noch 10 000 Euro Erspartes, um einen Euro Zinsen zu bekommen – nun muss der Kunde dafür 100 000 Euro anlegen. Laut Hoof sind die Kunden der Sparkasse trotzdem treu, denn sie suchen „Sicherheit, nicht Rendite“. Im Durchschnitt habe jeder Kunde nun 580 Euro mehr auf der Sparkasse als vor einem Jahr. Das Interesse an Wertpapieren nehme allerdings zu. Auch die Schuldner erweisen sich als sehr gewissenhaft: In Sachsen und in Ostdeutschland werden laut Hoof Kredite üblicherweise doppelt so schnell zurückgezahlt wie im Westen. Ausfälle gab es voriges Jahr kaum: 0,06 Prozent der Kredite wurden nicht zurückgezahlt, „eigentlich ein Nichts“.

Laut Hoof war 2017 für die Sparkasse ein „sehr, sehr erfolgreiches Jahr“. Der Wirtschaft in der Region gehe es sehr, sehr gut, auch der Bauboom gehe weiter. Davon profitiere nicht nur Dresden – junge Familien zögen auch gerne nach Bannewitz, Freital, Heidenau und Pirna. Das Gebiet der Ostsächsischen Sparkasse Dresden umfasst außer der Hauptstadt und dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auch Teile des Kreises Bautzen. Sie zählt zu den zehn größten in Deutschland. Zwar ist der Gesamtwert ihrer Bilanz voriges Jahr geschrumpft, von 12,2 auf 11,4 Milliarden Euro. Das lag daran, dass weniger Geschäfte mit anderen Banken gemacht wurden.

Mit der Europäischen Zentralbank allerdings muss auch die Dresdner Sparkasse ab und zu Geschäfte machen: Dieses Jahr wird sie voraussichtlich mehr als 100 000 Euro Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld mangels anderer Abnehmer kurzfristig dort anlegen muss. Hoof ist aber zuversichtlich, weiterhin Geld bei Kreditkunden in Sachsen unterzubringen: Er rechnet mit rund zwei Prozent Wirtschaftswachstum für dieses Jahr und sieht die Sparkasse weiterhin als Marktführer auch bei Firmenkunden. Am Neubau von Novaled in Dresden und an der Erweiterung von Veritas in Neustadt etwa sei die Sparkasse als Kreditgeber beteiligt.

Hoof hält die Dresdner Sparkasse für stark genug, um im Unterschied zu anderen Sparkassen das Filialnetz zu erhalten und keine Prämiensparverträge in großem Stil zu kündigen. Die 100 Filialen werde es auch in drei Jahren noch geben, sagte Hoof, weiter könne er nicht schauen. Gespart hat er aber am Personal: Die Belegschaft ist seit 2014 um 200 Menschen auf 1 600 geschrumpft, die Sparkasse nimmt auch nur noch 25 bis 30 Lehrlinge pro Jahr statt wie früher 40 bis 50. Der Gewinn der Sparkasse, genannt Ergebnis vor Risikovorsorge, stieg voriges Jahr auf 126 Millionen Euro.

Auch wenn die Kunden vorsichtig sind und auf persönliche Berater Wert legen: Hoof will gerüstet sein, falls etwa Bezahlen per Handy so populär wird wie in China. Die Sparkasse testet daher ihr Smartphone-Bezahlsystem Blue Code nicht nur in den Filialen von Konsum Dresden mit 170 000 Euro Umsatz im vorigen Jahr, sondern auch an der Kasse des Geibeltbades in Pirna. Für Online-Kontoauszüge haben sich 170 000 der 600 000 Kunden entschieden.