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Eichen müssen weichen

Damit der Solarpark im Alten Lager wachsen kann, muss der Wald fallen. Dabei sind einige Bäume schon 150 Jahre alt.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Der alte Offizierspark gehört nicht nur zu den ältesten Ecken des Alten Lagers, sondern auch zu den schönsten, findet Olaf Kaube. Der Hobbyhistoriker aus Neudorf hat dort schon unzählige Besuchergruppen durchgeführt. Sie kommen wegen der Geschichte des Ortes, der historischen Hinterlassenschaften, aber auch wegen des Naturerlebnisses, erzählt Olaf Kaube, während er die alte Planitzstraße entlangläuft. Grünspecht und Gartenbaumläufer tirilieren, in den kahlen Ästen ist so manches Nest vom Mäusebussard zu entdecken. Etwa 50 Vogelarten sind auf der Fläche heimisch, schätzt Peter Kneis vom Naturschutzverein Pro Natura. Sie leben in dem Wäldchen von Eichen, Ahorn, Robinien und Kiefern, der um 1875 als Park angelegt wurde. Viele der Bäume konnten sich frei entfalten, und oft reichen keine zwei Arme aus, um die Stämme zu umfassen. Besonders wertvoll sind die Stiel- und Traubeneichen, sagt Peter Kneis. Die Ansammlung sei für Zeithain sogar einzigartig. Und mit Blick auf die spärliche Bewaldung des Landkreises sei es um jedes Eichenblatt jammerschade. Dabei soll zwischen EVGZ-Eingang und Solarflächen beinahe der gesamte Wald gerodet werden.

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Der Landkreis Meißen hat dem Hambuger Unternehmen Enerparc AG bereits Ende vergangenen Jahres die Genehmigung zur sogenannten Waldumwandlung, sprich Rodung erteilt. Betroffen davon ist ein 9,5 Hektar großes Areal – inklusive Offizierspark. Der Verlust wird durch die Anpflanzung eines Laubholz-Mischwaldes an der B 182 in Oppitzsch ausgeglichen, heißt es vom Landratsamt. Für Olaf Kaube ist das reinster Irrsinn.

„Hier soll Ökostrom gewonnen werden. Da ist es doch total widersinnig, dass dafür ein Wald gefällt wird“, sagt er. Er will die geplante Erweiterung der Solarflächen nicht verhindern oder kaputt reden, betont er. Aber er hofft auf einen Kompromiss, bei dem der ehemalige Offizierspark von Solarpanels verschont bleibt. Die Bäume sind teilweise schon 150 Jahre alt, können aber sogar 800 Jahre werden, argumentiert er. Und vielleicht gibt es nach Ablauf der Solarpacht in 20 Jahren wieder andere Pläne für das Gelände, schließlich war auch schon mal von Eigenheimen die Rede.

Für Zeithains Bürgermeister und EVGZ-Geschäftsführer Ralf Hänsel (parteilos) kommen die Einwände zu spät. Die Genehmigung zur Waldumwandlung liegt vor, zudem ist das Areal mit einem Bebauungsplan überzogen, der von einer industriellen beziehungsweise – laut neuem B-Plan – von einer gewerblichen Nutzung ausgeht. „Wenn wir jetzt plötzlich dagegen sind, waren die Bemühungen der letzten fünf Jahre umsonst“, sagt der Bürgermeister. Denn nachdem man lange erfolglos nach einem Investor suchte, begann erst mit Enerparc endlich eine lukrative Ansiedlung. „Ich finde die Bäume auch schön. Aber wenn man sein Herz daran hängt, wäre eine Bebauung nicht möglich.“ Auch einen Naherholungs-Faktor will er aufgrund der Kampfmittelbelastung nicht gelten lassen. Zudem sei das Alte Lager nach wie vor EVGZ- und damit Privatgelände.

Olaf Kaube hofft dennoch. Entscheidungen könne man rückgängig machen, ist er überzeugt. Er bittet die Entscheidungsträger deshalb, sich den Offizierspark einmal vor Ort anzuschauen – und unter den Bäumen bei Vogelgezwitscher über einen möglichen Kompromiss nachzudenken.

Die Änderungen des Bebauungs- und Flächennutzungsplanes für das Alte Lager liegen noch bis zum 23. März im Rathaus Zeithain aus.

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