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Ebersdorfs Ortsvorsteher spendiert Baby-Geld

Andreas Förster zahlt jetzt aus seinem eigenen Budget ein Begrüßungsgeld – bei der ersten Familie gleich doppelt.

© Matthias Weber

Von Constanze Junghanß

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Begrüßungsgeld? Babygeld? So ganz sicher ist sich Andreas Förster noch nicht, welchen Namen er seiner Idee letztendlich geben wird. Fest allerdings steht: Ein Zuschuss soll es sein für die kleinen Neuankömmlinge in Ebersdorf. Und zwar finanzieller Art. Für Windeln, Fläschchen, Stillkissen oder was sonst noch so alles vonnöten ist, wenn sich Nachwuchs eingestellt hat, könne das Geld dann ausgegeben werden. Ab diesem Jahr erhalten frisch gebackene Eltern aus Ebersdorf zusammen mit ihren Babys diese Extra-Finanzspritze. Der Ortsvorsteher oder Mitglieder vom Ortschaftsrat werden das überreichen. Ein zusätzliches Budget gibt es dafür nicht im kommunalen Haushalt, wie Förster sagt. Vielmehr greift der engagierte Mann dafür in die eigene Tasche. Der 55-Jährige finanziert den Obolus aus seiner Aufwandsentschädigung, die ihm als Ortsvorsteher zusteht und die eigentlich zur Deckung der anfallenden Kosten zum Beispiel für Telefon oder Papier gedacht ist. 50 Euro pro Kind sollen das sein. Bisher gab es so was noch nicht im Ort. Wobei Förster beim örtlichen Erstnachwuchs 2018 das Doppelte locker machen wird. „Die ersten Ebersdorfer Babys in diesem Jahr sind nämlich Zwillinge“, erzählt er. Noch wurde das Sponsoring der besonderen Art nicht überreicht. Andreas Förster – selbst zweifacher Vater und stolzer Opa eines Enkelkindes – möchte das Geld die kommenden Tage bei der jungen Familie abliefern. Vorerst ohne Urkunde oder sonstigen Schnickschnack. Sondern einfach versehen mit herzlichen Glückwünschen für die Eltern.

Auf die Idee kam Andreas Förster bereits vor geraumer Zeit, wie er erzählt. Denn es sei wichtig, junge Familien inklusive den Kindern langfristig im Dorf zu halten. Notwendig seien deshalb eine familienfreundliche Umgebung und positive Anreize. Dass es einen Kindergarten gibt, zählt mit zu den Pluspunkten. Ebenso die Weiterführung der Hausarztpraxis in Ebersdorf, die vor über einem Jahr von einem Arzt übernommen wurde. Ein weiterer Punkt sind die engagierten Eltern, die gemeinsam mit dem Ortschaftsrat in der Vergangenheit ein besonderes Projekt ins Rollen brachten: Ein Spielplatz wurde unter Schirmherrschaft einer Bürgerinitiative gebaut, worüber sogar das MDR-Fernsehen mit seiner Sendung „Mach dich ran“ berichtete. Und auch Mitfahrbänke wurden aufgestellt, um nicht motorisierten Anwohnern einen bequemen und kostenfreien Weg in die Stadt zu ermöglichen. „Wir haben hier bei uns einen sehr guten Zusammenhalt“, fasst das Andreas Förster zusammen.

Der Ortschef ist gleichzeitig auch für die Löbauer Bürgerliste im Löbauer Stadtrat dabei. „Wir haben als Bürgerliste für den Haushalt 2018/2019 im Hauptausschuss vergangenen Herbst angeregt, ein Bürgerbudget für die Ortsteile aufzunehmen“, sagt er. Mit diesem Geld hätten „kleinere Dinge“, wie das Bepflanzen von Blumenkübeln, die Reparatur von öffentlichen Bänken oder eben auch ein Begrüßungsgeld für Babys gestemmt werden sollen. „Leider haben das die anderen Fraktionen im Stadtrat abgelehnt“, so Förster, der das für seinen eingemeindeten Ortsteil nun selbst und in Eigenregie in die Hand nimmt. Langfristig, wie er betont. Und rückwirkend ab dem 1. Januar 2018. „Denn auch nur durch Neuansiedlung und die Erhaltung der Bevölkerungsstruktur auf dem Dorf sind wir künftig in der Lage, Dorfleben anzubieten“, sagt er.

Ganz neu ist die Idee des Baby-Begrüßungsgeldes nicht. Bereits im Jahr 2009 hatte jede fünfte sächsische Kommune Neugeborene mit einem Babygeld bedacht. Eine Pflichtaufgabe ist das für die Gemeinden aber keinesfalls, sondern eine freiwillige Aufgabe. In diesem Jahr mit der Einführung eines Begrüßungsgeldes begonnen hat auch die Stadt Hoyerswerda. Stolze 250 Euro gibt es pro Kind. Gekoppelt ist der Zuschuss allerdings an den Nachweis der Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U6.

In Ebersdorf brauchen die Mütter und Väter keinen solchen Nachweis. Da der Datenschutz gelte, kann der Ortschaftsrat auch nicht einfach so bei den Familien auftauchen und das Geld überreichen. Vielmehr bittet Andreas Förster darum, dass nach dem freudigen Ereignis Ortschaftsrat oder Ortsvorsteher informiert werden, damit das Geld dann der Familie überbracht werden kann.