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Dresdnerin gewinnt historisches Gold

Ornella Wahner heißt die neue deutsche Box-Hoffnung. Ihr WM-Titel kommt gerade richtig.

Das Lächeln täuscht: Im Ring kann Ornella Wahner austeilen.
Das Lächeln täuscht: Im Ring kann Ornella Wahner austeilen. ©  dpa

Von Nikolaj Stobbe

Als Ornella Wahner nach acht Stunden Flug aus Neu Delhi in Frankfurt/Main landete, kam sie aus dem Staunen nicht heraus. Die Spitze des Boxverbandes wartete mit Champagner in den Händen auf die erste deutsche Amateur-Weltmeisterin. Die Dresdnerin hatte am Samstag in Indien Großes geleistet und auch ihren fünften Kampf in der Federgewichtsklasse, die gerade erst neu ins olympische Programm aufgenommen wurde, gewonnen.

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„Der schönste Moment war, als ich die Nationalhymne gehört habe und danach meinen Mädels in die Arme gefallen bin“, sagte Wahner. Mit ihrem unbändigen Willen hatte die 25-Jährige der jungen Lokalmatadorin Sonia Chahal in den drei Runden keine Chance gelassen, dabei auch gegen die 4 000 Zuschauer geboxt und am Ende nach Punkten 4:1 gewonnen.

„Sie ist eine große Kämpferin“, sagt Bundestrainer Michael Timm über seinen Schützling, den er mit der einstigen Profi-Weltmeisterin Regina Halmich vergleicht: „Größe und Gewicht sind bei Regina und Ornella ähnlich, sie stehen für offensives Boxen, sind sehr ehrgeizig und starke Charaktere“, erklärte der einstige Cheftrainer des Hamburger Profistalls Universum.

Wahner ist schon viel rumgekommen in ihrem Sportleben. Angefangen hatte sie in ihrer Heimstadt Dresden mit der Leichtathletik, wechselte dann zum Kickboxen und später zum Boxen. 2006, als sie 13 war, zogen ihre Eltern mit ihr nach Berlin. Ihr Vater Gerd war auch schuld an ihrem Vornamen, er schwärmte von der italienischen Schauspielerin Ornella Muti. Zehn Jahre trainierte das 57-Kilo-Leichtgewicht in Berlin, dann zog sie nach Schwerin weiter, startet aber für einen Verein in Halle. 

2011 hatte sie als Junioren-Weltmeisterin ihren ersten Titel gewonnen, nun freute sie sich nach ihrer Rückkehr aus Indien auf ihre Familie, ihren Freund und eine ganz besondere Belohnung: Bratwürstchen mit Kartoffelbrei und Sauerkraut. Bald aber schon wird sie sich wieder beim Training quälen für den nächsten großen Traum: Olympia 2020 in Tokio. „Mein Ziel dort ist eine Medaille“, erklärte sie. Seit Jahren schon gehört sie nicht nur national zu den Besten. „Meine größte Stärke ist die Liebe zum Boxen. Ich bin im Kopf stark und mit dem Herzen dabei“, verriet sie.

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„Es gibt nicht nur das Boxen“, sagt Ex-Weltmeisterin Ornella Wahner - und denkt nach der verpassten Tokio-Teilnahme über ihre Karriere nach.

Für den Deutschen Boxverband (DBV) hätte der Erfolg zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Am Montag steht das wichtige Meilenstein-Gespräch mit dem Deutschen Olympischen Sportbund über die weitere Förderung an. In den letzten Jahren gab es für den Verband zwischen 850 000 und einer Million Euro. Damit konnte man keine großen Sprünge machen, bei den Spielen 2010 und 2014 blieb man ohne Medaille. Zuletzt hatte der DBV verstärkt auf das Frauenboxen gesetzt. Das zahlt sich nun aus. (sid, mit dpa, SZ/dk)