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Dynamo muss den K-Block sperren

Der Verein scheitert mit seiner Berufung vor dem Bundesgericht des DFB. Die Geldstrafe wird auf 40.000 Euro reduziert. Jetzt bleibt noch der Weg vor das Schiedsgericht.

© Robert Michael

Sven Geisler, Frankfurt am Main

Frankfurt. Es bleibt dabei. Dynamo Dresden ist mit seiner Berufung gegen einen Teilausschluss der Zuschauer bei einem Heimspiel vor dem Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main gescheitert. Nach der vierstündigen Beweisaufnahme und den Plädoyers verkündete der Vorsitzende Richter Achim Späth am Mittwoch um 15.37 Uhr das Urteil. Lediglich die Geldstrafe wurde von 60 000 auf 40 000 Euro gemindert. Dynamo kann nun in dritter Instanz vor das Ständige Schiedsgericht ziehen, das schon keine DFB-Instanz mehr ist, sondern nach der Zivilprozessordnung urteilt. Andernfalls gilt das Urteil für das nächste Heimspiel gegen Union Berlin am 5. Februar.

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Ralf Minge (l.-r., Geschäftsführer), Christian Quirling (Anwalt) und Michael Born (Geschäftsführer ) sitzen am 18. Januar in Frankfurt/Main Philipp Reschke (Beisitzer DFB), Achim Späth (Vorsitzender Richter des DFB-Bundesgerichts) und Arno Heger (Beisitze
Ralf Minge (l.-r., Geschäftsführer), Christian Quirling (Anwalt) und Michael Born (Geschäftsführer ) sitzen am 18. Januar in Frankfurt/Main Philipp Reschke (Beisitzer DFB), Achim Späth (Vorsitzender Richter des DFB-Bundesgerichts) und Arno Heger (Beisitze © szo

Beim DFB-Pokalspiel gegen RB Leipzig am 20. August 2016 war ein abgetrennter Bullenkopf in den Stadion-Innenraum geworfen worden. Des Weiteren gingen in das Urteil mehrere als unsportlich eingestufte Plakate und ein Münzwurf bei diesem sowie kleinere Vorfälle bei drei weiteren Spielen ein. Anwalt Christian Quirling hatte auf einen Freispruch für Dynamo, maximal aber auf eine Geldstrafe von 40 000 Euro plädiert. Er wertete - mit Ausnahme eines homophoben Spruches - die Banner als freie Meinungsäußerung, die von der Verfassung geschützt ist. Ein Widerruf der in einem Urteil vom Juli 2016 verhängten Bewährung sei deshalb „unverhältnismäßig und fehlerhaft“, weil weder ein schwerwiegender noch ein vergleichbarer Wiederholungsfall vorliege. Damals waren Vorfälle wie ein Platzsturm, massive tätliche Übergriffe sowie das Abfeuern von Pyrotechnik auf gegnerische Fans geahndet worden. Die Existenz des Bullenkopfes, der nach dem DFB-Pokalspiel für Aufsehen sorgte, sei während des Spieles nicht bemerkt worden. Die spannende Frage, wie der Tierkadaver ins Stadion kommen konnte, blieb jedoch offen. Die sechs identifizierten Täter, von denen fünf einen Bußgeldbescheid durch das Ordnungsamt bekommen haben, haben sich zur Sache nicht geäußert. Dynamo stellte seine Sicherheitsmaßnahmen vor und während eines Spieles dar und verwies darauf, dass einige Räume im Stadion wie die Kioske und die Küche vom Verein nicht genutzt und deshalb auch nicht kontrolliert werden durften. Einen Antrag, das zu ändern, hat der Verein über die Stadionprojektgesellschaft gestellt und erste Rückmeldungen der anderen Mieter erhalten.

Dagegen argumentierte Anton Nachreiner, als Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses Vertreter der Anklage, einige Äußerungen seien unstrittig unsportlich. Das müsse Grundlage einer sportgerichtlichen Bewertung sein. „Im sportlichen Bereich haben Verunglimpfungen des Gegners nichts zu suchen“, sagte Nachreiner. Darüber hinaus war er der Meinung, Dynamo sei nicht der Nachweis gelungen, dass das Einschmuggeln des Bullenkopfes wie der Plakate nicht zu verhindern gewesen wäre.

Ausgesagt hatte außer Dynamos Geschäftsführern Michael Born und Ralf Minge sowie Mitarbeitern der Geschäftsstelle wie dem Sicherheitsbeauftragten auch Polizeioberrat Stefan Dörner, seit 2013 Einsatzleiter der Dresdner Polizei bei den Heimspielen von Dynamo. Die Polizei habe nach dem brisanten Sachsenduell im DFB-Pokal „ein durchweg positives Fazit“ gezogen. Es sei „sowohl strafrechtlich als auch gefahrenabwehrtechnisch ein komplett ruhiger Einsatz“ gewesen. Es waren knapp 1 000 Beamte im Einsatz. Eine Kollektivstrafe wie eine Sperrung des K-Bocks mit 9 055 Plätzen werde „polizeilich grundsätzlich kritisch bewertet“. Dadurch erhöhe sich das Risiko rund um das betreffende Spiel, außerdem komme es zu unerwünschten Solidarisierungseffekten in der Fanszene. „Unsere mittel- und langfristige Strategie zielt darauf ab, erkannte Straftäter und gewaltsuchende Zuschauer möglichst von anderen Fans zu isolieren und distanzieren“, erklärte Dörner.