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Ein Blick in die Anfangszeit von Dippoldiswalde

Eine Ausstellung in Dippoldiswalde erklärt die Arbeit der Archäologen. Die zeigt, wie weit ein Bergmann um 1200 in einem Jahr vorankam.

© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Für die Archäologie ist Dippoldiswalde mit seinem Altbergbau ein europaweit einzigartiger Ort. „Das Sächsische Landesamt für Archäologie ist das Einzige in Europa, das in der Lage ist, unter Tage Untersuchungen zu machen“, sagt Dr. Christiane Hemker. Sie ist Mitarbeiterin des Landesamts und Leiterin des EU-Forschungsprojekts Archaeomontan, das den mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge erforscht. Am Donnerstag eröffnete sie im Foyer des Dippser Rathauses mit Oberbürgermeister Jens Peter (parteilos) eine Ausstellung, welche die Arbeit von Archaeomontan darstellt.

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Es sind Stellwände, die jetzt bis zum Ende des Jubiläumsjahrs „800 Jahre Dippoldiswalde“ in der Stadt zu sehen sein werden. Die nächsten Wochen bis zum Festwochenende Anfang Juni stehen sie im Erdgeschoss des Rathauses, danach werden sie in den Räumen der Sparkasse gezeigt, informierte Jens Peter. Zwischenzeitlich gehen sie dann ins Kulturzentrum Parksäle, denn dort treffen sich im August über 150 Wissenschaftler zu einer Tagung, in der sie die Ergebnisse ihrer Forschungen im Erzgebirge und vor allem in Dippoldiswalde vorstellen. Der Höhepunkt dieser Tagung wird am 23. August die Eröffnung der neuen Dauerausstellung zum mittelalterlichen Bergbau im Schloss Dippoldiswalde sein.

Die jetzige Ausstellung erklärt verschiedene Methoden, welche die Archäologen anwenden. Diese gehen weiter über die klassische Ausgrabung hinaus. Techniken aus der Chemie, der Physik oder der Botanik geben heute Auskunft über die Lebensweise unserer Vorfahren und die Umwelt, in der sie gelebt haben. Mit Lasertechnik wurden beispielsweise Luftbilder angefertigt, die sogar im Wald die Bodenoberfläche erfassen und auf alte Bergbausiedlungen hindeuten. „Da werden bei der Tagung im August interessante Ergebnisse präsentiert“, verspricht Hemker.

Besonders wertvoll für die Forschung, aber auch besonders empfindlich, sind dabei die Holzfunde in den alten Bergwerken. Die Fachleute können im Holz lesen wie in einem Buch. Beispielsweise sind die Muster der Jahresringe nie einheitlich. Je nach Wetterverlauf wachsen die Ringe von Jahr zu Jahr anders. Das ergibt für jeden Zeitraum ein charakteristisches Muster. Daraus lässt sich exakt ablesen, wann ein Baum geschlagen wurde. Die Fachleute nennen das Dendrochronologie, Baumzeitmessung. Damit haben die Archäologen festgestellt, dass beispielsweise in Niederpöbel die mittelalterlichen Bergleute ein Jahr gebraucht haben, um einen Stollen drei Meter in den Stein zu treiben. Auf dieses Ergebnis sind Fachleute in ganz Europa aufmerksam geworden, berichtet Christiane Hemker.

Sogar die Entwicklung eines Bergwerks lässt sich mit diesen Holzfunden nachvollziehen. Unsere Vorfahren haben begonnen, einen Stollen voranzutreiben und ihn danach wieder verlassen. Später haben sie noch mal angefangen, dort weiter zu suchen. Mit den Hölzern, die sie verwendet haben, ist das auch jetzt, 800 Jahre später, für uns dokumentiert.

Aus späteren Zeiten sind schriftliche Dokumente überliefert. Dann sind solche Erkenntnisse nichts Besonderes mehr. Aber in der Zeit um das Jahr 1200 haben unsere Vorfahren nur wenig schriftliche Urkunden produziert. Umso wertvoller sind solche Erkenntnisse aus der Anfangszeit von Dippoldiswalde gerade jetzt im Jubiläumsjahr der Stadt.