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Du sollst das schaffen

Ist Humanität christlich oder gefährdet sie das Abendland? AfD-Vize Alexander Gauland streitet mit dem Katholiken Thomas Sternberg.

© Archiv: dpa

Von Marcus Thielking

Wie christlich sind die Retter des Abendlandes? Über diese Frage ist oft und heftig gestritten worden, jedoch meist aneinander vorbei, kaum miteinander. Eine seltene Begegnung dieser Art bot sich am Dienstagabend auf Einladung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. AfD-Vize Alexander Gauland diskutierte mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Zur Begrüßung fühlte sich der neue Akademie-Direktor Thomas Arnold gar veranlasst, das Dresdner Publikum um den Verzicht auf „Handgreiflichkeiten“ zu bitten – was nicht ohne Grummeln aufgenommen, letztlich aber befolgt wurde.

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Sternberg stellte gleich zu Beginn klar, weshalb er die AfD im Kern für eine unchristliche Partei hält: „Der christliche Geist verbietet uns Abgrenzungsstrategien“, sagte er und bekam dafür starken Applaus. Kaum weniger Beifall erhielt Gauland, der vor einer islamischen Masseneinwanderung warnte. Diese Gefahr lasse sich „nicht allein mit der Berufung auf Humanität und Toleranz“ abwehren.

Aber wenn Humanität, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft nun mal christliche Gebote sind? Gauland sprach von einem „Spannungsverhältnis“ zwischen religiösen Geboten und einer „staatlichen Notwendigkeit“. Es stünden in der Bibel auch sonst „viele Stellen, die wir nicht anwenden“. Christen könnten Flüchtlinge privat aufnehmen, wenn sie dies wollen. Aber es dürfe nicht sein, „dass man die übrige Gesellschaft in Haft nimmt“.

Sternberg entgegnete, es gehe nicht um einzelne Gebote, sondern um die „Grundlage, auf der dieser Staat, die gesamte Gesellschaft aufbaut“. An diesem Punkt wurde der unvereinbare Gegensatz zwischen beiden Positionen deutlich: Der Katholik Sternberg fühlt sich einer Weltkirche zugehörig, bunt, offen, stets den Menschen im Blick, nicht dessen Herkunft. Gauland hingegen hält den Islam für völlig inkompatibel mit einem christlich geprägten Land. Die Integration von Millionen Muslimen sei weder möglich noch wünschenswert.

So fasste Gauland das AfD-Programm in der bezeichnenden Kurzformel zusammen: „Wir schaffen das nicht, und wir wollen das auch gar nicht schaffen.“