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Dynamo-Fans droht Geldverlust

Mit der Karte bezahlen - das geht im Dresdner Stadion seit Mai nicht mehr. Etwa 920 000 Euro liegen quasi auf Eis. Die Besitzer könnten ihr Guthaben zurück bekommen – theoretisch.

© dpa

Von Tobias Hoeflich

Dresden. Es klang wie eine Chance. Zehntausende Dresdner Stadiongänger bangen derzeit um das Geld auf ihren Bezahlkarten. Seit der Saison 2010/11 konnte noch damit an den Imbissständen bezahlt werden. Nun teilte Dynamo mit, dass Betroffene ihr Guthaben schriftlich anmelden können. Für die Fans verband sich damit die Hoffnung, ihr Geld zurück zu bekommen.

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Im Mai hatte der Betreiber des Bezahlsystems, die Payment Solution AG, Insolvenz angemeldet. Zu ihr zählt auch die hattrick payments GmbH, die das System im Dresdner Stadion betreibt. Seitdem ist das Guthaben auf den Karten eingefroren. Auf die konnten Besitzer immerhin bis zu 150 Euro einzahlen. Nachdem der Geschäftsbetrieb schon länger eingestellt ist, hat nun das Hamburger Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnet. Dabei wird das gesamte Ausmaß der Pleite deutlich.

Insgesamt sind rund 125 000 Bezahlkarten für das Dresdner Stadion im Umlauf, erklärt der Insolvenzverwalter White & Case auf SZ-Anfrage. „Die Guthaben belaufen sich auf rund 920 000 Euro.“ Im Schnitt lagern also 7,36 Euro auf jeder Karte – wobei der Betrag von Nutzer zu Nutzer höchst unterschiedlich ist.

Die Chancen, einen Betrag ausgezahlt zu bekommen, stehen gleich null. Üblicherweise wird bei einem Insolvenzverfahren eine Quote ermittelt, nach der jeder Gläubiger noch einen gewissen Prozentsatz seiner Forderung erhält. Aber: „Es steht bereits fest, dass eine Quote im Rahmen des Insolvenzverfahrens nicht ausgezahlt werden kann, weil nur in geringem Umfang Vermögensgegenstände vorhanden waren.“ Heißt im Klartext: Weil im Unternehmen so gut wie nichts zu holen ist, dürfte es auch keine Auszahlungen an die Betroffenen geben.

Klemens Rasel von der Dresdner Kanzlei Rara Rechtsanwälte rät trotzdem dazu, eine Forderungsanmeldung einzureichen. Außer dem Insolvenzverwalter können auch in seiner Kanzlei diese Anmeldungen abgegeben werden. „Man wahrt sich zumindest die Chance, etwas zurück zu bekommen“, so Rasel, Ehrenratsvorsitzender bei Dynamo. Schließlich könnte sich während des Verfahrens noch etwas herausstellen, wodurch die Insolvenzmasse angereichert wird. „Die Forderungsanmeldung kostet nichts, schlimmstenfalls kommt aber eben nichts raus.“

Bestätigt sich das, könnte das am Ende auch Dynamo finanziell treffen. Rein rechtlich müssten zwar weder Stadionbetreiber noch Vereine für die Schäden der Kartenbesitzer haften. Wie andere betroffene Fußballvereine, darunter die Erstligisten Eintracht Frankfurt und Hertha BSC, hatte aber auch die Sportgemeinschaft schon kurz nach der Insolvenz die Absicht erklärt, dass vorhandene Restbeträge alternativ genutzt werden können.

Dazu steht der Verein nach wie vor. Mit der Stadion-Projektgesellschaft werde man „gemeinsam nach Kompensationsmöglichkeiten suchen“, bekräftigte der Verein. Zunächst müsse aber Klarheit herrschen, wie viele Forderungsanmeldungen eingehen und wie hoch die Beträge sind. Dafür bleiben Betroffenen noch einige Tage Zeit. Derzeit hätten sich laut Insolvenzverwalter erst etwa hundert der rund 120 000 Kartenbesitzer überhaupt gemeldet. Vor allem Betroffene mit geringem Guthaben dürften den Aufwand scheuen, sich die nötigen Formulare zu besorgen und diese zu verschicken.

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Bleibt es nach dem Ärger mit dem Bezahlsystem nun bei der Barzahlung im Stadion? Seit dem Heimspiel der Dynamos gegen Arminia Bielefeld am 21. Mai können Zuschauer Essen und Getränke nur noch mit Scheinen und Münzen zahlen. Klar ist, dass sich das auf absehbare Zeit nicht ändert, sagt Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann. „Bis auf weiteres wird im Stadion nur die Bargeldzahlung möglich sein.“ Viele Stadiongänger, die Vorbehalte gegenüber dem Kartensystem hatten, dürfte das freuen. Offen ist, ob es langfristig auch bei der Barzahlung bleiben wird: „Wir schauen jetzt erst einmal auf das Insolvenzverfahren und warten dessen Ausgang ab.“ Wie lang das dauert, lässt sich laut den Insolvenzverwaltern nicht absehen.