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Durch Spitzel aus der Krise

Der ADAC will sich reformieren. Doch was der Club vorlegt, reicht Kritikern nicht.

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© dpa

Weniger Konzern, mehr Kontrolle. Der ADAC will sich auf seine Wurzeln besinnen. Reumütig plant der Autofahrerclub, sich in den kommenden Monaten rundzuerneuern. Wie Deutschlands größter Verein dann aussehen wird, ist noch unklar. Fakt sei jedoch. Skandale wie die Manipulation des Preises „Gelber Engel“ soll es auf keinen Fall mehr geben. Mit anonymen Tippgebern will der Autofahrerclub internen Verfehlungen auf die Schliche kommen. Eine Hinweisgeber-Plattform im Internet wurde am Sonnabend freigeschaltet. Über diese könne jeder Unregelmäßigkeiten oder Verstöße melden. Eine externe Anwaltskanzlei bearbeite die Fälle dann.

Die Freischaltung geschah zeitgleich mit der Hauptversammlung in Saarbrücken, auf der Interimspräsident August Markl erste Reformen des ADAC vorstellte. Demnach setze der Club künftig vor allem auf eine striktere Trennung zwischen dem Verein und seinen Unternehmen und mehr Kontrolle von außen. Unter dem Motto „Reform für Vertrauen“ sollen bis zum Spätherbst in mehreren Arbeitsgruppen konkrete Maßnahmen für den Umbau des fast 19 Millionen Mitglieder zählenden Vereins erarbeitet werden. Am 6. Dezember soll eine außerordentliche Hauptversammlung in München über das umfassende Reformpaket entscheiden, das das Gesicht des Clubs grundlegend verändern könnte.

Trotz Krise Millionen-Bau

„Die Krise hat den ADAC wachgerüttelt. Sie hat uns klar gezeigt, dass wir im Kern immer noch hervorragende und wichtige Arbeit leisten, aber uns noch neu ausrichten müssen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, am Ende daraus gestärkt hervorzugehen“, sagte Markl. Ihm liegt die Rückbesinnung auf den Vereinscharakter am Herzen. Dieser Status müsse erhalten werden. Dafür brauche es eine Abgrenzung zu den wirtschaftlichen Aktivitäten, ohne diese aber aufzugeben. So sollen etwa Aufsichtsräte wie bei der Versicherungstochter des ADAC künftig mit Fachleuten von außen und nicht mit ehrenamtlichen Funktionären besetzt werden. Firmen und ihre Angebote werde der ADAC auch in Zukunft brauchen, um die „Qualität der Mitgliederleistungen aufrecht zu erhalten“. Allerdings würden die wirtschaftlichen Ziele auf ein „sinnvolles Maß“ zurückgeführt. „Mitgliederorientierung kommt beim ADAC klar vor wirtschaftlicher Orientierung“, sagte Markl.

Pikant an dieser Stelle: Während sich die ADAC-Chefs öffentlich in Reumütigkeit üben und Reformwillen zeigen, baut der ADAC in Hamburg ein 41 Millionen teures Luxushotel. Himmelwärts auf elf Etagen sollen Gäste im Vier-Sterne-Ambiente schwelgen können. 246 Zimmer, zehn Suiten und einen sensationellen Blick über den Hafen soll es geben, heißt es in Berichten. Freilich wurde für den Bau eine eigene GmbH & Co. KG gegründet, doch die Renditen aus der Verpachtung sollen laut Focus dem Verein zukommen. Ob dieser Bau sich mit dem Vereinsgedanken des ADAC vereinbaren lässt? Derzeit prüft das Münchner Registergericht, ob die unternehmerischen Tätigkeiten dem ideellen Hauptzweck des Vereins eindeutig untergeordnet sind. Die Vorstandsvorsitzende von Transparency International Deutschland und Angehörige in dem die ADAC-Reform-Beirat, Edda Müller, verwies auf mögliche Widersprüche bei der ideellen Struktur. Unter anderem die von Geschäftsführerin Marion Ebentheuer bestätigte Bilanzsumme von 3,49 Milliarden Euro werfe die Frage auf, ob die unternehmerischen Ziele wirklich den ideellen unterworfen seien – oder umgekehrt.

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Kritik am Erneuerungsprozess kam am Sonnabend von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. „Die Zukunft sieht nach einem ’facegelifteten ADAC‘ aus und nicht nach einem Neuanfang“, erklärte Dudenhöffer und forderte „eine grundlegende Neuausrichtung, bei der alle Unternehmensaktivitäten – auch die Pannenhilfe – in ein richtiges Unternehmen überführt werden und der Verein als echter Verein sich neu erfindet“.

„Wir werden den ADAC nicht über Nacht reformieren können“, sagt der Interimschef und bittet um Geduld. Es werde viele Monate dauern, bis alle Fragen beantwortet seien. Auch die Lobby-Arbeit will der Funktionär zurückfahren. In politische Debatten wolle sich der ADAC nicht mehr direkt einmischen. (SZ/dpa)