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Ein Baum hat Hoffnung

Es ist ein alter Baum auf dem Foto. Dicke knotige Äste. Ein paar dünne Spitzen. Alles verzweigt, die Baumausläufer kriechen nahe am Boden des Schönfelder Hochlandes. Vielleicht ist der Hauptstamm irgendwann einmal gebrochen.

Von Mira Körlin

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Es ist ein alter Baum auf dem Foto. Dicke knotige Äste. Ein paar dünne Spitzen. Alles verzweigt, die Baumausläufer kriechen nahe am Boden des Schönfelder Hochlandes. Vielleicht ist der Hauptstamm irgendwann einmal gebrochen. Aber der Baum lebt. Und er hat viel gesehen.

Tieren und Pflanzen Schatten und Herberge gegeben. Geblüht und die Samen dem Wind geschenkt. Ob er die Trockenheit dieses Sommers überstanden hat? Ein Kollege hat den liegenden Riesen einmal fotografiert. Und mir gefällt das Bild so sehr, dass ich den Hausmeister bitte, es in unser Büro zu hängen.

Bei diesem Astgewirr weiß der zunächst gar nicht, wo oben und unten ist. Wie bei uns Menschen. Kaum ein Lebensweg verläuft gerade. Geschweige denn steil nach oben. Wer im fortgeschrittenen Alter zurückschaut, sieht, wie verschlungen mancher Lebensweg war. Vielleicht auch steinig. Oder lang.

Immer aber haben andere von diesen verschlungenen Wegen profitiert: Freunde, Kollegen. Hund oder Katze. Die Erdbeeren im Garten. Oder die Blumen auf dem Balkon. Nachbarn, Kinder, Enkel. Von denen überblickt kaum einer, was jemand im Leben alles ausgehalten, getan, oder wenigstens versucht hat.

Das wäre schön, wenn man seine verschlungenen Lebenswege in ein Bild packen könnte. Und die Enkelin oder der Nachbar würde darauf schauen wie ich auf das Foto des Baumes, und sagen: Was für ein Leben.

Ich glaube, dass Gott all unsere Lebenswege sieht. Auch Vermurkstes und Misslungenes. Genauso wie die viele Mühe und die Umwege und die Hoffnung und die Liebe, die wir gaben. Nichts ist umsonst.

In einer biblischen Geschichte geht es um einen Mann, dessen Lebensweg am Ende zu sein scheint. Er heißt Hiob, und er wünscht sich, so optimistisch sein zu können wie ein Baum: Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen, und seine Schösslinge bleiben nicht aus. (Hiob 14,7)

Ich wünsche mir, dass der Baumriese im Schönfelder Hochland im nächsten Jahr wieder austreibt.

Und auch uns wünsche ich, dass wir Neues wagen und Hoffnung säen können auf dem Stück Lebensweg, das heute vor uns liegt.