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„Du hast deine Tiere geliebt“

Tragödie. Im Chemnitzer Tierpark ist am Sonnabend eine 23-jährige Tierpflegerin durch einen Leoparden getötet worden.

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Von Brigitte Pfüller

Vor dem Haupteingang des Chemnitzer Tierparkes flackert eine Kerze im roten Windlicht. Daneben liegt ein Rosenstrauß, und an die Tür ist ein Zettel geheftet: „Du hast deinen Beruf geliebt. Du hast deine Tiere geliebt.“ – Ein letzter Gruß von Freunden, niedergelegt von Freunden im Gedenken an die junge Tierpflegerin, die am Sonnabendmorgen im Tierpark Chemnitz von einem Leoparden angefallen und getötet wurde. Und es scheint, als ob die gesamte Einrichtung und auch die Chemnitzer noch unter Schock stehen.

Einrichtung blieb geschlossen

Sonst sind der Tierpark und die angrenzende Gaststätte „Pelzmühle“ ein vielbesuchtes Naherholungszentrum. Gestern Nachmittag ließen sich nur vereinzelte Spaziergänger sehen. Der Blick zum Leopardengehege blieb ihnen verwehrt, da die Tore wegen des tragischen Todesfalles am Wochenende geschlossen blieben.

Tierparkdirektor Hermann Will hatte die junge Frau am Sonnabendmorgen bei einem Routinerundgang gefunden. „Sie wurde bei uns in einer dreijährigen Lehre ausgebildet, die sie im Juli abgeschlossen hat. Seitdem ist sie hier fest beschäftigt“, sagt Will am Sonnabend bei einer Pressekonferenz schwer betroffen. Unmittelbar nach dem Vorfall informierte sich auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) am Unglücksort. Sie zeigte sich erschüttert und sprach den Angehörigen der Tierpflegerin ihr Mitgefühl aus.

Laut Polizei hatte die 23-Jährige im Vorraum des Käfigs routinemäßige Reinigungsarbeiten durchgeführt, als sie von dem siebenjährigen persischen Leopardenmännchen „Bakou“ angegriffen und in Nacken und Hals gebissen wurde. „Wenn alle Türen und Klappen geschlossen gewesen wären, dann hätte die Raubkatze die Pflegerin wohl kaum erreichen können“, mutmaßt man in der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Auch die Gewerbeaufsicht untersucht den Fall weiter. Inwieweit jetzt Sicherheitsmaßnahmen in der Einrichtung erhöht werden müssen, das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Und was mit dem Leoparden geschehen werde, hieß es bei der Polizei, das sei Sache des Tierparkes. Von dort war aber gestern keine Auskunft zu erhalten.

Doch nicht jedes Zootier, das einen Pfleger angreift, muss augenblicklich getötet werden. So hatte sich bereits im Januar 2004 im Chemnitzer Tierpark ein ähnlich gefährlicher Vorfall ereignet. Damals hatte der Löwe Sultan seine 33-jährige Pflegerin angegriffen und schwer verletzt. Andere Mitarbeiter konnten das Tier aber zurücktreiben und die Frau retten. Der ältere Löwe wurde damals nicht sofort eingeschläfert. Er ist aber inzwischen gestorben.

Äußerst seltene Art

Bei Bakou sieht es auch etwas anders aus. Denn der kräftige Raubkatzenmann gehört zu den äußerst seltenen persischen Leoparden, die in freier Wildbahn hochgradig vom Aussterben bedroht sind. In Tierparks und Zoos soll es weltweit höchstens noch 120 dieser Gattung geben. So war es besonders aufregend, als Bakou und Partnerin Cleopatra im Sommer 2005 das erste Mal Eltern von Drillingen wurden. Der Tierpark Chemnitz hat sich den Schutz bedrohter Arten auf seine Fahnen geschrieben.