merken

Ein Ass und drei Joker

Bei Dynamo herrschte zu Saisonbeginn noch Stürmer-Mangel, jetzt ist alles anders. Aber wer hat die besten Karten? Ein Vergleich:

© SZ-Bildstelle/Jens Junge

Von Sven Geisler

Plötzlich hat Dynamo ein Überangebot im Sturm. Dabei herrschte gerade für die Position zu Saisonbeginn große Not, als sich Pascal Testroet gleich im ersten Spiel das Kreuzband riss. Damals war Lucas Röser, der vom Sonnenhof Großaspach aus der 3. Liga gekommen war, kurzzeitig der einzige Angreifer im Kader. Der deshalb eilig nachverpflichtete Finne Eero Markkanen hat sich in der Winterpause davongestohlen, dafür holten die Dresdner Moussa Koné vom FC Zürich – und so hat Trainer Uwe Neuhaus vier Kandidaten für einen Platz. Die SZ bewertet ihre Chancen.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Der Gesetzte: Moussa Koné

Der Senegalese sollte ein Vorgriff sein auf die nächste Spielzeit, sich langsam eingewöhnen. Doch Koné passt sofort, erzielt in acht Spielen sechs Tore, darunter alle drei beim 3:2-Sieg gegen Heidenheim. Neuhaus war sich sicher, dass der 21-Jährige auch allein in der Spitze funktioniert. „Mit seinem Tempo kann er die Räume erlaufen, die sich auf Außen bieten“, erklärt der Coach. „Und auch, wenn man ihm den Ball in den Fuß spielt, hat er ein gutes Geschick, ihn mitzunehmen und weiterzuleiten.“

Trotzdem hat auch Koné einen Nachteil: Mit nur 1,75 Meter ist er kein Kopfballspieler. „Das war schon eine Überlegung“, räumt Neuhaus ein, denn ein großer Angreifer kann auch im eigenen Strafraum mit für die Lufthoheit sorgen. „Das hat aber nicht nur etwas damit zu tun, ob einer 1,70 oder 1,90 Meter ist, sondern mit der Bereitschaft und der Leidenschaft, mit der man in die Zweikämpfe geht.“ Das hätten die anderen trotz des Gegentreffers per Kopf gegen Nürnberg gut gemacht.

Sein Vorteil im Stürmer-Poker: Koné kann auch über die Außenbahn angreifen.

Der Rückkehrer: Pascal Testroet

Sein Comeback nach dem Kreuzbandriss, das ist Neuhaus bewusst, hätte Testroet „liebend gern schon zwei, drei Spiele vorher“ gegeben. „Aber nach so einer langen Pause gibt es zwischen Training und Wettkampf schon noch einen Unterschied.“ Den Härtetest hat der 27-Jährige dann mit seinen zwei Toren gegen Zizkov bestanden. Und so durfte er in der Schlussviertelstunde zurück auf den Platz. „Es war klar, dass mit dem Wechsel auch emotional auf den Rängen noch etwas passiert“, meint der Trainer. Die Fans begrüßten ihren „Fußballgott“, eine Ehre, die sich Testroet im Aufstiegsjahr mit 18 Toren verdient hatte.

In der Vorsaison stand er jedoch im Schatten von Stefan Kutschke, hat nur dreimal getroffen, darunter zum späten 1:1 gegen Nürnberg. „Natürlich hatte ich das Tor in Erinnerung“, sagt Neuhaus. „Schade, es endet nicht immer so, wie man es sich wünscht.“ Testroet hängt immer noch der Zweifel an, ob er sich in der zweiten Liga durchsetzen kann. Mit Arminia Bielefeld war er zweimal aufgestiegen, wurde aber erst an Osnabrück ausgeliehen und dann an Dynamo abgegeben.

Sein Vorteil: Er hat bewiesen, dass er als einzige Spitze genauso funktioniert wie mit einem Sturmpartner. Er hat das, was man Torinstinkt nennt, und – genauso wichtig – spielt mannschaftsdienlich.

Der Torjäger: Lucas Röser

Gerade war er noch besonders wertvoll, jetzt ist er nur noch der dritte Mann? Lucas Röser führt mit neun Treffern nach wie vor die interne Torjägerliste an, er hatte sich in der Winterpause gegen den damals einzigen Konkurrenten Peniel Mlapa durchgesetzt. Die Zweitliga-Tauglichkeit dürfte ihm inzwischen keiner mehr absprechen. Trotz nur 1,84 Meter ist der 24-Jährige kopfballstark, womit er bei gegnerischen Standards eine feste Größe war. Zudem hat sich auch in puncto Ballbehauptung deutlich verbessert. Er geht keinem Zweikampf aus dem Weg und läuft viel, um anspielbar zu sein. Ein Nachteil vor allem gegenüber Koné: Er ist weniger antrittsschnell.

Sein Vorteil: Röser harmoniert auch als zweite Spitze mit Koné, hat dem Sturmpartner bereits zwei Treffer aufgelegt, insgesamt stehen vier Vorlagen in seiner Statistik. Als zweiter Angreifer ist er nach wie vor er jederzeit eine gute Option.

Der Außenseiter: Peniel Mlapa

Als Kutschke-Ersatz für eine Ablöse von geschätzt knapp einer halben Million Euro vom VfL Bochum geholt, wird der Togoer den Erwartungen bisher nicht gerecht, obwohl er fünf Tore erzielt hat, davon zwei per Elfmeter. „Wir haben uns sportlich von ihm mehr erhofft, das muss man so sagen“, hatte Ralf Minge zur Winterpause über Peniel Mlapa gesagt. Der Sportgeschäftsführer mahnte aber auch eine höhere Sensibilität von den Fans an. „Wir dürfen ihn nicht zum Sündenbock stempeln.“ Er verhalte sich korrekt und sei ein fester Bestandteil der Mannschaft.

Allerdings blieb für ihn gegen Nürnberg zum ersten Mal kein Platz im Kader. Das laufintensive Spielsystem scheint dem früheren Bundesliga-Stürmer – 79 Spiele, acht Tore – nicht zu liegen. Das Problem: Er hat einen Vertrag bis Juni 2020. Sein Problem: Die Konkurrenten Koné (2022), Röser (2020) und Testroet (2019) bleiben.