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Ein Birnbaum für Pirnas Südumfahrung

© Kristin Richter

Bevor der Trassenbau beginnen darf, muss an die Umwelt gedacht werden. Reichen da ein paar neue Gehölze?

Von Christian Eissner

Pirna. Er ist das erste sichtbare Zeichen für Pirnas geplante südliche Umgehungsstraße: ein Birnbaum. Lokale Politiker pflanzten ihn am Dienstag gemeinsam mit Barbara Fahland, Projektleiterin bei der Bundesfernstraßen-Gesellschaft Deges. Der rund vier Meter hohe Baum kam in der Nähe des Lindigt-Gutes in Pirna-Zehista in die Erde – an einem Feldweg direkt neben der künftigen Trasse.

Es wird nicht die einzige Neupflanzung bleiben. „Die Bauvorbereitungen beginnen mit Kompensationsmaßnahmen für den Naturschutz“, erläutert Barbara Fahland. Die Birne ist Teil einer Obstbaumreihe, die Fledermäusen künftig den Weg entlang der Südumfahrung weisen soll, sodass die Tiere möglichst nicht mit Autos kollidieren. Nach Angaben der Deges werden bis Februar 2017 als Ausgleich für den Straßenbau 15 Hektar Grünland angelegt, zudem wird knapp ein Hektar Land mit Bäumen und Büschen bepflanzt.

Trassenplaner: Ausweich-Lebensräume für Goldammer und Neuntöter

Nach EU-Recht muss dieser Natur-Ausgleich erfolgen, bevor überhaupt mit Bauen begonnen werden kann, denn in dem Gebiet zwischen Feistenberg, Seidewitztal, Kohlberg, Gottleubatal und Viehleite, das die Südumfahrung durchschneiden soll, leben besonders geschützte Tierarten. Es handelt sich dabei vor allem um Fledermäuse und Vögel. Laut den Planfeststellungs-Unterlagen könnten 16 der 20 in Sachsen vertretenen Fledermaus-Arten durch den Bau der Südumfahrung betroffen sein, denn sie schneidet deren Flugkorridore. Die Kleine Hufeisennase ist dabei wohl die prominenteste.

Weiter nennt das Artenschutz-Gutachten, das im Rahmen der Trassenplanung angefertigt wurde, 78 Vogelarten im Bereich der Südumfahrung, wobei die Wiesen am Kohlberg als Lebensraum vom Grauammer, Goldammer, Neuntöter und Wendehals besonders hervorgehoben werden. Für diese Arten, die auf extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen und Feldraine angewiesen sind, müssen Ausweich-Lebensräume geschaffen werden.

Naturschützer: Grundsätzliche Bedenken wegen Schutzgebieten

Bei der Planfeststellung für die Trasse hatte es zahlreiche Einwände aufgrund von Naturschutzbedenken gegeben. So hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dem Vorhaben nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der Kohlbergtunnel nicht wie zunächst geplant in offener, sondern in geschlossener Bauweise erfolgt. Das ist jetzt so geplant.

Zudem sind die Naturschützer der Auffassung, dass für das Vorhaben aufgrund seines Umfangs und der Beeinträchtigung von FFH- sowie Natura-2000-Schutzgebieten eine sogenannte strategische Umweltprüfung erforderlich gewesen wäre. Sie wägt Umwelt-Interessen gegen andere Interessen ab. Im Planfeststellungsbeschluss aus dem November 2015 wird der Einwand mit der Begründung zurückgewiesen, dass das Gesetz zur Pflicht einer solchen Prüfung zwar im Juni 2005 in Kraft trat, die Südumfahrung aber schon seit 2004 Teil des Bundesverkehrswegeplans sei. Somit habe man die Prüfung nicht machen müssen.

Anwohner: Große Angst vor Verkehrslärm

Beim Vor-Ort-Termin am Dienstag zeigte sich deutlich, wie nah die Trasse am Lindigt-Gut und an Wohngebieten in Pirna-Zehista vorbeiführen wird. Im Genehmigungsverfahren für das Vorhaben waren von zahlreichen Anwohnern Einwände wegen Lärmschutz-Bedenken und Minderung der Wohnqualität eingegangen. Die Trasse verhindert hat das nicht. Bei der Abwägung des Für und Wider im Planfeststellungsverfahren berief sich die zuständige Landesdirektion Sachsen unter anderem darauf, dass durch die Südumfahrung mehr Pirnaer vom Durchgangsverkehr entlastet als belastet werden. Laut der Planung soll die Südumfahrung nun unmittelbar im Seidewitztal Schallschutzwände bekommen, am Lindigt-Gut aber zum Beispiel nicht.

Politiker: Trasse ist nötig – und der Bau wird spannend

Beim Baumpflanzen am Dienstag betonten sowohl Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) als auch der Gohrischer CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig die Bedeutung der Südumfahrung für Pirna und die Sächsische Schweiz. Der jahrelange Kampf ums Baurecht habe sich gelohnt, so Hanke. Die Politik habe Wort gehalten und werde Pirna vom Verkehr entlasten, ergänzte Klaus Brähmig.

Auch die Projekt-Ingenieure der Deges übrigens schwärmen von der Südumfahrung. Mit dem Kohlbergtunnel und der über 900 Meter langen und fast 70 Meter hohen Brücke übers Gottleubatal ist die Trasse für sie eine spannende Herausforderung. „So etwas baut man nicht alle Tage“, sagt Projektleiterin Barbara Fahland.