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Egoistischer am Brett

Schnellschach-Europameisterin Elisabeth Pähtz stößt erstmals in die Top Ten der Weltrangliste vor.

© c by Matthias Rietschel

Von Hartmut Metz

Schnellkochen, Schnellputzen oder Schnellabnehmen? Neue Kernkompetenzen sind Elisabeth Pähtz bei der Fernseh-Quizshow Quickie vor einem breiten Publikum untergeschoben worden. Die Erfurterin musste herzhaft lachen, als sie erfuhr, dass der Kandidat im MDR doch angesichts der vier dargebotenen Möglichkeiten erahnte, dass die 33-Jährige 2018 in Tiflis die EM im Schnellschach gewann.

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„Da hat wohl jemand eine Frage eingereicht, bei der es um die drei großen Bereiche in meinem Leben ging: Kochen, Putzen und Schach“, sagt sie. Die TV-erfahrene Großmeisterin, die bereits mit Hape Kerkeling die Schachspieler von Bayern München veralberte und als Beraterin beim Match Rest der Welt gegen Garri Kasparow spielte, schiebt in Model-Manier hinterher: „Nur das Abnehmen ist immer ein Dilemma.“ Doch auch nicht wirklich bei einem Gewicht von 55 Kilo, das um höchstens vier Kilo schwanke und auf 1,60 Meter verteilt ist. „Ich wirke nur so groß und spindeldürr, weil ich hohe Schuhe trage“, sagt sie.

Kräftig zugelegt hat die Thüringerin, die zehn Jahre lang in Dresden in der Frauen-Bundesliga gespielt hat, erst für den DSC und dann für den USV TU, bei den Weltranglistenpunkten. Da kommt sie jetzt auf 2 513 Zähler. Das bedeutet Platz zehn im Ranking. Pähtz ist dadurch nach einer 30-jährigen Pause das erste Mitglied des Deutschen Schachbunds (DSB), das in die Top Ten vorprescht. Zuletzt zählte Robert Hübner von 1971 bis 1988 dazu. Der Einzug ins WM-Kandidaten-Turnier und Platz drei in der Weltrangliste markierten die Höhepunkte des Kölners. Pähtz setzt ihren Höhenflug seit Montag bei der Schach-Olympiade, der alle zwei Jahre stattfindenden Mannschafts-WM, im georgischen Batumi fort. Für die deutschen Frauen sieht sie schwarz und steckt sich am Spitzenbrett eigene Ziele, um weiter für die Weltrangliste zu punkten. Den Männern räumt Pähtz „eine gute Chance ein, Platz fünf zu erreichen. Die Auswahl ist sehr ausgeglichen und verliert wenige Partien. Sollten zwei Spieler ein super Ergebnis erzielen, kann es weit nach vorn gehen“. Beide Teams starteten mit 4:0-Siegen ins Turnier, das bis zum 7. Oktober dauert.

Obwohl sich die Tochter von Großmeister Thomas Pähtz über mangelnde Unterstützung durch den DSB beklagt, macht sie große Schritte nach vorn. „Gründe dafür gibt es mehrere: Ich habe alles ausgeräumt, was stört. So habe ich meinen Frauen-Bundesliga-Verein verlassen und habe in der letzten Runde der Einzel-Europameisterschaft das gespielt, was mir richtig erschien. Ich setzte mich dabei auch gegen den Trainer durch“, sagt sie. „Zuvor hatte ich immer alles gemacht, was andere wollten. Jetzt bin ich egoistischer geworden.“

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Lachend ergänzt Pähtz: „Und ich habe meine Haare blond gefärbt!“ Wird sie so auch Weltmeisterin? „Das K.-o.-System ist eine Lotterie. Hätte ich die Arroganz mancher Spieler, die mit ungeheurem Selbstbewusstsein ans Brett schreiten, wäre alles möglich“, verweist sie auf ihren Schwachpunkt. Optimistisch schließt die ehemalige Jugend- und Junioren-Weltmeisterin mit Blick auf nominell schwächere Gegnerinnen aus der Ukraine und Russland: „Wenn aber eine Anna Uschenina den Titel gewinnt oder eine Natalia Pogonina ins WM-Finale einzieht, sollte ich das mit etwas besseren Nerven und mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten auch schaffen können.“