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Ski und Rodel gut, aber Fußball unmöglich 

Was in Fürth passiert ist, gab es bei Dynamo auch schon früher - allerdings wurden die Spiele damals nicht vom Winde verweht.

Schneechaos im Rudolf-Harbig-Stadion - das hat es auch früher schon gegeben. © Holger Schulze

Von Timotheus Eimert

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RAMMSTEIN TRUCK im Stadion!

Rammstein veröffentlichte in der vergangenen Woche sein lang ersehntes siebtes Studioalbum „Streichholz“.

Die Fans sind schon am Stadion, aber das Spiel findet nicht statt. Was Dynamo am Sonntag passierte, ist zum Glück die Ausnahme, aber auch kein einmaliger Vorfall. Das ist den Dresdnern in der jüngeren Vergangenheit nämlich schon viermal passiert. Allerdings war bisher noch nie die Windstärke der ausschlaggebende Faktor. Es ging eher um Schnee und Eis. Die SZ erinnert an die bisherigen Fälle.

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Die Hintergründe für Dynamos Absage

Viele Fans waren schon am Stadion, die Mannschaft auf dem Weg. Wieso fiel die Entscheidung so kurzfristig und wie geht es jetzt weiter?

27. Februar 2005, Heimspiel gegen den 1. FC Köln

Die Fans haben alles gegeben, vergeblich: Der Schneefall ist zu stark, der Schiedsrichter erklärt den Platz für unbespielbar. © Lutz Hentschel

Es schneit bereits in der Nacht zum Sonnabend stark,  der Verein startet einen Aufruf: Fans sollen mit Schneeschiebern und Schaufeln ins Stadion kommen. Etwa 300 sind dabei, auch am Sonntag kommen viele am Vormittag zum Winterkampf. Schiedsrichter Wolfgang Stark entscheidet jedoch bei der Platzbesichtigung, dass die Schneedecke zu hoch ist. Statt der erlaubten fünf sollen es sieben bis acht Zentimeter sein. "Es waren aber höchstens vier", entgegnete der damalige Geschäftsführer Volkmar Köster.  Stark verlangte, den Platz komplett zu räumen. "Knapp eine Stunde vor Öffnung der Stadiontore ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Dafür hatten am Sonnabend knapp 300 freiwillige Helfer vier Stunden gebraucht." Sie haben es noch versucht, auch Kölner Fans mit angepackt - doch es war nicht zu schaffen. 

Wer weiß, wozu es gut war:  Die Nacholpartie gewann Dynamo gegen den späteren Aufsteiger mit Nationalspieler Lukas Podolksi mit 2:1. Beide Treffer erzielte Christian Fröhlich.

25. November 2005, Spiel in Saarbrücken

So sieht das Ludwigspark-Stadion in Saarbrücken am 25. November 2005 aus. Eine Winterlandschaft, an Fußball ist nicht zu denken. © Andreas Schlichter

Wieder ist starker Schneefall der Grund für die kurzfristige Absage. Dynamo ist auch in diesem Fall bereits vor Ort in Saarbrücken, viele Fans bleiben im Chaos auf der Autobahn stecken. Das Amt für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft der saarländischen Landeshauptstadt hatte schon am die Anlagen schon am Vortag sperren lassen. "Bereits das Schneeräumen, besonders aber ein Spiel würden den Platz so strapazieren, dass er bis Ende März 2006 nicht mehr reparierbar und für mehrere Monate in sehr schlechtem Zustand wäre", teilten die Beamten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit. Die ordnete trotzdem eine Platzbegehung an. "Auf dem Rasen lag eine fünf Zentimeter dicke Schneeschicht. Die hätten Helfer ohne Probleme räumen können", meinte damals Dynamo-Aufsichtsratsvize Peter Tauber. Auch Schiedsrichter Georg Schalk wollte die Partie anpfeifen. Die Stadt legte jedoch ihr Veto ein und verwies auf das Sicherheitsrisiko auf den ebenfalls schneebedeckten Rängen. Am Spieltag um 11 Uhr wurde das Spiel schließlich abgesagt.

Beim zweiten Versuch kommt Dynamo mit 1:5 unter die Räder - es ist das letzte Spiel von Trainer Christoph Franke. 

17. Dezember 2005, Heimspiel gegen Rostock

Das Rudolf-Harbig-Stadion als idyllische Winterlandschaft kurz vor Weihnachten 2005. © Robert Michael

Nach der Klatsche in Saarbrücken sowie der Entlassung von Franke sollten Sven Köhler und Torwarttrainer Werner Friese die Mannschaft im Ost-Duell gegen Hansa Rostock interimsweise betreuen. Doch dazu kommt es nicht. Über Nacht fallen zehn Zentimeter Neuschnee. Selbst ein kurzfristiger Arbeitseinsatz hätte nichts gebracht. Also ginge die Schwarz-Gelben mit nur 13 Punkten, aber einem Spiel weniger in die Winterpause.

Die Partie wurde im Februar nachgeholt, Peter Pacult war nun als Chefcoach verantwortlich – und Maik Wagefeld traf beim 1:0-Sieg.

29. Januar 2011, Heimspiel gegen Heidenheim

Hier konnte bestenfalls mit Schlittschuhen gespielt werden. Der Rasen war tiefgefroren. © Lutz Hentschel

Plötzlich war der Platz knüppelhart gefroren. Eine Sauerei sei das, schimpften die Fans, und einige skandierten: "Fußball-Mafia DFB". Für sie war Patrick Ittrich der Buhmann. Als der Schiedsrichter aus Hamburg den gefrorenen Rasen für unbespielbar befand, waren nach Angaben des Sicherheitsdienstes bereits rund 6 000 Zuschauer im Stadion. Mindestens genauso viele erfuhren erst auf dem Weg von der Absage des Spieles von Dynamo gegen den 1.FC Heidenheim. Dabei hatte Ittrich den Rasen schon am Freitagabend unter Flutlicht in Augenschein genommen. Auch Dynamo-Trainer Matthias Maucksch hatte zuvor Zweifel angemeldet, ob die Partie ausgetragen werden sollte - allerdings, weil die Spielfläche zu weich und schlammig schien. Doch gut 15 Stunden später glich das Geläuf einer Betonfläche. Und das, obwohl die 45 Millionen Euro teure, angeblich hochmoderne Arena über eine Rasenheizung verfügt. Die  Erklärung: Durch ein hydraulisches Problem lag bei der Rasenheizung nicht die Wärmeleistung an, die aufgrund der Einstellungen hätte anliegen müssen.

Das Nachholspiel endete torlos.