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Eigenwillige Entführung

Diebe haben aus der Praxis von Physiotherapeutin Claudia Taubert in Niesky ein Skelett entwendet.

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© André Schulze

Von Alexander Kempf

Er ist etwa 1,75 Meter groß, trägt eine Glatze und wird seit Freitag vermisst. Hugo nennen Physiotherapeutin Claudia Taubert und ihre Mitarbeiter das Skelett, von dem seit Freitagmorgen jede Spur fehlt. „Das schlimmste ist die Ungewissheit. Die Vorstellung, dass unser Hugo in einer dunklen zugigen Ganovengarage friert, während wir in Familie Weihnachten unter dem Baum feiern, ist unerträglich“, sagt Claudia Taubert. Auch der verschwundene Laptop und das fehlende Bargeld dürften sie ärgern. Besonders nah geht aber die Entführung ihres „dienstältesten Mitarbeiters“.

Um diesen wieder zu erlangen, bittet die Unternehmerin nun die Nieskyer um Mithilfe. Für entscheidende Hinweise, die zum Auffinden des Entführten beitragen, hat Claudia Taubert eine Belohnung von 100 Euro ausgesetzt. „Eigentlich“, sagt die Physiotherapeutin, „müssten die Täter in Begleitung von Hugo auffallen. Wer geht schon mit einem Skelett einkaufen oder zum Weihnachtsmarkt?“ In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag sind Unbekannte gewaltsam in die Praxisräume an der Königshainer Straße eingedrungen.

Es ist nicht der erste Fall, bei dem Praxen von Physiotherapeuten in der Region das Ziel von Einbrechern werden. Vor genau zwei Wochen sind Unbekannte in die Räume von Marlies Sorge in der Jahnstraße in Weißwasser eingedrungen. Der Sachschaden beläuft sich damals auf rund 4 400 Euro, erzählt die Geschädigte. Erst wenige Wochen zuvor hat sie sich für Behandlungen ein Spezialgerät gekauft. Die 3 500 Euro teure Maschine nehmen die Täter genauso mit wie eine Radioanlage und die Kaffeekasse. „Man ist geschockt, wenn man früh in den Raum kommt“, sagt Marlies Sorge. Die Regale sind ausgeräumt und alles durchgewühlt gewesen.

Auch ihr Kollege Olaf Köllner aus Bad Muskau kennt dieses unangenehme Gefühl. Seine Praxis ist in der Nacht vom 27. auf den 28. November von Einbrechern heimgesucht worden. Den gesamten ersten Advent ist er damit beschäftigt, alles wieder in Ordnung zu bringen. Eine Putzfrau hat ihn auf den Schaden aufmerksam gemacht. „Was sucht man in einer Physiotherapie?“, fragt sich der Betreiber. Er kann sich das Motiv der Täter nicht erklären. „Bei uns gibt es keine Medikamente und keine Spritzen“, sagt er. Am Ende bleibt ein ungutes Gefühl. „Das ist nicht angenehm“, sagt Olaf Köllner. Auch ihm ist ein Geldschaden entstanden.

Gabriele Wernicke ist dieser erspart geblieben. Sensibilisiert durch den Einbruch bei Kollegin Marlies Sorge hat aber auch die Physiotherapeutin aus Weißwasser die Fenster ihrer Praxis genau unter die Lupe genommen und eine unschöne Entdeckung gemacht. Unbekannte haben versucht, Zutritt zu ihrer Praxis zu erlangen. „Es sind nur unwesentliche Druckstellen zu sehen“, sagt Gabriele Wernicke. Die zurate gezogene Polizei habe ihr aber den Einbruchsversuch bestätigt. Vermutlich sind die Täter gestört worden.

Ob die Verbrechen in einem Zusammenhang stehen, ist unklar. Vermutlich sind weniger Physiotherapeuten, sondern Praxen im Allgemeinen das Ziel. In Bad Muskau sei parallel zu seiner Praxis auch in die benachbarte Logopädie eingebrochen worden, erzählt Olaf Köllner. Zudem habe er von einem Einbruch in Cottbus gehört. Sein Vertrauen in die Ermittler ist begrenzt. „Sie kennen doch den Zustand der Polizei“, sagt er und klingt desillusioniert.

Hinweise zum Verbleib von Hugo bitte an die 03588/2238390 oder jede Polizeidienststelle.