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Ein Birkwitzer zeigt Flagge

Unbekannte steckten die Autos von Frank Papperitz in Brand. Hängt das mit seinem Stolz auf Europa zusammen?

© Daniel Schäfer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Den 7. Juli 2017 vergisst Frank Papperitz nicht. „Ich weiß es noch genau. Gegen 2  Uhr wachte ich auf, weil ich es mehrmals laut knallen hörte“, erzählt der Birkwitzer.

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Im Juli 2017 zündeten Unbekannte seine Autos an. © Marko Förster

Zuerst denkt er an Feuerwerkskörper. Er stürzt in den Flur und sieht von außen einen rötlichen Schein. „Es war unheimlich“, erinnert sich Frank Papperitz. Dann schaut er aus dem Fenster. Beide Autos der Familie brennen hell. Seine Frau und Tochter alarmieren die Polizei sowie die Feuerwehr. Frank Papperitz selber stürzt mit seinem Schwiegervater nach unten. Gemeinsam versuchen sie, den Kaninchenstall zu retten. Das gelingt. „Es war dramatisch“, sagt Papperitz. Die Hitze ist so stark, dass die Fensterscheiben seines Hauses bersten. Wenige Minuten später treffen vier Feuerwehren ein, die den Brand löschen.

Die Kripo ermittelt wegen Brandstiftung. Allerdings werden diese Untersuchungen eingestellt, da der Täter nicht ermittelt werden kann. Ein komisches Gefühl bleibt bei der Birkwitzer Familie.

Zumal Frank Papperitz im ersten Moment eine Verbindung mit den Flaggen, die seit 2015 an seinem Gartenzaun hängen, nicht ausschließen kann. Dabei handelt es sich um die blaue Europa-Fahne sowie um die bunte Regenbogen-Friedensfahne mit der Aufschrift „Peace“. Sie ist seit den 1970er-Jahren das Symbol der Friedensbewegung. Beide Flaggen wurden vor dem Brandanschlag oft abgerissen.

Ist die tolerante Einstellung der Familie Papperitz jemandem derart ein Dorn im Auge, dass er selbst vor einem Brandanschlag nicht zurückschreckt? „Doch dann erfuhren wir, dass im vergangenen Oktober ebenfalls zwei Autos in Pirna-Copitz angezündet wurden. So gehen wir davon aus, dass wir wahrscheinlich doch ein zufälliges Opfer von Brandstiftern waren und es sich nicht um einen gezielten Anschlag handelte“, erzählt der 48-Jährige. Er überlegt einen Moment und sagt dann leise: „Das hat uns stark entlastet.“

Dennoch hat er seit den Autobränden die Friedensfahne nicht wieder herausgehängt. Nach wie vor aber hängt die blaue Europaflagge an seinem Jägerzaun. Denn weiterhin will Frank Papperitz seine liberale und tolerante Haltung zum Ausdruck bringen. Die Flaggen hat er nach den Ausschreitungen gegen die Asylbewerberunterkunft in Heidenau im Spätsommer 2015 gekauft. „Ich wollte ein Zeichen setzen, dass es in Sachsen nicht nur engstirnige Menschen gibt, sondern auch welche, die anders denken, nämlich weltoffen.“

Aus diesem Grund besuchen er und seine Frau auch regelmäßig das Begegnungscafé der Diakonie in Pirna-Copitz, wo Flüchtlinge mit Einheimischen zusammenkommen. „Zusammen an einem Tisch zu sitzen, sich zu unterhalten, das schafft Verständnis füreinander“, ist seine Überzeugung. Das zeigt sich auch bei seiner ehramtlichen Arbeit im Verein „Fahrrad-Veteranen-Freunde-Dresden 1990“. Jährlich veranstalten die Mitglieder eine Ausstellung im Dresdner Stallhof. In diesem Herbst will man über den eigenen Tellerrand gucken. Die Schau im September läuft unter dem Motto „Nachbars Rad“. „Wir wollen zeigen, wie sich die Fahrradkulturen in anderen Ländern entwickelt haben“, erzählt Frank Papperitz.

Osterüberraschung