merken

Dunkle Gefahr und Badespaß

Vom Fluss in unseren Träumen, Erinnerungen an den Opa und Engländer an der Loreley.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Die Zeitschrift „Publik Forum“ widmet eines ihrer Extrahefte dem Thema „Flüsse – geliebt und gefürchtet“. Der Bogen wird vom Yukon in Kanada über die Havel in Brandenburg bis hin zum Ganges in Indien gespannt.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Im Artikel „Die Ertrinkenden“ widmet sich der Psychotherapeut Georg Milzner dem Flussmotiv im Traum. Er schreibt: „Träume haben Schauplätze. In der Theatersprache würde man sagen, es gibt in jedem Traum eine Bühne, auf der sich das Geschehen ereignet. Mitunter sind das Gebäude, oft aber auch Landschaften: Wüsten, Wälder, Strände. Unter den Landschaften, die dem Traum seine Bühne geben, sind die, in denen Flüsse vorkommen, besonders vielfältig. Das liegt daran, dass Flüsse vielfältige Erfahrungen ermöglichen. Etwas mag an uns vorbeiziehen oder uns mit sich reißen, eine Strömung nimmt uns auf oder wir lassen uns treiben. Flüsse schwellen überdies an oder trocknen aus, ziehen Grenzen oder weisen Wege, verbinden Entferntes und tragen Schiffe, tragen uns oder ziehen uns in die Tiefe. Allerdings macht es einen Unterschied, wer da von Flüssen träumt. Ob das zum Beispiel der Kapitän der Binnenschifffahrt ist oder ein Kleingartenkind, das noch dazu Nichtschwimmer ist. Die ständige Vertrautheit mit Flüssen macht es weniger wahrscheinlich, dass das Flussmotiv im Traum des Binnenschiffers als Symbol erscheint. Während der Fluss für ein Kind nahezu alles sein kann: Freiheitsbote und dunkle Gefahr, mysteriöse Heimat gespenstischer Wesen und sommerlicher Badespaß.“ Der Ingenieur Rocco Buchta leitet das Nabu-Institut für Fluss- und Auenökologie in Rathenow. In „Als mein Opa weinte“, erinnert er sich: „Ich bin in Premnitz im Havelland aufgewachsen, etwa siebzig Kilometer westlich von Berlin. Der Häuserblock, in dem ich groß geworden bin, liegt direkt am Wasser. Das ganze Leben hat sich dort abgespielt. Mein Vater und mein Großvater haben mit Bambusangeln Fische geangelt, danach gab es Picknick mit gebratenem Fisch und Kartoffelsalat. Und wir Kinder sind ins Wasser gesprungen. In den Ferien war ich jeden Tag mit meinem Opa angeln. Mit einem geteerten Kahn sind wir rausgefahren, es war herrlich. Nach und nach aber verschwanden die schönen Ufer. Eines Tages kamen wir zur Lieblingsstelle meines Opas, doch die alten Bäume waren abgesägt, es lag ein riesiger Steinhaufen da. Da habe ich gesagt: ,Opa, wenn ich groß bin, bringe ich das hier wieder in Ordnung.‘ Dieses Versprechen habe ich nie vergessen.“

Der Germanist Armin Rohrwick schreibt über den Rhein: „Kein anderer Fluss in Deutschland ist so oft literarisch thematisiert, so stark politisch instrumentalisiert und so intensiv touristisch vermarktet worden wie der Rhein. Und gerade die Strecke zwischen Mainz und Köln, auf der auch der Loreleyfelsen bei St. Goarshausen liegt, wird heutzutage als ,romantischer Rhein‘ mit Deutschland identifiziert. Dabei entgeht diesem Patriotismus gern, dass die Begeisterung für den deutschesten aller Flüsse ironischerweise von englischen Reisenden des 18. Jahrhunderts ausging. Denn auf ihrer Bildungstour durch Europa haben die Gentlemen, die zu Hause schon die Folgen der Industrialisierung zu spüren bekamen, die wilde, fast noch unberührte Landschaft des Mittelrheins gefeiert.“

www.publik-forum.de