merken

Duell der Gegensätze

Erstmals nach dem Aufstieg trifft RB Leipzig auf Darmstadt, ein Gegner mit gemeinsamer Vergangenheit. Beide trennt aber auch viel.

© Picture Point/K. Kummer

Daniel Klein

Wenn man gerade erst den siebenten Geburtstag feiern konnte als Fußballverein, ist das mit der Tradition etwas schwierig. Als Neuling in der Bundesliga etwa trifft man fast ausnahmslos auf Gegner, denen man vorher noch nie gegenüberstand. Am Sonnabend ist alles anders, dann fährt RB Leipzig ins Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor – nach Darmstadt also, quasi zu einem Altbekannten.

Anzeige
Laden Sie Ihre Akkus auf
Laden Sie Ihre Akkus auf

...und lassen Sie sich elektrisieren.

Doch, es gibt sie tatsächlich, eine gemeinsame Vergangenheit. Zusammen stiegen die Klubs aus der dritten in die zweite Liga auf, beim nächsten Schritt allerdings ließen sich die Rasenballer ein Jahr mehr Zeit. Und dann die Duell-Historie: Viermal schon stand man sich gegenüber – für RB-Verhältnisse fast ein Klassiker. Beim letzten Mal sorgte Torhüter Fabio Coltorti mit seinem Drehschuss-Siegtor in der Nachspielzeit für einen Moment, der wirklich in die Vereinsgeschichte eingehen könnte.

Trotz all der gemeinsamen Erinnerungen – gegensätzlicher geht es kaum: Darmstadt ist Emotion, Begeisterung, Improvisation, Leipzig dagegen Analytik, Laufwege, Perfektion. Dort Baustelle Böllenfalltor, hier Red-Bull-Arena. Während die Lilien im Sommer ihre besten Spieler (Christian Mathenia und Sandro Wagner) samt Trainer Dirk Schuster verloren, ging RB auf Einkaufstour. Vor der Saison landete Darmstadt bei der Umfrage nach den Absteigern weit vorn, RB wird dagegen bereits in der Premierensaison die Qualifikation fürs internationale Geschäft zugetraut. „Ich erwarte Leipzig am Ende auf jeden Fall in den Top sechs“, sagt Mats Hummels.

In Leipzig bedankt man sich artig für Komplimente des Weltmeisters und beharrt ansonsten auf dem ausgegebenen Ziel, sorgenfrei durchs Spieljahr zu kommen. Ein Ausbau der Serie von acht Partien ohne Niederlage dürfte tatsächlich schwierig werden und wohl schon vor dem 21. Dezember enden, wenn der FC Bayern den derzeit ersten Verfolger empfängt.

„Die anderen Mannschaften haben sich inzwischen auf uns eingestellt, wissen genau, wie wir spielen“, argumentiert Trainer Ralph Hasenhüttl. Und sie reagieren darauf. „Gegen Werder Bremen sind wir zum ersten Mal auf einen Gegner getroffen, der sich mit einer Sechser-Kette plus vier Mann davor um den eigenen Strafraum verbarrikadierte“, erklärt er. „Da brauchten wir Lösungen, und die haben wir zum Glück gefunden.“ In Darmstadt wird es voraussichtlich nicht einfacher, wo das körperbetonte Spiel bevorzugt wird – und das erfolgreich. Bisher verlor die Mannschaft vom ehemaligen Dynamo-Trainer Norbert Meier noch kein Heimspiel. Dafür aber am Mittwoch das Pokalduell beim Viertligisten FC Astoria Walldorf. „Davon lassen wir uns nicht blenden. Der Pokal hat für Darmstadt offenbar nicht die Bedeutung“, erklärte Hasenhüttl. Noch so eine Verbindung zwischen beiden Klubs. RB unterlag bereits in der ersten Runde in Dresden. Es blieb bisher die einzige Niederlage.