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Dynamo

Dynamo scheitert erst im Elfmeterschießen

Die erste Überraschung gibt es vorm Anpfiff, dazu einen Rekord, drei Tore für jede Mannschaft, Verlängerung. Und am Ende große Dramatik.

Der Ball ist drin, wenn auch mit viel Glück. Dynamos Patrick Ebert verwandelt zum zwischenzeitlichen 2:2.
Der Ball ist drin, wenn auch mit viel Glück. Dynamos Patrick Ebert verwandelt zum zwischenzeitlichen 2:2. © dpa

Elfmeterschießen: Dynamo beginnt. Ebert trifft. Danach Herthas Ibisevic: Unterkante Latte, Tor. Anschließend trifft Horvath für die Dresdner und Darida für Hertha.

Dann Müller, und Herthas Torwart hält. Dagegen trifft Dilrosun. Vorteil Hertha. Doch Koné verwandelt - und Rekik schießt übers Tor. Dynamo ist wieder im Spiel.

Danach verschießt Stor, doch der Schiedsrichter lässt den Elfmeter wiederholen. Im zweiten Versuch trifft der Slowene dann umso sicherer. Aber auch Selke trifft danach. Nach fünf Schützen für jede Mannschaft geht das Elfmeterschießen in die Verlängerung.

Ehlers, Dynamos Jüngster, scheitert am Torwart, der den Ball an den Pfosten lenkt. Und Grujic sorgt danach für die Entscheidung, obwohl Torwart Broll die Fingerspitzen am Ball hat. 8:7 für Hertha. Das Spiel ist aus, Dynamo raus. Und die erste Analyse gibt es hier.

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Dynamo scheidet bei Hertha BSC erst im Elfmeterschießen aus. Danach sagt der Ex-Berliner, warum er Gänsehaut hatte und jeder stolz sein kann - das Interview.


120.+2 Minuten: Der Wahnsinn geht weiter - mit dem Elfmeterschießen. Hertha gelingt gut 60 Sekunden vor Schluss das 3:3.

120. Minute: Noch drei Minuten Nachspielzeit...

108. Minute: Die Sensation rückt wieder näher, Dynamo führt. Der eingewechselte Luka Stor trifft zum 3:2 - nachdem wenige Sekunden zuvor ein Tor der Berliner wegen einer Abseitsstellung zählt.

105.+1 Minute: Der Begriff Pokalfight ist für Spiele wie diese erfunden worden. Beide Mannschaften laufen, kämpfen, grätschen. Weitere Tore sind in der ersten Hälfte der Verlängerung dagegen Fehlanzeige, dafür deuten sich Krämpfe an. Im Mittelpunkt deshalb jetzt: die Physiotherapeuten. Noch stehen 15 Minuten bevor, mindestens.

90. Minute: Doch Dynamo kommt wieder zurück. Nach Foul an Moussa Koné gibt es jetzt auch auf der anderen Seite einen Elfmeter. Und Patrick Ebert, ausgerechnet Patrick Ebert, verwandelt zum 2:2 - wenn auch mit ganz, ganz viel Glück.

85. Minute: Und dann ist es passiert... Dynamo kassiert gut fünf Minuten vor Schluss den Rückstand. Niklas Kreuzer foult Dodi Lukebakio, der Schiedsrichter pfeift Elfmeter, Ondrei Duda trifft zum 1:2 aus Dresdner Sicht.

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60. Minute: Eine Stunde gespielt, und die Dynamo-Fans feiern ihre Mannschaft. Auf dem Platz ist mittlerweile jedoch der Gastgeber tonangebend. Erst rettet die Latte, kurz danach der Pfosten. Ein bisschen Glück, das ist klar, brauchen die Dresdner für eine Pokal-Sensation natürlich auch.

48. Minute: Kaum hat die zweite Hälfte begonnen, gleicht Hertha zum 1:1 aus. Dodi Lukebakio trifft nach einem schnell vorgetragenen Angriff.

Halbzeit: Dynamo liegt 1:0 vorn, immer noch. Und wie gesagt: nicht ganz unverdient. Auch die Hertha hat ihre Chancen, doch Dynamos Torwart Kevin Broll hält alles. Auf den Rängen geht indes die schwarz-gelbe Party jetzt erst richtig los. "Mehr als bundesligareif", meint der TV-Kommentator bei Sky. "Das ganz große Plus und Faustpfand von Dynamo Dresden - eine außergewöhnliche Fangemeinde."

36. Minute: Und jetzt ist es soweit - Dynamo führt mit 1:0. Einen mustergültig-simplen Doppelpass mit Alexander Jeremejeff vollendet Moussa Koné zum nicht ganz unverdienten Führungstreffer. Die Sensation ist wirklich möglich.  

17. Minute: Doppelchance für Dynamo. Erst taucht Moussa Koné völlig frei vor Berlins Torwart auf, vergibt aber. Und kurz danach schießt Brian Hamalainen aus 16, 17 Metern - zu weit vorbei für diese gute Position.

1. Minute: Das Spiel läuft.

Es wird spannend. Noch ist das Berliner Olympiastadion nicht voll besetzt, aber die "gelbe Wand" rechts und links vom Marathon-Tor schon zu erkennen. Als die Torhüter kurz vor 20 Uhr zum Aufwärmen auf den Rasen kommen, schallt es zum ersten Mal durch das hier wirklich weite Rund: Dynamo, Dynamo! Und die Fans dürfen beim Auswärtsheimspiel in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Hertha BSC diese Startelf anfeuern:

Broll - Müller, Ehlers, Ballas, Hamalainen - Nikolaou - Kreuzer, Ebert, Atik - Jeremejeff, Koné.

Trainer Cristian Fiel hat sich also etwas überraschend für eine Doppelspitze entschieden, wie sich die Abwehrreihe und das Mittelfeld letztlich taktisch sortieren, ist offen. Eines aber steht fest:

© Sven Geisler

Wenn Dynamos Fans auf Reisen gehen, sind sie immer eine große Gruppe. Das war schon früher so, als sie die Mannschaft zu den Pokalendspielen nach Berlin begleitet haben. Allein die drei Siege über den Rivalen mit dem gleichen Namen, den BFC, in den 1980er-Jahren sind als Höhepunkte in der Vereinschronik dick eingetragen. Anschließend waren sämtliche Autobahnbrücken schwarz-gelb beflaggt. 

Diesmal aber wird das, zumindest von der Zahl der Mitreisenden, noch mal getoppt - und zwar deutlich. Denn am frühen Mittwochnachmittag machen sich etwa 35.000 Menschen auf den Weg, um Dynamo beim DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC am Abend, Anstoß 20.45 Uhr, im Berliner Olympiastadion zu unterstützen.

"Natürlich hoffe ich, dass es die Jungs pusht", sagt Trainer Cristian Fiel. "Ich wünsche mir, dass sie es aufsaugen und nicht als noch größeren Druck empfinden. Das wäre, glaube ich, ein großer Fehler." Schließlich ist es die Gelegenheit, sich Selbstvertrauen zurückzuholen für den derzeit tristen Alltag in der zweiten Liga. "Ich weiß, dass das nicht einfach ist, aber das müssen wir ausblenden und den Knopf finden, um zu sagen: Das ist etwas anderes, und so gehen wir das an."

Am frühen Mittwochabend trafen die ersten Fans am Olympiastadion ein. Die Lage ist ruhig, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Da der Polizei eine "hohe Gefahrenbewertung" vorliegt, hat sie die Partie besonders im Blick: Bis zu 800 Kräfte werden das Spiel begleiten. Darunter ist auch eine Einsatzhundertschaft aus Dresden, wie aus einem Tweet hervorging.

Fans, die Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gingen, sollten getrennt ins Stadion geleitet werden, sagte der Sprecher. Die Polizei sei rund um das Stadion präsent. Der Sprecher betonte: Ein Großteil der Fans sei am Spiel und nicht an Gewalt interessiert.

Die Berliner Verkehrsbetriebe teilten auf Twitter mit, dass Züge auf der U-Bahnlinie 2 nach Theodor-Heuss-Platz bis Olympiastadion verlängert werden. Nach Ende des Spiels würden zudem fünf weitere Züge für die Gegenrichtung eingesetzt werden. Auch die S-Bahn verstärkte das Angebot. Neben der S3 und der S9 fahre auch die S5 zum Olympiastadion, twitterte das Unternehmen.

Nach vier Niederlagen in Serie sei dieses Spiel auch eine Möglichkeit, "den Moment zu finden, ab dem es wieder in die andere Richtung geht", meint Fiel. Er weiß, wie sich eine Pokalsensation anfühlt, in der Saison 2003/04 schaffte er als Spieler mit Alemannia Aachen den Einzug ins Finale. "Wir haben nichts zu verlieren", sagt der 39-Jährige jetzt vor den Duell gegen den Bundesligisten, "aber ich verspüre für mich Druck, weil ich unbedingt eine Runde weiterkommen will. Dabei habe ich im Hinterkopf, was ich selbst erleben durfte, außergewöhnliche Momente." Bayern München im Viertel-, Borussia Mönchengladbach im Halbfinale. Jeweils gewonnen. "Da hat vorher auch jeder gesagt: Du hast keine Chance." Doch der Traum vom Triumph platzte erst im Finale gegen Werder Bremen (2:3).

"Boah, diese Fans sind wirklich der Hammer"

Davon werde er der Mannschaft nichts erzählen. "Das ist zu lange her, das wollen sie nicht mehr hören", meint Fiel und sagt grinsend, warum er auch keine Videos von damals als Motivation zeigt. "Auf keinen Fall! Weil ich den Jungs erzähle, was für ein guter Spieler ich war. Dann würden sie ja sehen, dass es nicht immer der Fall war. Deshalb zeige ich ihnen aus dieser Zeit besser keine Szenen."

Eine zusätzliche Motivation sollten die Spieler sowieso nicht brauchen angesichts des Gegners und der Kulisse. Es gibt ja nichts, was es bei Dynamo noch nicht gab. In der Münchner Allianz-Arena waren 2005 und 2016 jeweils rund 20.000 Fans, als die Schwarz-Gelben gegen 1860 spielten. Doch 35.000 bei einem Auswärtsspiel - das wird definitiv ein neuer Rekord. Beeindruckend auch für die Profis, da ist sich Fiel sicher. "Sie werden kurz in sich gehen und sich fragen: Junge, was ist das für ein Verein, was sind das für Zuschauer." Mal wieder. Denn es werde nicht der Moment sein, an dem sie feststellen: "Boah, diese Fans sind wirklich der Hammer! Nein, das wissen sie", meint der Chefcoach - und er fügt hinzu: "Deshalb leiden sie so, wenn wir die Spiele nicht gewinnen und keine Punkte holen."

Ein Sieg über Hertha wäre Balsam auf die Seele. "Im Pokal kann Besonderes passieren. Deshalb fahren wir dorthin, hauen alles raus und genießen es hoffentlich."