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Edeka will nach Bischofswerda

In den Einzelhandel der Stadt kommt Bewegung. Auch mit Entwicklungen, die überraschen.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Nach dem jahrelangen Hickhack haben viele in der Stadt schon nicht mehr daran geglaubt – jetzt ist es auch offiziell: Kaufland kommt nicht nach Bischofswerda. Das bestätigte Jörg Säurich von der Projektgesellschaft Säurich und Sassenscheidt der SZ. Nach Informationen unserer Zeitung lief der Vorvertrag der Gesellschaft mit dem Handelsunternehmen bereits Ende vergangenen Jahres aus.

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Die Absage dürfte für die Eigentümer der Immobilie zur Unzeit gekommen sein. Nach einem über zehnjährigen Planungsprozess gibt es für die Stadt Bischofswerda jetzt endlich ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept, das die Bebauung des ehemaligen Speditionsgeländes an der Stolpener Straße mit Handelsflächen erlaubt. Man halte an der Immobilie fest, wolle sie entwickeln, bekräftigt Jörg Säurich, „Wir führen Gespräche – Ausgang ungewiss.“

Bewegung gibt es unterdessen auf dem gegenüber liegenden Grundstück mit dem vor fast drei Jahren geschlossenen Penny-Markt. Edeka hat Interesse, den Markt umzubauen und zu erweitern. Wie das Landratsamt bestätigt, wurde dafür ein Bauantrag bereits gestellt. Nach SZ-Informationen sehen die Pläne vor, die vorhandenen 800 Quadratmeter Verkaufsfläche auf 1 200 Quadratmeter zu vergrößern. Für die Erweiterung will man den Parkplatz des ehemaligen Discounters nutzen und neue Stellflächen für die Kunden des Supermarktes auf dem benachbarten Bad-Parkplatz schaffen. Die erforderlichen Flächen möchte Edeka kaufen. Das Grundstück an der Stolpener Straße 4 müsste in diesem Fall geteilt werden. Edeka würde das Gebäude des ehemaligen Discounters und die dazugehörenden Pkw-Stellplätze erwerben. Die andere Seite der Immobilie mit Fleischer, Bäcker, Schuhmarkt, Praxen und Büros verbliebe beim jetzigen Eigentümer, der städtischen Wohnungswirtschaft und Bau GmbH. In diesem Bereich würde es keine Veränderungen geben, heißt es. Die für Nordbayern, Sachsen und Thüringen zuständige Edeka-Zentrale macht zu den Plänen keine Angaben, dementiert sie aber auch nicht. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt über das Expansionsvorhaben nicht äußern“, teilte das Vorstandssekretariat vor wenigen Tagen auf eine SZ-Anfrage mit.

Magneten im Einzelhandel schaffen

Möglich, dass der ehemalige Penny für Edeka nur eine Option ist. Mit dem Rückzug von Kaufland könnte möglicherweise auch die gegenüberliegende Fläche der Säurich & Sassenscheidt GbR für die blau-gelbe Handelskette interessant werden. In dem von der Projektgesellschaft vor Jahren entwickelten Bautzener Einkaufszentrum Husarenhof beispielsweise ist Edeka ebenfalls präsent. Mit Edeka als Zugpferd auf dem ehemaligen Speditionsgelände könnte der geschlossene Penny in seiner jetzigen Größe wiederum für einen Fachmarkt bedeutsam werden, heißt es.

Planungsexperten denken beide Seiten der Stolpener Straße ohnehin zusammen. Es darf nicht nur darum gehen, weitere Verkaufsflächen in der Stadt zu schaffen. „Man sollte Kräfte bündeln und einen Magneten im Einzelhandel schaffen, der Kunden anzieht und auch auf die Innenstadt ausstrahlt“, sagt Jörg Säurich. In diese Richtung gingen auch die Vorstellungen seiner Projektgesellschaft.

Nicht nur an der Stolpener Straße stehen Veränderungen ins Haus. Auch an der Neustädter Straße. Aldi möchte den Standort am Güterbahnhof verlassen und neu bauen. Wenn voraussichtlich ab 2019 die Deutsche Bahn die marode Brücke durch einen Neubau ersetzt und die Neustädter Straße infolge der Bauarbeiten zur Sackgasse wird, will der Discounter den neuen Standort bezogen haben, heißt es. Dem Landratsamt liegt bereits ein Bauantrag von Aldi für eine Fläche an der Bautzener Straße vor, sagte Dunja Reichelt von der Pressestelle der Kreisbehörde am Dienstag der SZ. Die Stadt Bischofswerda kündigte unterdessen an, den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Bautzener Straße“ bezüglich der Zulässigkeit von zentrenrelevanten Sortimenten gemäß Einzelhandel und Zentrenkonzept ändern zu wollen – Thema im Stadtratsausschuss für Technik und Wirtschaft am 5. Juni.