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Dresden

Uniklinik Dresden wird Corona-Leitstelle

Innerhalb von vier Tagen wurden die Strukturen aufgebaut, um schwer am Virus erkrankte Patienten in Dresden und Ostsachsen stationär zu versorgen.

Eine Disponentin sitzt in der neuen Krankenhausleitstelle Corona im Uniklinikum Dresden und koordiniert Anrufe von Patienten.
Eine Disponentin sitzt in der neuen Krankenhausleitstelle Corona im Uniklinikum Dresden und koordiniert Anrufe von Patienten. ©  Ronald Bonss

Dresden. Die erst am Dienstagmittag gestartete "Zentrale Krankenhausleitstelle Corona Dresden / Ostsachsen" hat ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Das teilt das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus am Donnerstag mit. Im Auftrag des Freistaats habe man diese Einrichtung in nur vier Tagen aufgebaut. Sie soll sicherstellen, dass schwer am Coronavirus erkrankte Patienten in der Region stationär versorgt werden. 

Die neue Krankenhausleitstelle arbeitet dafür mit allen Krankenhäusern der Region zusammen, die aktuell insgesamt 6.334 Betten – darunter sind 288 Intensivbetten – gemeldet haben. Auch die zwei Integrierten Regionalleitstellen Dresden und Ostsachsen sowie alle Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste sind in das zentrale Vergabesystem voll integriert.

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Damit wird sichergestellt, dass die Patienten je nach Schwere ihrer Erkrankung und ihres Zustands in das Krankenhaus eingeliefert werden, welches sie am besten behandeln kann. Auf diese Weise lassen sich laut Klinikum zudem Überbelegungen einzelner Krankenhäuser ebenso vermeiden wie die zu erwartende aufwändige Suche der einzelnen Rettungsteams nach einem geeigneten Krankenhausbett.

Am Mittwoch nahm die Krankenhausleitstelle bereits 61 Anrufe entgegen und vermittelte 15 Patienten in die entsprechenden Kliniken. "Der schnelle Aufbau der Krankenhausleitstelle und der dazu notwendigen Regularien durch ein im Katastrophenschutz geschultes und erfahrenes Team des Dresdner Uniklinikums hat Vorbildcharakter", lobt das Klinikum selbst. Das Team um den Unfallchirurgen PD Dr. Christan Kleber unterstütze nun mit seinem Know-how den Aufbau modifizierter Strukturen in Chemnitz und Leipzig.

Auftrag kam vom Freistaat

Am Freitagnachmittag war in der Staatskanzlei die Entscheidung gefallen, die Vergabe der Krankenhausbetten für Patienten mit bestätigter Covid-19-Infektion oder deutlichen Anzeichen dafür in den drei Regionen Nordsachsen (Leipzig), Westsachsen (Chemnitz) sowie dem Großraum Dresden mit Ostsachsen zu zentralisieren. Seitdem wurde die "Zentrale Krankenhausleitstelle Corona Dresden / Ostsachsen" aufgebaut und in Betrieb genommen. 

Dafür wurden nach Auskunft des Klinikums sieben Arbeitsplätze in einem Konferenzraum eingerichtet, die jeweils mit Computern und Telefonen ausgestattet sind. In derselben Zeit entwickelte das Team ein System, das die in den Kliniken verfügbaren Betten ebenso registriert wie die durch die Rettungsteams gemeldeten Patienten. Derzeit sind es maximal sechs Disponenten und ein Lagedienstführer, die aufgrund dieser Basis im direkten Austausch mit den Notfallteams vor Ort ein geeignetes Krankenhaus für die Patienten auswählen. 

Die in diesem Rahmen getroffenen Entscheidungen orientieren sich an den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und medizinischen Fachgesellschaften herausgegebenen Empfehlungen und berücksichtigen die bereits getroffenen Vereinbarungen zu den lokalen Gegebenheiten.

Medizinstudenten als freiwillige Helfer

Zum Start der Zentralen Krankenhausleitstelle haben sich neben Ärzten und Fachkrankenpflegern auch zwölf Medizinstudenten als freiwillige Helfer gemeldet, die  am Montagnachmittag erstmalig geschult wurden. In den kommenden Tagen erhält das Team weitere Unterstützung, damit die Krankenhausleitstelle bei einer Zunahme der Notfälle rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb voll einsatzbereit bleibt. 

Als Hintergrunddienst stehen jeweils ein interdisziplinäres, aus intensivmedizinisch erfahrenen Oberärzten und Infektiologen bestehendes Spezialistenteam rund um die Uhr zur Verfügung. Sie übernehmen Entscheidungen bei schwer zu klärenden Fällen und stehen Kliniken beratend zur Seite.

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"Wir kommen der Bitte der Landesregierung sehr gern nach, unsere Expertise und unser seit vielen Jahren bestehendes Netzwerk zu den Krankenhäusern der Region für den Aufbau der Zentralen Krankenhausleitstelle zur Verfügung zu stellen", sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. "Was meine Kollegen dafür über das Wochenende auf den Weg gebracht haben, beeindruckt mich sehr. Es belegt einmal mehr den Spirit der Hochschulmedizin Dresden, konstruktiv über die Grenzen von Professionen und Fächern zusammenzuarbeiten." Genauso erfreulich sei, dass das langfristig aufgebaute Netzwerk zu den Krankenhäusern der Region in dieser Situation bestens funktioniere "und wir so gemeinsam für das Wohl der Menschen in der gesamten Region vorbehaltlos einstehen". 

Geleitet wird die Einrichtung von Dr. Christan Kleber und Dr. Kathleen Juncken, das Kernteam bilden zwei auf den Gebieten Notfallmedizin, Rettungsdienst und Katastrophenschutz erfahrene Krankenpfleger, die sich zusammen um das Konzept und den Aufbau der Krankenhausleistelle gekümmert haben. Neben der Infrastruktur gehöre dazu auch ein umfangreicher Leitfaden sowie ein Set an Formularen, um die Kapazitäten zu erfassen und Covid-19 Patienten zu registrieren. 

So funktioniert die Leitstelle

Seit Dienstagmittag melden die Notärzte beziehungsweise die Besatzungen der Rettungswagen jeden schwer erkrankten Patienten mit bestätigter Covid-19-Infektion oder deutlichen Anzeichen dafür in der Krankenhausleitstelle an. Die Disponenten ermitteln die nächstgelegenen geeigneten Krankenhäuser und fragen nach Abgleich der zweimal täglich aktualisierten Belegungslisten die in Frage kommenden Kliniken an und unterstützen so die Arbeit der Integrierten Rettungsleitstellen Dresden und Ostsachsen. Entscheidungsgrundlage sind nicht ausschließlich die geografische Nähe und die allgemeinen Kapazitäten, sondern auch der medizinische Zustand des Patienten sowie regionale Planungen.

Die Zentrale Krankenhausleitstelle verstehe sich nicht nur als Vermittler der entsprechenden Kapazitäten in den Kliniken, sondern auch als Partner bei der weitergehenden Versorgung der Patienten, so Dr. Christian Kleber. Mögliches Szenario sei auch, dass sich in einem Krankenhaus innerhalb kürzester Zeit der Zustand mehrerer Patienten so verschlechtert, dass die Zahl der dortigen Intensivbetten nicht mehr ausreicht. Auch dann sucht die Krankenhausleitstelle nach freien Betten innerhalb der Region, um eine optimale medizinische Behandlung der Patienten sicherzustellen. Möglicherweise reicht jedoch eine veränderte Therapie aus, um die Patienten zu stabilisieren. 

Hierfür hat das Dresdner Team um Dr. Kleber gemeinsam mit dem Medical Board des Dresdner Uniklinikums unter der Leitung von Dr. Katja de With Handlungsempfehlungen erarbeitet, die insbesondere jüngere Ärzte bei ihrer Arbeit unterstützen können. Darüber hinaus vermittelt die Krankenhausleitstelle Experten für eine telefonische Beratung der externen Mediziner. Auf diese Weise haben auch Notärzte die Möglichkeit, sich bei ihren Entscheidungen unterstützen zu lassen. 

Möglicherweise lässt sich damit eine medizinisch nicht notwendige Einweisung in ein Krankenhaus vermeiden und ein Weg zur weiteren ambulanten Versorgung ebnen. Weiterhin ist geplant, dass die Leitstelle auch Krankenhäuser dabei unterstützt, nach Abschluss der stationären Behandlung Möglichkeiten einer weitergehenden Versorgung zu finden. Neben akutgeriatrischen Einrichtungen oder Pflegeheimen können dies verstärkt Rehakliniken sein. (SZ)

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