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Dynamo muss sich in Halle durchboxen

Trainer Uwe Neuhaus warnt vor dem angeschlagenen Gegner. Hinzukommen auch noch personelle Sorgen.

© Robert Michael

Sven Geisler

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DSC Volleyballerinnen feiern mit ihren Fans

Am Montagabend hatten die DSC Volleyball Damen bereits mit den Sponsoren und Partnern die Saison Revue passieren lassen. 

Dresden. Kampfgeist hat Stefan Böger seiner Mannschaft in dieser Woche auf besondere Art und Weise vermittelt. Der Trainer des Fußball-Drittligisten Hallescher FC schickte die Profis ins Boxcamp. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, und die Situation für den HFC ist vor dem Duell mit Spitzenreiter Dynamo Dresden am Sonntag, 14 Uhr, außerordentlich - angespannt. Nachdem die Saalestädter mit nur sechs Punkten Rückstand auf Platz zwei zur Winterpause Aufstiegshoffnungen hegen konnten, macht sich nach zwei Niederlagen gegen Magdeburg (1:2) und in Kiel (0:1) zum Start ins neue Jahr schon wieder Abstiegsangst breit.

Es wäre also naheliegend, den Vergleich mit dem angeschlagenen Boxer zu bringen, und auch Uwe Neuhaus meint: „Die sind ja bekanntlich gefährlicher.“ Dynamos Sorge gilt aber weniger dem Gegner, auch wenn er explizit auf die schnellen Hallenser Offensivkräfte Bertram, Osawe, Aydemir und Lindenhahn hinweist. „Wir dürfen nicht so viele Fehler machen wie in Erfurt, sonst bekommt Halle die Räume, die diese Spieler brauchen.“

In Dynamos Offensive stehen dagegen zwei Fragezeichen. Ob Pascal Testroet (Entzündung im Fuß) dabei sein kann, entscheidet sich erst kurzfristig, bei Marvin Stefaniak ist Neuhaus optimistischer. Der beste Vorlagengeber hatte im Heimspiel gegen Mainz (3:0) eine Gehirnerschütterung erlitten und sollte am Donnerstag noch Kopfbälle vermeiden. „Die macht er zwar sowieso nicht so oft, aber irgendwie gehört es doch dazu“, meint Neuhaus ein wenig ironisch. Weiter nicht zur Verfügung stehen Quirin Moll, Luca Dürholtz und Nils Teixeira sowie die Anschlusskader Niklas Landgraf, Niklas Hauptmann und Johann Weiß.

Für viele Dynamo-Profis gibt es ein Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Chef. Böger hatte im September 2015 Sven Köhler als HFC-Trainer abgelöst; damals stand Halle mit nur einem Sieg aus sechs Spielen auf Platz 19. Mit dem Wechsel an der sportlichen Führungsperson gelang die Wende. Doch es ist für Böger beinahe so wie er es schon in Dresden empfunden hatte: der Fluch der guten Tat. Mit jedem Sieg steigt die Erwartungshaltung und nach zwei verlorenen Spielen wird von einer Krise gesprochen. Bei Dynamo war er vor einem Jahr nach drei Pleiten nach der Winterpause entlassen worden, auch, weil nicht nur die sportliche Entwicklung enttäuschend verlief. „Ich kann zügig Dinge abhaken“, sagt Böger dazu: „Ich bin nicht rückwärtsgewandt und denke in keinster Weise an meine Zeit in Dresden. Das würde mich nur ablenken. Ich bin beim HFC und da knalle ich alles rein.“

Dort sieht er das Problem aktuell im Spiel nach vorn. „Wir sind manchmal zu hektisch, der letzte Pass kommt nicht“, sagte er dem Kicker, und er ist sich der Gefahr bewusst: „Wir müssen uns schleunigst verbessern und anfangen zu punkten.“ In der Pressekonferenz am Freitag wurde Böger gefragt, ob ein Sieg gegen seinen Ex-Verein für ihn „ein innerer Vorbeimarsch“ wäre, doch auch damit ließ sich der 49-Jährige, der einst in Leipzig Journalistik studierte, nicht locken. „So etwas ist mir völlig fremd. Das zwickt mir nur ein Schmunzeln ab“, betont Böger.

So oder so erwartet Neuhaus einen Gegner, der „alles dran setzen wird, nicht noch mal Kontakt nach unten zu kriegen“. Das Boxtraining hat er bei Union Berlin übrigens selber schon mal praktiziert, und zwar nicht nur als willkommene Abwechslung und schon gar nicht, wie er betont, um Aggressivität aufzubauen. Vielmehr hätten die Fußballer gemerkt, dass es in puncto Leidensfähigkeit und sich über Schmerzen hinwegzusetzen „noch mal um einiges mehr“ sei. „Das sind schon richtig harte Jungs“, meint der 56-Jährige. Er setzt trotzdem darauf, dass sich seine Mannschaft in Halle durchboxt und erinnert zur Einstimmung an das Hinspiel. Im August hatten die Schwarz-Gelben eine Viertelstunde vor Schluss mit 1:2 hinten gelegen, die Partie durch späte Treffer von Michael Hefele und Guiliano Modica noch 3:2 gewonnen. „Mit den Emotionen war das für uns bahnbrechend“, sagt Neuhaus. „Da hat die Mannschaft gemerkt, dass wir alles erreichen können mit Willen und Leidenschaft bis zur letzten Sekunde.“

Dynamos voraussichtliche Startelf: Blaswich - Fa. Müller, Modica, Hefele, Holthaus - Hartmann - Eilers, Aosman, Lambertz, Stefaniak - Kutschke.

›› Das Spiel können Sie am Sonntag ab 14 Uhr in unserem Live-Ticker verfolgen