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Dynamo beurlaubt Trainer Pacult

Nach nur vier Spielen hat Dynamo Dresden Trainer Peter Pacult beurlaubt. Nach zwei Heimniederlagen mit sechs Gegentoren und keinem Saisonsieg war der Österreicher nicht mehr zu halten.

© Robert Michael

Tina Hofmann, dpa

Dresden. Nach nur acht Monaten ist das „Missverständnis“ beendet: Peter Pacult ist nicht mehr Trainer von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden. Der Österreicher wurde vom Verein wenige Stunden nach der blamablen 0:3-Heimniederlage gegen den FSV Frankfurt am Sonntagabend beurlaubt. „Nach den beiden desaströsen Heimniederlagen gegen Union Berlin und den FSV Frankfurt innerhalb von nur neun Tagen war die Trennung von Peter Pacult für uns unvermeidlich“, erklärte Geschäftsführer Christian Müller in einer Pressemitteilung. Am 9. August hatten die „Schwarz-Gelben“ bereits gegen Union Berlin mit 1:3 im eigenen Stadion verloren.

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Die Heimpleite in Bildern

Eigentlich hatten sich die Spieler und  Fans die Begegnung mit dem FSV Frankfurt anders vorgestellt.
Eigentlich hatten sich die Spieler und Fans die Begegnung mit dem FSV Frankfurt anders vorgestellt.
Ein dringend benötigter Heimsieg bei Sonnenschein sollte es werden.
Ein dringend benötigter Heimsieg bei Sonnenschein sollte es werden.
Zunächst ging die Partie auch ausgeglichen los:  Mohamed Amine Aoudia (l-r) und Frankfurts Mathew Leckie im Zweikampf.
Zunächst ging die Partie auch ausgeglichen los: Mohamed Amine Aoudia (l-r) und Frankfurts Mathew Leckie im Zweikampf.
Doch Frankfurt wurde bald immer stärker.
Doch Frankfurt wurde bald immer stärker.
Dynamo-Trainer  Peter Pacult ahnte es wohl schon: Sein Team verlor das Heimspiel.
Dynamo-Trainer Peter Pacult ahnte es wohl schon: Sein Team verlor das Heimspiel.
Insgesamt musste Torwart Torwart Benjamin Kirsten (li.) dreimal hinter sich greifen.
Insgesamt musste Torwart Torwart Benjamin Kirsten (li.) dreimal hinter sich greifen.
Frankfurts Spieler jubeln nach dem 0:2 während sich Dresdens Cristian Fiel (r) an den Kopf fasst.
Frankfurts Spieler jubeln nach dem 0:2 während sich Dresdens Cristian Fiel (r) an den Kopf fasst.
Der Schütze bei allen drei Treffern: Edmond Kapllani.
Der Schütze bei allen drei Treffern: Edmond Kapllani.
Anthony Losilla (l.) und Sebastian Schuppan verfolgen das Spiel enttäuscht auf der Bank.
Anthony Losilla (l.) und Sebastian Schuppan verfolgen das Spiel enttäuscht auf der Bank.
Nils Teixeira gretscht Dresdens Zlatko Dedic.
Nils Teixeira gretscht Dresdens Zlatko Dedic.
... und meckert über die Endscheidung von Schiedsrichter Frank Willenborg (M).
... und meckert über die Endscheidung von Schiedsrichter Frank Willenborg (M).
Auch auf den Rängen war die Luft raus, es gab Pfiffe für die Gastgeber.
Auch auf den Rängen war die Luft raus, es gab Pfiffe für die Gastgeber.
Nach dem Abpfiff: Zlatko Dedic (li.) und Mickael Pote.
Nach dem Abpfiff: Zlatko Dedic (li.) und Mickael Pote.
Was war das nur - schint sich Dedic zu fragen.
Was war das nur - schint sich Dedic zu fragen.
Filip Trojan hockt nach Spielende auf dem Spielfeld.
Filip Trojan hockt nach Spielende auf dem Spielfeld.
Für ihn wird es immer schwerer:  Peter Pacult.
Für ihn wird es immer schwerer: Peter Pacult.
Auf den Rängen wurde bereits lautstark die Entlassung des Trainers gefordert.
Auf den Rängen wurde bereits lautstark die Entlassung des Trainers gefordert.
Nach der Beurlaubung von Peter Pacult ist Sportdirektor Steffen Menze vorläufig der neue Trainer.
Nach der Beurlaubung von Peter Pacult ist Sportdirektor Steffen Menze vorläufig der neue Trainer.

Müller traf gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Steffen Menze die Entscheidung kurz nach dem Spiel. Menze wird das Team interimsmäßig betreuen, parallel geht die Suche nach einem neuen Chef-Trainer los. Pacult muss als erster Zweitliga-Coach in der aktuellen Saison seinen Stuhl räumen. „Die unwürdige Situation, konkret die öffentlichen Spekulationen über die Person des Trainers am Rande des Relegationsrückspieles, hatte einen Riss entstehen lassen, der nur durch sportlichen Erfolg in der neuen Saison hätte gekittet werden können“, erklärte Müller weiter.

Nach dem geschafften Klassenverbleib kam es nach der entscheidenden Relegationspartie gegen den VfL Osnabrück zu einem Eklat, weil aus Kreisen des Vereins gestreut wurde, Pacult sei entlassen, später ruderte der Club zurück. Das war aber offensichtlich ein Fehler. Nun war der Schritt unumgänglich. Mit nur zwei Punkten aus vier Spielen, der 1:3-Niederlage gegen Union Berlin sowie dem 0:3 gegen den FSV war der Coach nicht mehr zu halten.

Desolater Auftritt der gesamten Mannschaft

Das Dynamo-Zeugnis

SZ-Noten:

1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Zlatko Dedic: 5

Bemüht trifft es irgendwie. Oder glücklos? Der Hoffnungsträger bleibt wirkungslos und resigniert.

Amine Aoudia: 5

Plötzlich in der Startelf. Der Algerier zeigt den geforderten Einsatz, aber das Zusammenspiel fehlt.

Idir Ouali: 6

Dribbelt sich x-mal fest, hat nicht eine einzige torgefährliche Aktion, bringt keine verwertbare Flanke. Zudem schlampig in der Defensivarbeit.

Tobias Müller: 6

Von der Tribüne auf Rechtsaußen in die Startelf – mit dieser Umstellung war der 20-Jährige offenbar überfordert. Bedauernswert.

Cristian Fiel: 3

Früh signalisiert der Leitwolf, dass die Anspielstationen fehlen, fordert mehr Bewegung. Aber einer allein kann im Fußball nichts ausrichten.

Anthony Losilla: 4

Keinesfalls fehlerfrei, aber wenigstens engagiert. Zögert oft mit dem Pass, weil die Laufwege offenbar noch nicht passen.

Adnan Mravac: 6

Vermasseltes Pflichtspiel-Debüt für den Neuzugang, der teilnahmslos wirkt. Defensiv fehlerhaft, offensiv tatenlos.

Adam Susac: 5

Durchaus kopfballstark, aber unsicher im Passspiel. Kann die Lücken nicht schließen. Ihm fehlt die Bindung zum Spiel.

Romain Bregerie: 5

Von der Rolle. Seine Querschläger bleiben unbestraft (30./31.). Zweikampfschwach und mit fehlerhaftem Spielaufbau.

Thorsten Schulz: 5

Vertritt den gesperrten Gueye erst solide, lässt sich von der Unsicherheit anstecken. Patzt im Vorwärtsgang beim 0:1.

Benjamin Kirsten: 3

Muss wieder drei Gegentore hinnehmen, bei denen er aber machtlos ist. Eine Unsicherheit bei zu kurzem Abwurf auf Fiel (34.). Verhindert gegen Kandziora das 0:4 (88.). Klingt verrückt, aber: Sonst wenig beschäftigt.

Filip Trojan: 5

Darf zu Beginn der zweiten Hälfte rein, bringt aber nicht den erhofften Schwung.

Mickael Poté: 5

Erhält eine Denkpause, aber: Weshalb eigentlich? Sein Selbstvertrauen stärkt die Maßnahme sicher nicht, wie sich nach der Einwechslung zeigt.

Marco Hartmann: 4

Diesen Einsatz hätte er sich wohl gern erspart. Was sollte er auch noch bewirken?

1 / 15

Pacult übernahm am 18. Dezember 2012 das Amt von Vorgänger Ralf Loose und schaffte in der Relegation mit Ach und Krach den Klassenverbleib. Pacults Rückkehr war von vielen Seiten kritisch betrachtet worden, da der 53-Jährige vor sieben Jahren schon einmal in Elbflorenz scheiterte. Mit dem Klassenverbleib 2013 machte er es zumindest ein wenig besser als bei seiner ersten Dresdner Amtszeit. 2006 stieg der mit dem Verein aus der 2. Liga ab. Im September bat er in der Regionalliga um Vertragsauflösung, um bei Rapid Wien anzuheuern.

Nicht nur die schlechten Ergebnisse, sondern vor allem der desolate Auftritt der gesamten Mannschaft ließen Pacult diesmal schließlich scheitern. Das Verhältnis zum Team galt seit Monaten als gestört, am Sonntag demontierte er plötzlich Kapitän und Stürmer Mickael Poté und setzte ihn auf die Bank. Noch vor der Partie am Sonntag hatte der Österreicher eine unerklärliche Medienschelte beim Fernsehsender Sky losgelassen. „Was soll man über Ahnungslose sagen? Mit diesen Störaktionen werden auch immer die Spieler belastet. Bis vor dem Union-Spiel war hier eitel Sonnenschein“, so der Coach.

Gemeint waren dabei wohl Berichte, dass Pacults Stuhl wackelt, sollte er gegen den FSV verlieren. Bereits vor der Saison stand der Österreicher bei einem Sportwettenanbieter auf Platz eins der ersten Trainerentlassung. Pacult hatte das im Trainingslager in Österreich noch als „Vogelwette“ bezeichnet, der Buchmacher behielt jedoch recht.

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Während der Partie gegen den FSV schrien die Fans ab Mitte der zweiten Halbzeit „Pacult raus“ und „Wir ha’m die Schnauze voll.“ Da der Vertrag mit Vorgänger Loose immer noch nicht aufgelöst ist und sich beim Klassenverbleib erst verlängerte, werden die Dresdner bald drei Trainer auf der Gehaltsliste stehen haben. (dpa)