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Dresden

Ein blaues Auge am Heiligabend

Auf dem Striezelmarkt bekommt eine Sockenverkäuferin ein Veilchen verpasst. Jetzt stand der Angeklagte vor Gericht. 

Blick auf dem Dresdner Striezelmarkt © René Meinig

So hatte sich Edwina T. das Weihnachtsfest wohl nicht vorgestellt: Mit einem blauen Auge musste die Rentnerin im Dezember die Geschenke auspacken. Verpasst hatte es ihr ausgerechnet ein guter Bekannter – auf dem Striezelmarkt.

Amtsrichter Rainer Gerards versuchte am Montag herauszufinden, warum Jürgen T. einen Tag vor Weihnachten mit der Faust zuschlug. Doch vom Angeklagten erfuhr er nicht allzu viel. Bis zuletzt bestritt der 67-Jährige, gewalttätig geworden zu sein. Opfer und Täter kennen sich seit reichlich zwei Jahren. Die ehemalige Versicherungsagentin erledigte für den Mann anfänglich eine Erbschaftsangelegenheit. Der Rentner revanchierte sich mit Gefälligkeiten, fuhr unter anderem den kranken Mann der Frau zum Arzt. Wenn Edwina T. auf dem Striezelmarkt Socken verkaufte, besorgte er oft kleines Wechselgeld für sie. Er begleitete sie sogar in der Straßenbahn, wenn sie zur Schicht fuhr und von der Schicht nach Hause wollte. Die Dresdnerin sprach vor Gericht davon, dass sich über die Jahre eine „leichte Freundschaft“ entwickelt habe.

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Am 23. Dezember letzten Jahres bekam die heute 69-Jährige erstmals seine Wut zu spüren. An jenem Abend brachte sie ihre Chefin nach Hause. Ihrem guten Bekannten sagte Edwina T. allerdings nicht Bescheid. Dieser wartete offenbar vergebens auf dem leeren Striezelmarkt auf sie. Danach griff er zum Telefon und brüllte. Edwina T. verstand nichts und legte auf.

Leiter soll aufs Opfer gefallen sein

Am nächsten Morgen stattete ihr der Mann persönlich einen Besuch auf dem Altmarkt ab. „Er kam über den Platz gefegt, wütend“, so Edwina T. Zu diesem Zeitpunkt vermutete sie, er wolle das Kleingeld, was er am Vortag mitgebracht hatte, zurückhaben. Die Verkäuferin hielt eine Leiter in den Händen. Da habe T. durch die Sprossen geschlagen. „Du dreckige Schlampe“, soll er anschließend gebrüllt haben. Mit den Worten „Ich weiß, wo du wohnst“ sei er davongestürmt, bevor die Polizei eintraf, so die Dresdnerin.

Edwina T. musste von Sanitätern behandelt werden. Diagnose: Prellung des rechten Jochbeins. Eine Woche lang sei ihr Auge dick gewesen. Glücklicherweise war im Gesicht nichts gebrochen. Ihren Enkeln musste sie zu Weihnachten trotzdem mit blauem Auge entgegentreten.

Ob es ums Geld ging oder doch den Abend zuvor, als T. stehengelassen wurde? „Ich weiß nicht, warum er ausgeratstet ist“, so das Opfer. T. behauptete am Montag, gar nicht zugeschlagen zu haben. Maximal habe er durch eine unglückliche Bewegung dafür gesorgt, dass ihr die Leiter entgegenfallen sei. Falls dies so passiert sein sollte, sagte er, bitte er um Entschuldigung. „Ansonsten möchte ich mit ihr nichts mehr zu tun haben.“

Richter Gerards sah die vorsätzliche Körperverletzung in Tateinheit mit den Beleidigungen dagegen als erwiesen an. Es gebe keinen Grund, an den Aussagen der Frau zu zweifeln. Zumal sie zunächst gar nicht Anzeige erstatten wollte. Erst eine andere Striezelmarkt-Verkäuferin, die das Gebrüll mitbekam, rief die Polizei. Der nicht vorbestrafte Rentner muss knapp 1.630 Euro zahlen, zuzüglich der Verfahrenskosten.

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