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Druckfrisch aus Kamenz

Sechs Tonnen Papier gehen täglich aus der Druckerei Schütz in alle Bundesländer. Das meiste davon sind Formulare.

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© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Gute Nachrichten aus der Lessingstadt: Schon wieder feiert ein Unternehmen sein 25. Jubiläum. Und es hat sich nicht nur in der Region, sondern auch in ganz Deutschland und darüber hinaus noch in Österreich, Frankreich und Holland bestens etabliert. Die Rede ist von der Druckerei Schütz GmbH. Sie siedelte sich 1991 als eine der Ersten im Gewerbegebiet an der Windmühle an. Und hält dem Standort bis heute die Treue.

Etwa sechs Tonnen Papier verlassen täglich die Produktionsstätte. Pro Jahr kommen so knapp 1000 Tonnen zusammen. Das sind immense Summen, die wohl die wenigsten hinter der klar strukturierten Fassade vermuten. Doch vor allem Trägerbahnsätze, Broschüren, Kataloge, Rechnungs- und Lieferscheinblöcke sowie Endlosformulare haben es in sich. Letztere machen das Hauptgeschäftsfeld der Druckerei aus. Von der Deutschen Rentenversicherung über verschiedenste Ämter bis hin zur GEZ – alle bestellen ihre Formulare in Kamenz. Meistens in dreifacher Durchschrift. Das wiegt. Der deutsche „Beamtenschimmel“ spielt dem Unternehmen also gut in die Karten. „Wir gehören zu den führenden Druckereien Deutschlands im Formularsegment“, sagt Chef Toralf Schütz. Dafür musste man aber auch etwas tun. Ohne modernste Offsetdruckmaschinen geht es nicht. Knapp eine Million Euro investierte die Firma allein in den letzten zweieinhalb Jahren. Auch die Firmenhalle wurde bereits zweimal erweitert. Dies hat sich ausgezahlt.

Auch die GEZ bestellt hier

„Noch vor 15 Jahren gab es deutschlandweit 400 Druckereien in diesem Geschäftsfeld. Jetzt sind wir noch 60 und gut im Geschäft“, freut sich Toralf Schütz. Auch Ehefrau Ines, die vor drei Jahren voll in die Firma einstieg und die Kundenbetreuung leitet, kann das bestätigen. „Seit 15 Jahren wird vom papierlosen Büro gesprochen. Aber das hat sich glücklicherweise noch nicht durchgesetzt“, schmunzelt sie. Dabei sinkt der Markt schon. Davor die Augen zu verschließen, wäre falsch. Ist man allerdings leistungsfähig genug, kann man in schweren Zeiten bestehen. Beziehungsweise daraus sogar einen Nutzen ziehen. „In der Branche sind wir gut angesehen, auch bei den Kollegen. Wir haben hier im Fall von Geschäftsaufgaben auch schon Technik und Kunden übernommen“, so Ines Schütz. Als ihr Mann im Alter von zarten 17 Jahren begann, den Beruf als Drucker zu erlernen, ahnte er nicht, welche Dimensionen ihn später in seinem Beruf erwarten. „Man hat es eben gemacht, weil es sich abzeichnete, dass so unsere Familienzukunft aussehen wird“, lacht er. „Gut so“, meint er heute.

Größte Formulardruckerei im Osten

Mit Hilfe des schwäbischen Druckerei-Unternehmers Winfried Pfund konnte sich sein Vater Manfred Schütz nämlich vor 25 Jahren seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllen. Er selber kam aus dem Gewerk, hatte sich jahrzehntelang in einer großen Bischofswerdaer Druckerei seine Sporen verdient. Kein Wunder, dass Sohn Toralf sanft, aber bestimmt in dieses Metier gelenkt wurde. „Ich habe meine Lehre hier im Betrieb gemacht. Und später nach Feierabend noch ein Studium in Betriebswirtschaft drangehangen“, erzählt er. Das ist jetzt von Vorteil. Denn die Firma liegt seit 2001 in seiner Hand. Vater Manfred Schütz genießt seit einigen Jahren den wohl verdienten Ruhestand. „Er schaffte über viele Jahre die Grundlage dafür, dass unsere Firma heute die modernste und größte Formulardruckerei der neuen Bundesländer ist. Dieser Erfolg wäre nicht möglich ohne das Engagement und Know-how aller unserer Mitarbeiter“, so der Geschäftsführer anerkennend. Man produziert größtenteils auch für Agenturen und Kollegenbetriebe. Das Motto: „Guter Druck macht Eindruck!“

Abfall heiß begehrt als Konfetti

In den hellen Produktionshallen geht es zwar ziemlich laut, dafür aber geordnet und sauber zu. Riesige Rollen stapeln sich hier. Sieben Kilometer Papier befinden sich allein auf einer. Die Maschinen tuckern und rattern im Zwei-Schicht-System. 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit Einsatz dabei. Die meisten seit vielen Jahren. Nachwuchs wird trotzdem immer gesucht. Ein neuer Mitarbeiter fängt bald an. Doch es ist schwer, auch in dieser Branche junge Leute zu begeistern. „Deshalb nehmen wir mittlerweile gern Quereinsteiger. Man merkt gleich, wer arbeiten will. Und der schafft das dann auch“, so Schütz.

Es riecht hier nach Farbe in den Hallen. Die ausgestanzten Schnipsel aus den Löchern zum späteren Abheften fliegen in riesige Säcke. „Auch hierfür haben wir einen Markt gefunden. Über Ebay lassen sich diese Abfälle bestens als Konfetti verkaufen“, so Toralf Schütz. Und ganz nebenbei bedient man schließlich noch die regionalen Kunden. Ob Flyer für den Kinderferienspaß, Plakate für Tomogara, bedruckte Flaschenpost fürs Ewag Fußballferiencamp – alles ist möglich. „Hochzeitszeitungen stehen übrigens auch ganz hoch im Kurs. Wir haben hier ein paar sehr gute Bewertungen im Internet bekommen. Seitdem können wir uns kaum retten vor Anfragen“, freut sich Ines Schütz.