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Dresden

Drewag kann jetzt Windenergie speichern

Mit einem Riesen-Tauchsieder wird am Kraftwerk Nossener Brücke sauberer Strom in Wärme umgewandelt.

Projektleiter Lars Kaulfuß freut sich, dass der Probebetrieb der Anlage mit ihrem Speicherturm (l.) neben dem Kraftwerk Nossener Brücke gut funktioniert.
Projektleiter Lars Kaulfuß freut sich, dass der Probebetrieb der Anlage mit ihrem Speicherturm (l.) neben dem Kraftwerk Nossener Brücke gut funktioniert. © René Meinig

Gegenüber vom Kraftwerk Nossener Brücke ragt ein neuer, 24 Meter hoher Turm an der Fabrikstraße empor. Dabei handelt es sich um den Pufferspeicher der neuen Elektrodenheizkesselanlage, erklärt Drewag-Projektleiter Lars Kaulfuß. Die hochmoderne Anlage sucht deutschlandweit ihresgleichen. Allerdings hat der 36-jährige Diplom-Ingenieur für Kraftwerkstechnik damit auch einen enormen Aufwand gehabt. Vor allem die genaue Einstellung des Zusammenspiels aller Systeme sei eine enorme Herausforderung und habe sehr viel Zeit in Anspruch genommen.

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Die Anlage schafft eine völlig neue Möglichkeit. An windigen Tagen steht viel Wind-, an sonnigen Tagen viel Solarenergie preiswert zur Verfügung. Doch so viel Strom wird in Spitzenzeiten nicht benötigt, erläutert Rutger Kretschmer, der als Drewag-Bereichsleiter für Kraftwerke zuständig ist. Zudem sinkt der Strompreis während dieser Stunden rapide. Die Anlage kann während solcher Zeiten überschüssigen Strom in speicherbare Energie in Form von Wärme umwandeln, die letztlich ins Fernwärmenetz eingespeist wird.

Das hochmoderne technische System kann so schnell reagieren, dass binnen 30 Sekunden die Anlage von einer mittleren Leistung auf die vollen 40 Megawatt hochgefahren werden kann. Parallel dazu kann die Leistung im benachbarten Heizkraftwerk Nossener Brücke heruntergefahren werden, um weniger Strom und Wärme zu erzeugen. Der große Vorteil ist, dass dabei zu 100 Prozent regenerative Energie zum Einsatz kommt, bei deren Erzeugung die Umwelt nicht mit Kohlendioxid belastet wird.

Herzstück der Anlage ist der Elektrodenheizkessel. Er funktioniert wie ein riesiger Tauchsieder, so Kretschmer. Über große Elektroden fließt grüner Strom durchs Wasser und erhitzt es auf 130 Grad. Mit einem Wärmeübertrager wird das heiße Wasser dann zu dem hohen, turmartigen Pufferspeicher übertragen, der 315 Kubikmeter fasst. Von dort aus können Dresdner Haushalte und Betriebe mit dieser Fernwärme versorgt werden.

90-Tonnen-Koloss auf dem Tieflader

Der Bau der Elektrodenheizkesselanlage hatte im Juli 2017 begonnen. Eine Großaktion war der Transport des 90 Tonnen schweren Pufferspeichers auf einem Tieflader von Chemnitz zur Nossener Brücke im Oktober 2017. Die kritischste Stelle dabei war die Fahrt unter der Bahnunterführung auf der Löbtauer Straße hindurch, wo nur noch wenige Zentimeter Platz blieben. Doch schon wenige Stunden später konnten Schwertlastkräne den Koloss auf sein Fundament bugsieren. Die Montage war Mitte vergangenen Jahres weitgehend abgeschlossen. Danach hatte die Inbetriebnahme begonnen. Da die Anlage mit den Systemen im Heizkraftwerk Nossener Brücke verbunden ist, konnten während der Spitzenzeit in der Heizperiode keine Tests durchgeführt und die nötigen Einstellungen vorgenommen werden, erklärt Projektleiter Kaulfuß.

Im Mai begann der Probebetrieb. „Das ist ein ganz wichtiger Meilenstein für uns als Drewag“, sagt Bereichsleiter Kretschmer. „Wir können damit grünen Strom in grüne Wärme verwandeln und so einen kleinen Beitrag leisten, um unser Wärmenetz grüner zu bekommen.“ Er hofft, dass die Anlage noch dieses Jahr voll in Betrieb genommen werden kann. Die Drewag investiert dafür rund sieben Millionen Euro.