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E-Autos kommen nur langsam voran

Bundesweit wurden derzeit gerade mal 54 000 Elektro- und Hybrid-Autos zugelassen. Das Ziel der Kanzlerin ist fern.

© dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Eine unerwartete Crux mit Elektroautos hat Dresdens Stadtreinigung ausgerechnet direkt vor der Frauenkirche erlebt. Das städtische Abfallunternehmen hatte eine Kehrmaschine aus Schottland geleast – doch deren Staubsauger stellte sich als zu stark heraus: Der Rüssel saugte, so erzählt Cathleen Klötzing von der Sächsischen Energieagentur Saena, den Sand zwischen den Pflastersteinen heraus. Das war’s mit dem ökologischen Vorzeige-Fahrzeug vor der berühmten Altstadtkulisse. Doch damit kam die Chance für die Hochschule für Technik und Wirtschaft und die TU Dresden. Deren Tüftler haben nun eine eigene elektrische Kehrmaschine entwickelt, die in der Lage sein soll, auch vor der Frauenkirche sauberzumachen. Sie ist ein einmaliger Prototyp. „Nun wäre es natürlich gut, dafür einen Hersteller zu finden“, sagt Klötzing. Allein Dresdens Stadtreinigung hat 135 Fahrzeuge.

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Vorgestellt wurde der Putzflitzer gestern auf der Leipziger Messe, während einer zweitägigen Abschlusskonferenz der bundesweit vier „Schaufenster Elektromobilität“ mit 850 Experten. Die Dresdner Kehr-Geschichte illustrierte dort, warum die Elektromobilität immer noch keine Fahrt aufnimmt. Es gibt viele gute Ideen, Lösungen und Beispiele – aber auch viele Kinderkrankheiten und Sorgen. Bundesweit wurden derzeit gerade mal 54 000 Elektro- und Hybrid-Autos zugelassen. Das Ziel der Kanzlerin, bis 2020 eine Million Autos auf den Straßen zu haben, ist nicht in Sicht – und wird noch dadurch erschwert, dass viele zugelassene E-Autos ins Ausland verschwinden. Der Kongress war sich einig: Die Bundesregierung müsse endlich eine Entscheidung über Kaufanreize – sprich Zuschüsse – für E-Autos treffen.

Henning Kagerman, einst Vorstandschef beim Softwareriesen SAP und nun Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität, ist dennoch voller Optimismus. Etwa im Jahr 2025 würden die Kosten für Elektroautos so weit gesunken und die Preise für herkömmliche Spritfresser wegen der Umweltauflagen so weit gestiegen sein, dass sich die Preis-Schere schließe. Dann werde der Durchbruch für die Stromer kommen. „In zehn Jahren werden wir die heutigen Diskussionen nicht mehr führen“, erwartet Kagerman. Die Kosten für Batterien würden sich bis dahin halbieren. Und Elektroautos würden locker 500 Kilometer weit fahren. Die „Reichweitenangst“ vieler Kunden sei dann überwunden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will dazu die Lücke fehlender öffentlicher Auto-Steckdosen schließen. „Unser Vorschlag: 15 000 zusätzliche Ladesäulen in ganz Deutschland aufbauen“, ließ Dobrindt gestern verlauten. Bisher gibt es erst 5 800 offen zugängliche Ladepunkte.

Millionen für Pilotprojekte

Die Bundesregierung würde damit ein wichtiges Handicap beheben. Sie hatte 2011 die „Schaufenster Elektromobilität“ geöffnet. Seither wurden 400 bis 500 Millionen Euro in 145 Projekte gesteckt und 3 600 Elektrofahrzeuge beschafft. Sachsen arbeitete mit Bayern zusammen, der Freistaat hat 15 Millionen Euro beigesteuert. Entlang der Autobahn A 9 von Leipzig bis München wurden ein Netz von acht Schnellladestationen errichtet, in Dresden die rein elektrische Buslinie 64 gestartet, in Meißen zwei Müllautos mit Hybridantrieb losgeschickt. Langstreckenpendlern wurden Elektroautos zum Test angeboten. Zudem stellt Sachsens Polizei jetzt 44 Elektro-Streifenwagen in Dienst. Die Energieagentur Saena soll künftig als Kompetenzstelle erhalten bleiben, sagte gestern Burkhard Zscheischler, im Wirtschaftsministerium für E-Mobilität zuständig. Auch die Ideen intelligenter, vernetzter Verkehrssysteme sollen weiterverfolgt werden.

Was mit Stromautos schon alles möglich ist, zeigen die „Schaufenster“. Im Allgäu liefert nun eine Flotte von mehr als 30 E-Autos die Post aus, im niedersächsischen Hameln ist jetzt ein Drittel des Fuhrparks – zehn von 30 Dienstwagen – elektrisch unterwegs, an Flugzeugen und Häfen sind Spezialfahrzeuge im Einsatz. Es wurden Elektrorad-Schnelltrassen und eine Elektromobilitäts-Fahrschule eröffnet. Stuttgart hat dazu die einheitliche Chipkarte „Polygo“ für Nahverkehr, Carsharing, Leihfahrräder und öffentliche Elektro-Ladestationen eingeführt – auf Wunsch gleich mit Kreditkartenfunktion.

Dass allerdings eine flächendeckende Versorgung mit Ladeplätzen bitter nötig ist, musste Cathleen Klötzing bei der Vorbereitung der Leipziger Konferenz erleben. Als sie von Dresden aus mit dem Elektro-Dienstwagen in Leipzig ankam, reichte der Akku gerade noch für vier Kilometer. Eine Zitterpartie. Doch die Ladesäule auf dem Messegelände war zugeparkt und musste erst freigeräumt werden. Auch nach einiger Ladezeit reichte die Energie noch immer nicht für die Heimfahrt. Am Ende des Tages fuhr sie zum nahen Leipziger BMW-Werk, um das Auto an einer Schnellladestation zu „betanken“.

Klötzing nimmt’s sportlich: „Wenn man auf der Autobahn 160 fährt, weiß man natürlich, dass der Akku bald alle ist.“