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Durchblutungsstörungen werden zur Volkskrankheit

Gefäßerkrankungen sind nicht heilbar. Wie Patienten dennoch interdisziplinär geholfen wird, war jetzt Thema beim Gesundheitsforum der SZ.

Von Constanze Knappe

Unsere Gefäße altern wie wir selbst und umgekehrt. Diese simple wie zugleich logische Feststellung war beim jüngsten Gesundheitsforum der Sächsischen Zeitung im Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz gleich mehrfach zu vernehmen. Sie besagt, dass Durchblutungsstörungen früher oder später jeden ereilen können, weil sich durch Ablagerungen an den Wänden im Laufe des Lebens die Adern verengen und somit immer weniger Blut bis in die letzten Winkel des Körpers gelangt. Verkalkte Adern sind nicht selten Grund für Schlaganfall oder Herzinfarkt. Wie Gefäßerkrankungen festzustellen und zu behandeln sind, war Thema des überaus gut besuchten Gesundheitsforums der SZ.

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„Gefäßmedizin muss ganzheitlich betrachtet werden“, sagte Dr. med. Hans-Steffen Gabel. Von der Verkalkung in den Blutgefäßen sei der ganze Körper betroffen vom Gehirn über Herz und Bauchschlagader bis in die Beine, so der Kardiologe, Internist und Angiologe, der in Görlitz eine Praxisklinik betreibt. Mit der im Schnitt immer älter werdenden Bevölkerung entwickeln sich Durchblutungsstörungen zur Volkskrankheit. Es sei alarmierend, dass jeder fünfte der über 65-Jährigen in Deutschland an der „Schaufensterkrankheit“, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, leidet. Die Dunkelziffer sei nach Aussage von Gabel noch viel höher. „Die meisten merken es nicht, weil sie sich im Alter wegen Hüftbeschwerden oder Luftnot immer weniger bewegen“, erklärte er.

Nur 15 Prozent der Betroffenen melden sich beim Hausarzt. „Dabei hat die periphere Durchblutungsstörung sogar eine schlechtere Prognose als Brustkrebs“, warnte er. Ziel müsse es sein, die Gefäße möglichst lange im Frühstadium der Erkrankung zu halten. Neben Schmerzen beim Gehen (später auch im Ruhezustand) können kalte Füße und schlecht heilende Verletzungen am Bein Symptome für die periphere Verschlusskrankheit sein. Ein nicht mehr fühlbarer Fußpuls sei für den Arzt ein deutliches Warnzeichen. Durch körperliche Untersuchung und apparative Diagnostik vom Ultraschall bis zum MRT kommt Hans-Steffen Gabel der Gefäßerkrankung auf die Spur.

Behandelt wird die periphere arterielle Verschlusskrankheit in der Kombination von Gehtraining und blutverdünnenden Medikamenten, dann aber auch durch die Aufdehnung der Gefäße. Dies geschehe mit einem Luftdruck, der achtmal so hoch sei wie der in einem Autoreifen, so Gabel. In fortgesetzten Stadien ist das Ausschälen und Entfernen der Kalkhaufen aus den Adern unumgänglich. Das ist dann Sache der Gefäßchirurgen im Krankenhaus St. Carolus. Wenn Adern über längere Strecken zugesetzt sind, werden Bypässe angebracht. „Mit den vielen neue Materialien können wir heute Ecken des Körpers versorgen, wo ich vor zehn Jahren nicht gedacht hätte, dass man da überhaupt hinkommt“, erklärte Chefarzt Nils Walther. An mehreren Beispielen erläuterte er, mit welchen Methoden Gefäßchirurgen um den Erhalt von Gliedmaßen kämpfen, die nicht ausreichend oder kaum noch durchblutet werden.