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Ein Bewohner erzählt

Wie sind die Zustände in der Unterkunft auf der Hamburger Straße wirklich?

© Jürgen-M. Schulter

Fragt man Mahmoud, wie das Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Hamburger Straße ist, schluckt er und blickt zu Boden. „Es ist überhaupt nicht gut“, sagt der 24-Jährige. Das Essen reiche nicht für alle, über eine Stunde stehe er jeden Tag an der Essensausgabe, dort gebe es immer im Wechsel die zwei immer gleichen Gerichten: Makkaroni und Reis mit Gemüse. Seit neun Monaten. So lange lebt der Palästinenser aus dem Libanon dort. Laut Behörden sollen die Flüchtlinge nicht länger als sechs Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben.

„Jeden Tag gibt es Probleme und Stress unter den Bewohnern, verschiedene Kulturen prallen aufeinander“, erzählt Mahmoud, der eigentlich anders heißt, aber lieber anonym bleiben möchte. Aus Angst vor Repressalien im Heim. Was er allerdings nicht bestätigen kann, sind die Berichte über eine fehlende Essensversorgung im Fastenmonat Ramadan. „Es gibt jetzt immer von 21 bis 22.30 Uhr noch mal eine Essensausgabe.“ Muslime dürfen während des Ramadan nur ab Einbruch der Dunkelheit bis 3 Uhr in der Nacht essen.

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Schwierig sei aber die Situation bei den Sanitäranlagen. Es gebe pro Etage 24 Zimmer, in jedem der Zimmer leben sechs Personen. Für die über hundert Menschen gibt es aber nur zwei Toiletten, berichtet er. Über die langen Wartezeiten an den Toiletten und über die fehlende Privatsphäre entbrenne regelmäßig Streit. „Die Zimmer, die offiziell für sechs Personen ausgelegt sind, werden oft mit deutlich mehr Menschen belegt.“ Diese müssten dann auf Matratzen auf dem Boden schlafen. Ob das alles stimmt, bleibt unklar. Es gäbe pro Etage einen Duschraum, in dem es allerdings keinen Vorhang oder Ähnliches gäbe. Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Auch die Frauen könnten die Duschen nicht abschließen. (SZ/jv)