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Dynamo darf im Stadion trainieren

Für Januar gibt es eine Notlösung und für die Zukunft einen Plan. Aber die wichtigste Frage ist noch zu klären.

© WORBSER-Sportfotografie

Von Sven Geisler

Neun Grad, zeitweise Sonne, Regen unwahrscheinlich – günstiger könnte die Wetterprognose für den Start der Dresdner Dynamos in die Vorbereitung kaum sein. Heute um neun Uhr trifft sich das Team, für 9.30 und 14.30 Uhr hat Olaf Janßen die ersten beiden Übungseinheiten des neuen Jahres angesetzt. Allerdings hatte der Chefcoach befürchtet, sich erst einmal einen bespielbaren Platz suchen zu müssen. Dank des bisher milden Winters können die Schwarz-Gelben zunächst im Großen Garten trainieren.

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Aber auch für den Fall der Fälle wäre der Verein jetzt gewappnet. Geschäftsführer Ralf Gabriel bestätigt auf Nachfrage der SZ, dass Dynamo bei Frost ins Stadion ausweichen dürfte. „Ja, wir haben uns mit der Projektgesellschaft geeinigt, dass die Mannschaft im Januar im Stadion trainieren kann.“ Die Rasenheizung würde bei Bedarf eingeschaltet werden, was natürlich zusätzliche Kosten verursacht. Außerdem kann der Rasen dann nicht erst im Sommer erneuert, sondern muss vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 23. Februar ausgetauscht werden.

„Wir haben eine Firma gefunden, die technisch dazu in der Lage ist, einen Rasen entsprechend vorzubereiten“, sagt Gabriel. Durch das aufwendigere Verfahren steigt jedoch der Preis von 80 000 auf etwa 100 000 Euro. „Es ist uns bewusst, dass der Verein den Mehraufwand tragen muss.“ Diese Entscheidung wird vom Aufsichtsrat unterstützt. „Wir wollen alles tun, damit wir nicht absteigen“, erklärt der Vorsitzende Thomas Blümel. „Das heißt, dem Trainer eine bespielbare Fläche zur Verfügung zu stellen, auf der sich nicht die Hälfte der Mannschaft verletzt und er die erkannten Schwächen abstellen kann.“

Janßen hatte angekündigt, vor allem im taktischen Bereich sowie an der Torgefährlichkeit unter anderem bei Standards arbeiten zu wollen. Mit einer Einschränkung: „Sofern wir Fußballplätze finden, die das zulassen.“ Ende des Jahres musste Dynamo mehrmals kurzfristig umziehen, weil auf dem Rasen gegenüber dem Stadion kein Training möglich war.

Janßen hatte in seiner Grundsatzrede zur Mitgliederversammlung deutlich angesprochen, dass die infrastrukturellen Bedingungen keinesfalls zweitligatauglich sind. „Wir versuchen, das Beste draus zu machen, aber es ist extrem schwer“, sage der 47-Jährige, und er forderte: „Um konkurrenzfähig zu sein, muss man diese Projekte angehen, an diesen Schrauben drehen.“

In den vergangenen Jahren aber hat sich wenig gedreht in puncto Trainingsbedingungen. Die Verantwortung dafür sieht Gabriel, der bis Frühjahr 2013 für den städtischen Sportstätten- und Bäderbetrieb tätig war, beim Verein. „Die SGD hat selbst nie etwas unternommen, sondern sich darauf verlassen, dass es die Stadt schon richten werde, wenn es akut wird.“ Wie beim Stadionneubau habe der Verein kein Konzept vorgelegt, was er benötigen würde. Das ist inzwischen anders.

Unter Federführung von Gabriel entstand ein Drei-Stufen-Plan, die „Agenda 2020“, der im Dezember im Rathaus vorgestellt wurde. In einer ersten Ausbaustufe sollen drei Großfeldplätze entstehen, davon ein Kunstrasen und ein beheizter Rasen. Gleichzeitig würde ein Funktionsgebäude gebaut, in dem zunächst alle erforderlichen Dienstleistungen für das Profi-Team inklusive Schulungs- und Kraftraum sowie Fitness- und Rehabereich angeboten werden können. Gabriel spricht von einer „Ganztagsbetreuung“. Daraus ergebe sich „ein keinesfalls geringer Raumbedarf“.

Jugend zu den Profis

In der zweiten Stufe sollen externe Bereiche hinzu kommen, denkbar wäre eine Physiotherapie, die für alle Patienten offen ist. Dazu ein weiteres Spielfeld. „Vier Plätze sind nach heutigem Standard das Minimum für ein individuell ausgerichtetes Training im professionellen Bereich“, erklärt Gabriel. Und schließlich sollen in der dritten Phase zumindest einige Jugendmannschaften integriert werden. Dieser Punkt ist Blümel nicht nur deshalb besonders wichtig, weil die Nachwuchsakademie in der Flutrinne akut hochwassergefährdet ist. „Ich möchte, dass die Jungs eine Beziehung zu den Profis aufbauen können, dass sie ihre Vorbilder nicht nur beim Spiel sehen, sondern ihnen im Alltag begegnen und sagen: Dort spielen die Großen, dort will ich auch hin!“, erklärt der Aufsichtsratschef und SPD-Stadtrat.

Bis es so weit ist, wird jedoch noch reichlich Wasser die Elbe hinabfließen. Der erste Abschnitt soll 2016 fertig sein – dann endet der Vertrag für die Nutzung des Großen Gartens. „Wir gehen davon aus, dass wir bis dahin eine Alternative brauchen“, sagt Gabriel, zumal dort weder der Einbau einer Rasenheizung noch einer Drainage genehmigt wird.

Ein Knackpunkt außer der Finanzierung wird die Standortfrage. Für das unter Ex-Aufsichtsratschef Thomas Bohn angedachte Gelände im Ostragehege werde ein belastbares Projekt entwickelt. Außerdem sollen in Abstimmung mit der Stadt weitere potenzielle Standorte geprüft werden – von bestehenden Sportanlagen wie in Weißig bis zu Industriebrachen. „Angesichts der Fläche, die wir benötigen, ist die Auswahl begrenzt“, weiß Gabriel. Fünf bis sechs Hektar wären nötig, um den Plan vollständig umsetzen zu können, etwa 3,5 Hektar für die ersten beiden Abschnitte. Die Idee, auf der sogenannten Cockerwiese in Stadionnähe zu bauen, sei schon aus diesem Grund „reine Illusion“.

Zu möglichen Baukosten gibt es bisher keine Angaben, nur eine Grundsatzaussage: „Ein Trainingsgelände muss nicht besonders schick sein, sondern hoch funktional“, sagt Blümel. „Dort wollen wir uneingeschränkt arbeiten können, und zwar 365 Tage im Jahr.“ Genau das ist bisher eben nicht garantiert. Falls sich der Winter doch noch einstellt, und das ist zu befürchten, muss spätestens im Februar wieder eine Notlösung her, denn der dann neue Rasen im Stadion wäre fürs Training tabu.