merken

Drogenrazzia am Wiener Platz

Am Donnerstag hat die Polizei vor dem Dresdner Hauptbahnhof wieder Drogen gefunden - es war die 27. Razzia. Seit eineinhalb Jahren wird dort kontrolliert - geändert hat sich wenig.

© Christian Juppe

Alexander Schneider

Es ist schon spätnachmittags, als die Polizei mal wieder am Wiener Platz aufmarschiert. Zahlreiche bewaffnete Beamte in dunklen Uniformen, viele tragen Sturmhauben. Sie kontrollieren gezielt Ausländer. Mehrere Dutzend sind es gestern. Die meist jungen Männer müssen sich hinsetzen und werden mit Kabelbindern gefesselt. Anschließend überprüfen die Beamten ihre Personalien. Dazu führen sie die Gefesselten in die Passage unter dem Wiener Platz – sie ist während des Einsatzes für Passanten gesperrt. Manch einer der Gefesselten reagiert hitzig auf Pressefotografen, andere bleiben gelassen. Die meisten kennen das Spiel. Die Polizei kontrolliert dort bereits seit eineinhalb Jahren regelmäßig.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Razzia am Wiener Platz in Dresden: Die Beamten suchen Drogen und überprüfen die Identität mehrerer Männer.
Razzia am Wiener Platz in Dresden: Die Beamten suchen Drogen und überprüfen die Identität mehrerer Männer. © Christian Juppe
Am Wiener Platz vorm Hauptbahnhof werden immer wieder Drogenkontrollen durchgeführt.
Am Wiener Platz vorm Hauptbahnhof werden immer wieder Drogenkontrollen durchgeführt. © Christian Juppe

Drogenhandel, Diebstähle, Alkoholismus, Pöbeleien – das Viertel rund um die Wiener Platz hat sich in den vergangenen zwei Jahren in ein Brennpunktgebiet verwandelt. Kunden werden beleidigt, manchmal auch bespuckt, Verkäufer angemacht, Mitarbeiter mit Messern bedroht. Geschäftsleute klagen über eine offene Drogenszene – sie könnten aus ihrem Laden heraus beobachten, wie Dealer vor ihrem Schaufenster Tütchen mit Cannabis oder Crystal kontrollieren oder an Süchtige verkaufen. Mit den Monaten bekäme man einen guten Blick dafür, sagte einer.

Die Kontrolle am Donnerstag ist bereits die 27. seit Februar 2014. Seit dem hat die Polizei ein wachsames Auge auf das Gebiet geworfen. Die Zahlen sind ernüchternd. 127 Verstöße wurden bei den Kontrollen festgestellt, darunter 64 gegen das Betäubungsmittelgesetz. Meist wurden verdächtige mit geringen Mengen Cannabis angetroffen. Vereinzelt aber auch mit der gefährlichen „Partydroge“ Crystal und anderen Rauschgiften. 64 Verdächtige wurden festgenommen, die meisten jedoch nur für kurze Zeit. Nach Tunesiern stellen deutsche Verdächtige die zweitgrößte Gruppe, gefolgt von Algeriern und Marokkanern.

Polizeibericht vom 17. Juli

Diebisches Duo gestellt

Zeit: 17.07.2015, 01.30 Uhr
Ort: Dresden-Naußlitz

Die Polizei nimmt am Freitagmorgen in einer Gartensparte an der Koblenzer Straße zwei Tunesier vorläufig fest, die in einer Straßenbahn einen Rucksack und ein Handy gestohlen hatten. Opfer des Diebstahls ist eine 18-jährige Frau, die Richtung Gorbitz unterwegs ist. Im Hauptbahnhof steigen die beiden Männer zu und setzten sich neben die Frau.

An der Haltestelle Koblenzer Straße startet das Duo sein Manöver: Einer der beiden verlässt seinen Platz und blockierte die sich schließende Straßenbahntür. Sein Komplize greift sich den auf dem Sitz abgestellten Rucksack der jungen Frau, schlüpfte durch die aufgehaltene Tür und beide flüchten mit der Beute nach draußen.

Mit einer ähnlichen Methode hatten die Männer zuvor ein Handy in einer Straßenbahn an der Haltestelle Cottaer Straße erbeutet. Bei der Tat betrat einer der Tunesier die Bahn, riss einem in Türnähe sitzenden 18-jährigen Fahrgast das Handy aus der Hand und verschwand durch die sich schließende Tür. In diesem Fall hatte sein Komplize die Tür von außen aufgehalten.

Die Diebe konnten nach einem Hinweis in einem Hinterhof an der Koblenzer Straße festgestellt werden. Ein Anwohner hatte unter seinem Fenster Geräusche vernommen und die Männer entdeckt. Der Mann verständigte die Polizei. Das Duo flüchtete zwar in eine nahe Gartensparte, doch dort nahmen die Polizeibeamten die beiden Männer im Alter von 18 und 20 Jahren vorläufig fest.

Das geraubte Handy sowie den Rucksack fanden die Beamten in unmittelbarer Nähe. Die beiden Tunesier werden sich nun strafrechtlich verantworten müssen. (szo)

Vier Autos gestohlen

Zeit: 15.07.2015, 18.00 Uhr bis 16.07.2015, 10.00 Uhr
Ort: Dresden-Seevorstadt/Südvorstadt/Johannstadt

Auf vier Fahrzeuge der Marken Mazda und Ford hatten es Diebe in der Nacht zum Donnerstag abgesehen. Von der Reitbahnstraße und der Andreas-Schubert-Straße verschwanden ein blauer Mazda 3 und ein schwarzer Mazda 6. Die beiden neuwertigen Fahrzeuge haben zusammen einen Zeitwert von rund 56000 Euro.

Auf der der Blüherstraße und der Dürerstraße raubten die Autodiebe einen drei Jahre alten weißen Ford Focus im Wert von knapp 29000 Euro und einen blauen Ford S-Max. Dieser war im November 2011 erstmals zugelassen. (szo)

Auspuffanlagen abgebaut

Zeit: 15.07.2015, 16.00 Uhr bis 16.07.2015, 07.00 Uhr
Ort: Dresden-Albertstadt/Leipziger Vorstadt

Ein gesteigertes Interesse an Bauteilen von Kleintransportern der Marke Iveco zeigten Diebe gestern Nacht an der Conradstraße und der Königsbrücker Straße. Sie demontierten an zwei Iveco Daily die kompletten Auspuffanlagen im Wert von jeweils rund 3000 Euro. (szo)

Einbruch in Friseursalon

Zeit: 15.07.2015, 18.30 Uhr bis 16.07.2015, 08.15 Uhr
Ort: Dresden-Radeberger Vorstadt

In der Nacht zum Donnerstag hebelten Einbrecher das Fenster eines Friseursalons an der Nordstraße auf und stiegen ein. Anschließend durchsuchten sie die Räume und stahlen mehrere Scheren, Föhne und andere Utensilien sowie rund 50 Euro Bargeld. Der entstandene Schaden ist abschließend noch nicht bezifferbar. (szo)

Zeugen zu Körperverletzung gesucht

Zeit: 15.07.2015, 17.40 Uhr
Ort: Dresden-Seevorstadt

Ein 50-jähriger Dresdner muss sich nach einem Ausraster wegen Körperverletzung verantworten. Sein BMW mit tschechischen Kennzeichen sollte abgeschleppt werden, weil das Auto unberechtigt einen Behindertenparkplatz blockierte. Gegenüber Mitarbeitern des Ordnungsamtes verweigerte der Mann die Angabe seiner Personalien und entfernte sich vom Ort.

In Höhe des Geschäfts „PlanetSport“ auf der Prager Straße drehte sich der 50-Jährige um und schlug dem ihm folgenden Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit der Faust in das Gesicht. Dabei erlitt der 27-Jährige leichte Verletzungen. Die Polizei nahm den Schläger vorläufig fest und sucht nun Zeugen, die Angaben zum Tathergang machen können: 0351 483 22 33 entgegen. (szo)

Zwei Verletzte bei Prügelei

Zeit: 05.07.2015, gegen 00.30 Uhr
Ort: Dresden-Johannstadt

Zwei Männer und eine Frau sind auf der Blasewitzer Straße in Richtung Stadtzentrum unterwegs. Auf Höhe des Trinitatisplatzes spricht der 26-Jährige aus dem Trio einen Passanten an und bittet diesen um Feuer. Der Gefragte, der in Begleitung einer Frau und mehrerer Hunde ist, lehnt dies ungehalten ab. Anschließend folgt der Mann den drei jungen Leuten und attackiert den 26-Jährigen mit einem Stock.

Es kommt zu einer Auseinandersetzung an der sich ein weiterer Fußgänger, sowie ein Motorrollerfahrer und ein Radfahrer auf Seiten des Angreifers beteiligen. Sie schlagen auf den 26-Jährigen ein und auch auf dessen 22-jährigen Bekannten. Die Verletzungen des Älteren müssen in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die Polizei bittet Zeugen, die die Prügelei beobachtet haben und Angaben zu den Angreifern machen können, sich zu melden unter 0351 483 22 33. (szo)

Unfallflucht nach Zusammenstoß im Auto

Zeit: 01.07.2015, 07.30 Uhr
Ort: Dresden-Laubegast

Ein Opel Corsa ist auf der Österreicher Straße in Richtung Tauernstraße unterwegs. In Höhe Hermann-Seidel-Straße muss er verkehrsbedingt halten. Ein nachfolgender grüner Seat Ibiza kann nicht rechtzeitig bremsen, fährt auf den Corsa auf, verursachte einen Schaden in Höhe von rund 1000 Euro und fährt davon.

Am nächsten Tag findet die Polizei den Seat verlassen und unverschlossen auf der Tauernstraße. Die angebrachten Kennzeichen gehörten zu einem Citroen, der bereits Anfang April 2015 in Dresden-Mickten gestohlen worden war.

Die Polizei bittet Zeugen, die den Unfall beobachtet haben und Angaben zum Fahrer oder Insassen des grünen Seats machen können, sich zu melden unter 0351 483 22 33. (szo)

1 / 7

Die Polizei bestätigt, dass sich „im weiteren Umfeld des Hauptbahnhofs eine Drogenszene etabliert“ habe, der Handel finde nicht mehr im Verborgenen statt, sondern in der Öffentlichkeit. Dazu gehörten Gaststätten, Einkaufsgalerien, öffentliche Toiletten und Spielcasinos, so Polizeisprecher Thomas Geithner. Hinzu käme die Beschaffungskriminalität, die auch unmittelbar in diesem Bereich stattfinde, vor allem Ladendiebstähle. Geithner: „Die Bekämpfung dieser Szene gehört aktuell zu unseren Schwerpunktaufgaben in der Innenstadt.“

20 bis 30 Beamte nehmen an solchen Einsätzen teil. Sie werden vom Revier durchgeführt, reine Routine. Der schwierigste Einsatz fand Anfang Dezember statt. Damals wurden Polizisten in der Passage unter dem Wiener Platz mit Bierflaschen angegriffen. 73 Menschen wurden kontrolliert, 16 verhaftet. 80 Polizisten waren bis spät in die Nacht vor Ort. Neben Drogen-Verfahren ermittelte die Polizei auch wegen Körperverletzung gegen einige.

Mitarbeiter von Läden im Kugelhaus etwa berichteten, dass sich die Situation dort nur etwas verbessert habe. Nachdem die öffentlichen Toiletten im Untergeschoss geschlossen wurden, waren sie für Dealer nicht mehr interessant. Sie hatten auch dort Drogendepots angelegt und Geschäfte abgewickelt. Immer wieder seien Beschäftigte und Kunden belästigt worden. Ein Hausmeister sei von einem mit einem Messer bewaffneten Täter bedroht worden. Seit März ist ein Sicherheitsdienst unterwegs. Auch das habe sich bemerkbar gemacht.

Mit den Kontrollen der Polizei ließe sich allenfalls eine Verdrängung oder eine nur oberflächliche Eindämmung des Phänomens erzielen, sagt Geithner. Die Existenz einer Drogenszene sei jedoch im Kern ein drogenpolitisches Problem. Sprich: Auch andere sind gefordert. Erst im Juni hat sich etwa der Kriminalpräventive Rat der Stadt Dresden mit dem Wiener Platz befasst. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.