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Dresden

Zwillinge bekommen zeitgleich Babys

Erst Schwestern, dann Mütter. Am selben Tag, im selben Krankenhaus bringen die Dresdnerinnen Rahel und Sarah ihre Kinder auf die Welt.

Sarah (li.) und Rahel sind eineiige Zwillingsschwestern. Ihre Söhne Vigo (li.) und Janosch kamen beide Donnerstag zur Welt.
Sarah (li.) und Rahel sind eineiige Zwillingsschwestern. Ihre Söhne Vigo (li.) und Janosch kamen beide Donnerstag zur Welt. © Christian Juppe

Einen solchen Zufall hat es am Diakonissenkrankenhaus noch nicht gegeben. Selbst weltweit ist die Zahl der Treffer bei dieser Recherche gering.

Am 15. August haben die eineiigen Zwillingsschwestern Rahel und Sarah ihre Babys zur Welt gebracht. Im Abstand von wenigen Stunden, auf derselben Etage im Diako, auf natürlichem Weg, ohne Einleitung. Und: Es sind zwei Jungs. Rahels Sohn Janosch kam kurz nach 3 Uhr nachts zur Welt. Sarahs Sohn Vigo dann gegen 13 Uhr am Mittag.

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Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Gerade mal zwei Stunden nach der Geburt von Vigo sitzen die beiden Elternpaare mit ihren Kindern im Arm entspannt auf dem großen Gebärbett im Kreißsaal. Auf dieses Timing angelegt hätten es die Schwestern nicht, beteuern sie. Rahel war mit Janosch (53 Zentimeter, 4120 Gramm) eine Woche überfällig. Der kleine Vigo (51 Zentimeter, 3560 Gramm) ist dagegen zwei Tage vor dem errechneten Termin auf die Welt gekommen. „Das waren Solidaritätswehen“, sagt sein Papa Jan trocken.

Denn als bei Rahel am Mittwochabend schon die Wehen eingesetzt hatten, schaute sie noch kurz bei ihrer Schwester vorbei. Wenige Stunden später setzten dann auch bei ihr die Wehen ein. Die Schwestern wohnen in der Neustadt nur zwei Straßen voneinander entfernt. Die Verbindung ist von jeher eng. Neun Jahre haben sie gemeinsam in einer WG in Dresden gelebt, etwa zeitgleich ihre heutigen Partner kennengelernt, sie spielen in derselben La-crosse-Mannschaft und haben einen ähnlichen Freundeskreis.

„Da werden sich einige heute über einen dicken Pott freuen“, sagt Chemiker Jan. Denn ein paar Freunde haben darauf gewettet, dass die Kinder am selben Tag geboren werden. „Wie sollte es auch anders sein – bei eineiigen Zwillingen“, haben die Schwestern in den vergangenen Monaten immer wieder gehört. Die beiden nehmen das Ganze aber sehr gelassen. Von der Schwangerschaft der jeweils anderen wussten sie quasi von Anfang an. Und natürlich lassen sie sich nun auch von ein und derselben Hebamme betreuen. „Aber nur, weil ich zu faul war, mich zu kümmern, und dann die von Rahel angesprochen hab“, sagt Sarah lachend, während sie Vigo stillt. Beide haben laut Diako-Hebamme Lisa Mühlberg ähnlich abgelaufene Bilderbuchgeburten erlebt. Weil alles so reibungslos geklappt hat, sind sich die beiden 31-Jährigen auch in einem weiteren Punkt einig: Obwohl es das jeweils erste Kind ist, verlassen sie noch an diesem Tag kurz darauf das Krankenhaus.

© Christian Juppe

Dass ihre Jungs eng miteinander aufwachsen werden, ist für die Mütter selbstverständlich. „Sie sind ja genetisch gesehen auch Halbbrüder, weil unsere Mutter-DNA identisch ist“, sagt Rahel. Das würde auch erklären, warum Hebamme Lisa Mühlberg bei den beiden Kindern eine gewisse Ähnlichkeit festgestellt hat. „Sie sind zwar unterschiedlich schwer, haben aber beide ähnliche Gesichtszüge und eine Runzelstirn“, sagt sie.

Eins ist aber sicher: Die beiden Väter Konrad und Jan sind nicht miteinander verwandt und kannten sich auch nicht, bevor sie mit der jeweiligen Schwester zusammengekommen sind. Lediglich eine geografische Nähe lässt sich bei der Herkunft der Männer aus Annaberg und Plauen feststellen. Aber bitte nicht in einen Topf werfen: „Das eine ist das Erzgebirge, das andere das Vogtland“, erklärt der 33-jährige Softwareentwickler Konrad. Alle vier kichern. Man versteht sich eben.

© Christian Juppe

Und weil auch die Väter einige ähnliche Ansichten teilen, werden sie jeweils deutlich mehr als zwei Standard-Elternzeitmonate nehmen. Den Schwestern sind ihre Berufe schließlich auch wichtig. Rahel unterrichtet am Gymnasium Französisch und Physik. Sarah ist Goldschmiedemeisterin – hat aber vor einiger Zeit in Dresden auch noch ein Lehramtsstudium aufgenommen. Ursprünglich stammen beide aus Kamenz.

Die Information über das zeitgleiche Enkelglück hat bei den frischgebackenen Großeltern aus Kamenz doppelte Freude ausgelöst. Die sind derzeit aber noch im Urlaub und werden sich die Enkel erst im Laufe der nächsten Woche anschauen können.