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Dresdner stoßen auf gute Nachbarschaft an

Zum Tag der Nachbarn wird am Freitag an vielen Ecken gefeiert. Das soll den Zusammenhalt fördern.

© Sven Ellger

Von Katalin Valeš

Ein kurzes „Hallo“ im Hausflur, ein netter Plausch am Briefkasten oder über den Gartenzaun, in der Urlaubszeit Blumen füreinander gießen oder sich mal mit Salz oder Backpulver aushelfen – eine gute Nachbarschaft ist vielen wichtig, doch im Alltag fehlt häufig die Zeit für längeres Beisammensein. Den deutschlandweiten „Tag der Nachbarn“ nehmen am Freitag in ganz Dresden knapp 30 Hausgemeinschaften und Nachbarschaftsinitiativen zum Anlass, gemeinsam zu grillen und miteinander ins Gespräch zu kommen, bundesweit sind es fast 1000 solcher Feste.

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Die Idee ist bestechend einfach: Wer sich mit seinen Nachbarinnen und Nachbarn im Hof oder vor dem Haus zusammensetzen möchte, meldet sich auf der Internetseite der „nebenan.de Stiftung“ an. Alle wichtigen Infos, die dort eingetragen werden – kurze Begrüßung sowie Treffpunkt und sonstige Informationen – erscheinen auf einem ansprechend gestalteten Infoblatt, das ausgedruckt und im Treppenflur oder in der Nachbarschaft ausgehängt werden kann. Und dann heißt es: Wer kommt, der kommt. Wer es verbindlicher mag, klingelt persönlich bei den Nachbarn. Die Einladungen klingen fröhlich, unkompliziert und spontan. In den Aushängen, die in vielen Hausfluren hängen, heißt es: „Jeder bringt mit, was er selbst gern isst und trinkt“; „Wir treffen uns mit Kind und Kegel unter freiem Himmel im Hof“; „Wer dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen“ oder„Wir möchten zu einem entspannten Abend in unseren gemeinsamen Garten einladen, um zusammen zu grillen und uns dabei gegenseitig kennenzulernen.“ Die meisten handhaben es so, dass jeder sein eigenes Geschirr oder Besteck mitbringt und am Ende auch wieder mitnimmt – der Aufwand bleibt damit für alle überschaubar.

Ein Großteil der Veranstaltungen in Dresden wurden von Privatpersonen angemeldet. Aber auch größere Nachbarschaftsinitiativen beteiligen sich. Eine davon ist „Leben in Gruna“. Die Initiative lädt Anwohnerinnen und Anwohner zum Mitbringpicknick auf die große Wiese vor dem Findlingsbrunnen ein. Der Stadtteilladen „Löbtop e.V.“ möchte die Nachbarschaft bei Kaffee und Gebäck in der Deubener Str. 24 miteinander ins Gespräch bringen.

In der Johannstadt wird es zum Tag der Nachbarn nach frisch gebackenem Brot duften, denn die nachhaltige Brot-Back-Nachbarschaftsinitiative „Kornkreise Dresden“ möchte mit den Menschen aus dem Viertel gemeinsamen kneten und backen. Der Bönischgarten, genauer gesagt, die Grünfläche hinter dem Ärztehaus an der Bundschuhstraße 2, wird sich also in eine Backstube verwandeln. Besonderer Gast wird Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sein. Mit ihrem Ministerium unterstützt sie den Aktionstag und setzt sich damit für ein soziales Miteinander ein: „Der Tag der Nachbarn soll dabei helfen, den Schatz der Nachbarschaft zu heben und die Menschen eines Wohnviertels, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialer Schicht, zusammenzuführen“ sagte Giffey.

Passend zum Motto zeigt die Staatsoperette am Abend „Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical!“. Danach können alle Nachbarn mit dem Nachbarschaftscocktail anstoßen und den Abend bei einer Party mit Live-Musik im T1 Bistro&Café im Kraftwerk Mitte ausklingen lassen. Im Musical wird auf humorvolle Art und Weise erzählt, wie aus einer Bagatelle zwischen Reihenhausnachbarn regelrechte Feindschaften entstehen können.

Eine gute Nachbarschaft ist nicht nur älteren Menschen wichtig. Der neue Jugendtreff in der Altenberger Straße 4 lädt ein zur „Teenie-Grillfete im Upstairs“ und richtet sich an Teens und Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren.

Michael Vollmann, Initiator und Geschäftsführer der „nebenan.de Stiftung“, freut sich über den großen Zuspruch: „Wir sind überzeugt, dass Nachbarschaft der Kitt ist, der die Gesellschaft im Innersten zusammenhält. Mit dem ‚Tag der Nachbarn‘ möchten wir ein Zeichen gegen die zunehmende Anonymisierung und Individualisierung setzen.“