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Eggersweg-Stein ist als Denkmal zu jung

1989 fügten Radebeuler einen Stein mit der Inschrift „Trotz alledem“ in eine Weinbergsmauer ein.

Von Wolf Dieter Liebschner

Wären die gesellschaftlichen Umbrüche in der DDR und die sogenannte Wende etwas eher passiert – so ungefähr 30 bis 40 Jahre früher – dann könnte Radebeul heute ein Objekt mehr auf seiner Denkmalsliste haben: Den Sandstein mit der Inschrift „Trotz alledem – 1989“. Er ist Teil einer alten Weinbergsmauer auf dem Eggersweg, der in der Oberlößnitz durch die Weinberge unterhalb des Spitzhauses entlang führt.

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„Wir wollten hier bleiben“

Mitglieder der Jungen Gemeinde der Radebeuler Lutherkirche hatten ihn bei Aufräumungs- und Sanierungsarbeiten vor rund 20 Jahren dort angebracht. Der Schlossermeister Wolfgang Jacobi – damals wie heute in der Dekorationswerkstatt der Dresdner Semperoper beschäftigt – gehörte dazu dieser Gruppe, die sich damals besonders mit für die Stadt relevanten Umweltfragen befasste. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dass wir in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in den Westen gingen, hier bleiben wollten“, sagt der heute 57-Jährige.

Später entstand aus diesem Kreis heraus die Idee, diesen Stein als Denkmal an eine bewegte Zeit vorzuschlagen. Auf dem langen Amtsweg landete die Idee schließlich beim Sächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Dresden. Und wurde letztendlich abschlägig beschieden. Eine Vor-Ort-Begehung habe gezeigt, dass der Stein nicht alle Kriterien für ein Denkmal erfülle. Der wichtigste Ablehnungsgrund: Für ein Denkmal ist dieser Stein zu jung. Für Radebeuler Verhältnisse um genau 33 Jahre. Denn eines der jüngsten Objekte im Denkmalsverzeichnis der Stadt – eine Villa am Augustusweg – stammt aus dem Jahr 1956. Immerhin: Das Amt billigte dem Stein eine besonders erhaltenswerte Bedeutung zu. Als Teil einer alten Weinbergsmauer genieße er Schutz, hieß es. Denn, wenn der Stein herausgelöst würde, brächen Teile der Mauer zusammen. Diesem Umstand verdankt es der Stein auch, dass alle Versuche – von wem auch immer – ihn aus der Mauer zu entfernen, gescheitert sind.

Luxemburg bewusst gewählt

Ob nun Denkmal oder nicht. Der Stein sei letztlich nur ein äußerliches Zeichen für die Ereignisse von vor 20Jahren, sagt Jacobi. „Klar, haben wir damals viel diskutiert. Eben auch, als wir am Eggersweg die Abbrüche beseitigt und die Weinbergsmauern wieder aufgebaut haben. Und wir haben uns nach der gefälschten Kommunalwahl ganz bewusst für diesen Ausspruch von Rosa Luxemburg entschieden.“

Passiert ist ihnen deswegen nichts. Nur die Drohung, es werde Ärger geben, stand im Raum. Der Staat hatte längst andere Probleme.

Letztlich floss im Herbst des gleichen Jahres sogar noch Geld. „Wir bekamen fünf Ostmark pro Arbeitsstunde von der Stadt“, erzählt Jacobi. „Die Stadt hat dann unsere Arbeitsleistung im Rahmen der VMI (Volkswirtschaftliche Masseninitiative/d. A.) abgerechnet.“ Das Geld haben Jacobi und seine Mitstreiter übrigens in voller Höhe jenen gespendet, die wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen in Dresden Geldstrafen bezahlen mussten.