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Reden statt schreien

Auch Gesprächsrunden im Hygiene-Museum ziehen Protestbürger an. Da musste auch die Polizei vor Ort sein.

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© René Meinig

Von Nadine Franke

Es gibt viele Meinungen, wie das Leben in Dresden aussehen sollte. Bürger haben Vorstellungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, wie allein Pegida und Gegner zeigen. Am Donnerstagabend mussten sogar Polizisten zu einer Gesprächsrunde im Hygiene-Museum kommen. Denn vor dem Gebäude fand sich eine mit Plakaten gerüstete Gruppe von Protestbürgern ein.

Wie sollen Dresdner in Zukunft reden? Diskutieren, brüllen oder doch lieber schweigen? Sind sich die Dresdner nur einig, wenn sie am 13. Februar zehn Minuten mit Schweigen verbringen?

Diese Fragen stellte auch Cornelius Pollmer, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, als er die Diskussionsrunde „Wie werden wir reden?“ moderierte. Als Gesprächspartner waren aber nicht nur Dresdner eingeladen. Neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und dem Theologen Frank Richter nahm auch die Religionspädagogin und Publizistin Lamya Kaddor aus Duisburg an der Diskussionsrunde teil. Die in Deutschland geborene Tochter syrischer Einwanderer setzt sich für eine liberalere Auslegung des Islams ein.

Die Art einer geeigneten Gesprächsführungen vor Ort ist noch nicht ganz klar. „Wir versuchen in Dresden verschiedene Formate des Gesprächs“, sagte Hilbert. Religion, Kultur, Bildung, die Frage nach dem, was eigentlich deutsch ist – das waren die Impulsgeber der Diskussion über die Problematik, wie die alten und neuen Dresdner lernen, miteinander zu sprechen und zu leben. Der Theologe Frank Richter rief dazu auf, in Gesprächen Verständnis füreinander zu entwickeln. Dabei dürften auch Unterschiede aufgedeckt werden, erklärte Kaddor. Nur gäbe es dabei noch ein Problem. „Was wir nicht mehr schaffen, ist, Unterschiede auszuhalten, ohne anderen gleich die Menschenwürde abzusprechen.“

Dass das nicht einfach ist, wurde bei den Publikumsfragen deutlich. Die Proteste setzten sich fort. Ein Bürger beschimpfte Kaddor sogar wüst. Er wurde unter lauten Buhrufen gegen ihn aus dem Saal gebracht. Obwohl einige auch konstruktive Fragen äußerten, richteten sich die meisten mit ihren Worten gegen Kaddor. Diese zeigte sich trotz der Beleidigungen diskussionsbereit. Letztlich erreichte die Fragerunde einen toten Punkt und wurde abgebrochen.

Die schwierige Gesprächsrunde stellte den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Zurück oder Zukunft – Wie wir in Dresden leben wollen“ dar. Das Thema der Veranstaltungen ist die Frage, wie die Stadt im Jahr 2030 und danach aussehen könnte. In den folgenden fünf Wochen wird jeweils eine Diskussionsrunde stattfinden.