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Dynamos positive Entwicklung

Der Strukturwandel wirkt: Immer mehr Talente aus dem Nachwuchs überzeugen auch bei den Profis.

© Robert Michael

Von Cornelius de Haas

Viele Jahre waren Nachwuchskicker für Dynamo nur Mittel zum Zweck. Die Talente wurden mit Profiverträgen ausgestattet, nur um die in der Local-Player-Regelung geforderte Zahl von eigenen Spielern zu erfüllen. Die Einsatzchance bei den Männern tendierte gegen Null, was erklärt, warum es mit Maik Wagefeld nur einem gelang, dort wirklich Fuß zu fassen.

Diese Zeiten sind vorbei. Mit Marvin Stefaniak und Niklas Hauptmann entwickelten sich zwei junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu Stammkräften bei den Profis. Durch ihre Transfers nach Wolfsburg und Köln nahm der Verein so viel Geld ein wie für keinen anderen Spieler zuvor. Derzeit kämpft der 20 Jahre alte Torwart Markus Schubert, der seit der U 17 alle Auswahlmannschaften des DFB durchlaufen hat, um die Nummer eins im Team von Trainer Uwe Neuhaus.

Dass sich die Durchlässigkeit zu den Profis deutlich erhöht hat, ist das Ergebnis der Arbeit von Ralf Minge. Schon in seiner ersten Amtszeit als Sportgeschäftsführer bei den Schwarz-Gelben war er darum bemüht gewesen, die Nachwuchsarbeit zu professionalisieren. Doch als er in den Nutzungsverträgen für das neue Stadion eine Gefahr für seinen Verein sah, und von seinem Amt zurücktrat, rückte das Thema Nachwuchs zunächst in den Hintergrund.

Als der DFB im Frühjahr 2012 die Nachwuchsleistungszentren zertifizierte, fielen die Dresdner krachend durch. Das Ergebnis: kein Stern. Mit Minges Rückkehr 2014 sollte sich das grundlegend ändern. Bis dahin fehlte ein Konzept, eine Philosophie, wo Dynamo – auch mit seinem Nachwuchs – hinwill. Der Sportdirektor stellte die Weichen neu. „Wir haben in den vergangenen Jahren viele strukturelle Veränderungen vorangetrieben“, sagt Kristian Walter, der Minge interimsweise vertritt.

Mehr hauptamtliche Trainer

Unter anderem wurden immer mehr Trainer fest verpflichtet. Für Walter einer der entscheidenden Gründe für den Nachwuchs-Aufschwung. Noch vor sieben Jahren gab es lediglich einen hauptamtlichen Trainer für die U 19. „Inzwischen haben wir die ab der U 15“, sagt Walter, und ergänzt: „Für viele, wenn auch nicht alle Mannschaften, haben wir hauptamtliche Co-Trainer, wodurch die Ausbildung besser wird.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Kooperationen, die mit anderen Vereinen geschlossen wurden. Zum Beispiel mit dem FK Usti nad Labem. Von dort kam im Sommer 2015 mit Vasil Kusej eine der derzeit größten Dynamo-Nachwuchshoffnungen nach Dresden. Im vergangenen September unterschrieb er als damals noch 17-Jähriger seinen ersten Profivertrag. „Vasil ist ein hochveranlagter Offensivspieler, der alle Voraussetzungen mitbringt, um einen erfolgreichen Weg einzuschlagen“, hatte Minge gesagt, nachdem Kusej sich für fünf Jahre an den Verein gebunden hatte.

Für solche Toptalente hat der Verein inzwischen auch ein besonderes Programm entwickelt, mit dem der Sprung zu den Profis erleichtert werden soll. „Dazu gehört zum Beispiel eine psychologische und ernährungswissenschaftliche eine ernährungswissenschaftliche Betreuung“, erklärt Walter.

Auch das Scouting wurde ausgeweitet, inzwischen beginnt die Talentsichtung bereits auf dem Kleinfeld. Einer, der eigentlich schon zu alt für das Raster von Chefscout Walter war, ist Osman Atilgan. Den damals 17-Jährigen hatte Dynamo im Sommer 2017 für die U 19 verpflichtet. „Wenn wir jemanden noch in dem Alter sichten, dann nur, weil wir ihm auch wirklich den Sprung nach oben zutrauen“, sagt Walter über Atilgan, der „schon beim JFV Nordwest viele Tore geschossen hat, obwohl der Verein aus Oldenburg Tabellenletzter in der A-Junioren-Bundesliga war“. Mit zwölf Treffern landete der Stürmer in der Saison 2016/17 auf Platz fünf der Torjägerliste.

„Dass ihn dennoch niemand auf der Liste hatte, kam uns entgegen“, sagt Walter. Inzwischen hat auch Atilgan einen bis Sommer 2021 datierten Profivertrag. In der Vorbereitung auf die neue Zweitligasaison überzeugt er bislang, erzielte in den Testspielen zwei Tore und gab eine Vorlage. „Dass es so gut läuft, ist schon überraschend“, konstatiert Walter, der aber auch sagt: „Wir haben auf alle Fälle viel Fantasie bei ihm.“ Und mit Neuhaus auch einen Trainer, der Talenten eine Chance gibt.

Diese positive Entwicklung bekam Dynamo in dieser Woche auch vom DFB bestätigt. Zum zweiten Mal in Folge erhielt die Nachwuchsakademie bei der Zertifizierung drei Sterne – die höchste Bewertung. Das bringt bis zu 100 000 Euro pro Jahr.

Das DFB-Pokalspiel gegen den SV Rödinghausen am 18. August, 15.30 Uhr, findet im Stadion in Lotte statt.