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Eigene Talente statt fremde Hilfe

Nach 20 Jahren Abstinenz startet wieder eine junge DSC-Turnriege in der 1. Bundesliga.

© kairospress

Von Alexander Hiller

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Training der Extraklasse beendet

Mit einer besonderen Trainingsstunde beim SV Lampertswalde e.V. endete die ENSO Tour 2019 für die DSC Volleyball Damen.

Geschenke gibt es bereits vor dem großen Abenteuer. Es gibt neue Trainingsanzüge, beinahe weihnachtlich verpackt. Die sieben jungen Turnerinnen vom Dresdner SC reißen die Päckchen ganz unromantisch einfach auf und strahlen.

Eine solch neue Trikotage ist offenbar nicht selbstverständlich. Und die sportliche Herausforderung ist es auch nicht. Die Riege aus Dresden hat den Aufstieg in die 1. Turn-Bundesliga gewagt – nach 20 Jahren Abstinenz. Sportlich hatte die Mannschaft von Cheftrainer Tom Kroker den Sprung knapp verpasst, da sich TuS Chemnitz-Altendorf jedoch aus dem Oberhaus zurückgezogen hatte, wurde ein Platz frei – den nimmt der DSC als Gesamtzweiter der 2. Bundesliga der letzten Saison selbstbewusst wahr.

Am Sonnabend beginnt der Liga-Wettstreit in Stuttgart, drei weitere Termine folgen: am 24. März in Waging am See, am 14. April in Monheim und am 17. November in Berlin. „Die Aufgabe wird schwer, wir alle wissen ja, dass wir uns nicht sportlich qualifiziert haben, sondern über einen Verzicht aufgestiegen sind“, verdeutlicht Tom Kroker. Zumal die Aufstiegsmannschaft qualitativ sogar etwas besser besetzt war als die aktuelle. Denn mit Marlene Bindig, Susann Marie Beck und Lisa-Marie Schulz haben drei Leistungsträgerinnen ihre Karrieren beendet.

Diese Abgänge kann die Turnabteilung des Dresdner SC noch nicht adäquat ersetzen. Auch aufgrund von Verletzungsprobleme: Lucienne Fragel hatte sich im Training Ende des letzten Jahres beide Ellenbogen gebrochen und steht erst wieder seit drei Wochen im lockeren Training. „Wenn sie wieder richtig fit ist, sind wir sportlich stärker als in der Vorsaison“, versichert Tom Kroker. Zunächst müssen der 15-Jährigen aber Ende März die Schrauben und Plättchen aus den Armen entfernt werden.

Zumindest theoretisch hätte der DSC sich internationale Verstärkungen einkaufen können. Eine Ausländerin könnte an jedem der vier Geräte das jeweils einsatzberechtigte DSC-Quartett vervollständigen. Bei anderen Erstliga-Vereinen ist das üblich. „Für uns gehört das aber nicht zu unserer Klubphilosophie“, sagt Kroker. Mal abgesehen davon, ob sich die Sachsen eine solche Verstärkung überhaupt leisten könnten. Denn der Erstliga-Etat ist mit 5 000 bis 6 000 Euro übersichtlich.

Also hat der Dresdner SC eine siebenköpfige Mannschaft aus dem eigenen Reservoir zusammengestellt, die durch das zwölfjährige Chemnitzer Talent Lea Marie Quaas verstärkt wird: Julia Vietor (18), Maria Sonntag (17), Lucienne Fragel (15), Josefine Benad (14), Jule Mehnert, Sophia Mehnert (beide 13) und Mia Neumann (zwölf). Das macht einen Altersdurchschnitt von 14,25 Jahren. Viel jünger geht es nicht. Damit liegt auf der Hand, dass das Abenteuer 1. Bundesliga für den Aufsteiger in erster Linie einen unschätzbaren Lerneffekt haben sollte. Vergleiche auf hohem Niveau, mit Weltmeisterin Pauline Schäfer gemeinsam in einem Wettkampf stehen. Das macht etwas mit diesen jungen Turn-Talenten aus Dresden. „Die Aufregung ist schon zu spüren“, bestätigt Team-Kapitän Julia Vietor. „Aber man will sich da schon bestmöglichst präsentieren“, sagt die Abiturientin.

Möglich gemacht wird das Unterfangen Bundesliga auch durch die Unterstützung des Fördervereins „turn around“. Der weitestgehend aus Eltern von DSC-Turnerinnen bestehende Unterstützerverbund sucht und betreut Sponsoren, nimmt viele Dinge aber auch einfach selbst in die Hand. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Eltern, Trainern und Sportlern“, sagt Katrin Bindig-Trübel vom Förderverein. Die Mama von Marlene Bindig hat die neuen, ärmellosen Wettkampfanzüge für das Erstliga-Team selbst entworfen und geschneidert – vier Stunden lang für jedes der acht Exemplare. Die Freude der Athletinnen ist es offenbar wert. „Die werden uns wieder alle fragen, wo habt ihr eure schönen Anzüge her“, staunt Julia Vietor.

Der Förderverein der Turn- und Akrobatikabteilung stellt zudem Geräteprämien für die Einzelstarter und eine Mannschafts-Zielprämie pro Wettkampf bereit. „Das sind symbolische Beträge“, sagt Katrin Bindig-Trübel. „Aber andere Klubs handhaben das genauso, deshalb wollten wir das für unsere Athletinnen auch anbieten“, betont sie. Denn die Dresdner haben sich offenbar spätestens mit der Ausrichtung des Finals der Deutschen Turn-Liga (DTL) im letzten November einen erstklassigen Ruf in der Szene erarbeitet. 1 735 Zuschauer sorgten in der Margon-Arena für eine berauschende Kulisse. „Das war für alle Athletinnen ein unvergessliches Erlebnis“, sagt Kroker, „und auch für den Verein ist der eine oder andere Euro hängengeblieben“, erklärt er.