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Druck Dir einen Weihnachtswichtel

In der Oderwitzer Erfinderkiste konnten Kinder der Pestalozzi-Grundschule jetzt hautnah erfahren, wie 3D-Drucker funktionieren. Das hatten sie Studierenden der Hochschule Zittau zu verdanken.

Von Elke Schmidt
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Studentin Elisia Heinrich zeigt Selma, Kurt und Clemens den 3D Drucker.
Studentin Elisia Heinrich zeigt Selma, Kurt und Clemens den 3D Drucker. © Foto: Rafael Sampedro

Es ist nur ein einfacher Weihnachtswichtel, in schnödem Weiß und gerade mal vier Zentimeter hoch. Trotzdem sind Selma, Clemens und Kurt fasziniert von dem kleinen Kerl. Gerade haben sie zugesehen, als er wie von Zauberhand quasi aus dem Nichts entstanden ist. Elisia Heinrich und ihre Kommilitonen von der Hochschule Zittau/Görlitz haben einen 3D-Drucker in die Oderwitzer Erfinderkiste mitgebracht und zeigen ihnen mit diesem Beispiel, wie so ein Gerät funktioniert.

Die Schüler der Pestalozzi-Grundschule sind beeindruckt. Sie sind hier im Rahmen des Ganztagsangebotes ihrer Schule und beschäftigen sich einmal in der Woche mit Technik und Naturwissenschaften. Heute sind sie besonders begeistert und wollen immer mehr wissen.

Da sind sie bei den Studierenden der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen an der richtigen Adresse. Die haben den Nachmittag im Rahmen ihres Fachs "Betriebliche Software" organisiert und erklären zuerst, wie so ein 3D-Drucker funktioniert. Dabei wird das Material geschmolzen und durch eine Düse gespritzt. Der Druckkopf bewegt sich nicht nur wie bei einem normalen Drucker hin und her, sondern auch in die Höhe. So entsteht Schicht für Schicht ein Objekt. Welches das sein soll, kann man vorher mit einem Softwareprogramm festlegen und passend zur Adventszeit haben die Studierenden etwas Weihnachtliches ausgesucht. Die Kinder sind beeindruckt. Obwohl so ein 3D-Druck sehr lange dauert – selbst der kleine Wichtel braucht eine halbe Stunde, bis er fertig ist – wird ihnen das Zuschauen nicht langweilig.

Dennoch lassen sie den Drucker nach einer Weile links liegen. Elisia Heinrich und ihre Mitstreiter haben nicht nur das Gerät mitgebracht, sondern auch ein kleines Programm rund um das Thema vorbereitet. Zuerst erzählen sie von den Problemen, die Plastikmüll in der Umwelt verursacht. 3D-Drucker produzieren ja viele Dinge aus Kunststoff und könnten diese Probleme durchaus verschärfen. Im Meer ist es besonders schlimm und Meeresbewohner wie Schildkröten haben schwer darunter zu leiden, erklären die jungen Leute. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Richtig eingesetzt kann der 3D-Druck sogar zum Umweltschutz beitragen, sagen sie. Zum Beispiel können mit ihm gleich vor Ort Ersatzteile gedruckt werden, die heute noch oft um die halbe Welt transportiert werden. Das spart nicht nur die Energie für den Transport, sondern auch die aufwendige Lagerhaltung.

Dann beantworten die Kinder in einem Quiz Fragen wie: "Wie lange wird eine Plastiktüte verwendet, bis sie im Müll landet?". Die Oderwitzer Grundschüler sind gut informiert und viele wissen, dass das tatsächlich meist nur wenige Minuten sind. Auch die anderen Fragen sind für sie keine großen Hürden. Am Ende gibt es so viele Sieger, dass beinahe die Preise nicht reichen.

Doch die Kinder erfahren nicht nur Neues, sie haben auch viel Spaß. Die Studierenden hatten vorher den Drucker sozusagen heiß laufen lassen und ihnen selbst gedruckte Schneemänner, Schneeflocken und sogar Pinguine mitgebracht. Diese Figuren dürfen die Kinder nun bemalen und sind mit Feuereifer bei der Sache. Am Ende wollen die Schüler gar nicht nach Hause gehen. Dass sie heute etwas gelernt haben, zeigt zum Beispiel die siebenjährige Selma. Die erklärt ihrer Mutter noch in der Erfinderkiste sehr anschaulich, welche Probleme Kunststoff verursachen kann. Weil die Veranstaltung so gut ankam, soll die Idee nicht in der Schublade verschwinden, sondern auch andernorts durchgeführt werden. Vielleicht demnächst im Mittelherwigsdorfer Traumpalast.

Möglichkeiten 3D-Druck

Die unterschiedlichsten Dinge aus Plastik herzustellen ist zwar die bekannteste, aber längst nicht die einzige Möglichkeit, 3D-Drucker einzusetzen. Man kann damit Süßigkeiten und andere Lebensmittel individuell designen und herstellen. Zahnkronen und andere medizinische Prothesen sind ein weiteres Einsatzgebiet. Modische Accessoires wie Schuhe kommen bereits aus dem Drucker. In China werden sogar Häuser gedruckt. Künftig soll es auch möglich sein, Organe zu drucken. Erste Experimente dazu verliefen im Tierversuch bereits erfolgreich. Amazon hat Anfang des Jahres ein Patent eingereicht, mit dem sich bestellte Produkte auf den Amazon Trucks erst während der Auslieferung herstellen lassen.